Noch acht Tage bis zur Show! Lang­sam wird es ernst, Mike (Regis­seur) erin­nert gerade an wich­tige Dinge. Allem voran steht natür­lich das Ken­nen der eige­nen Zei­len. Aber auch Requi­si­ten, Kos­tüme und Öffent­lich­keits­ar­beit spricht er an, um den Erfolg der Auf­füh­run­gen zu gewähr­leis­ten. Nun wird es ernst, ein erneu­ter „full run” wird wohl in weni­gen Minu­ten beginnen.

Davor gibt es immer ein paar andäch­tige Minu­ten, Mike lei­tet uns durch eine Art Medi­ta­tion. Er sagt, dass wir die­sen Tag ver­ges­sen sol­len, die vie­len klei­nen Ärger­nisse und Pla­gen. Dann sol­len wir uns vor­stel­len, durch Raum und Zeit zurück­zu­ge­hen, in jene 50er Jahre, die den Hin­ter­grund des Stü­ckes dar­stel­len. Andere Sit­ten, andere Fri­su­ren, andere Autos, andere Träume und Sor­gen — wir strei­fen unser altes Ich ab und neh­men eine neue Iden­ti­tät an. Die­ser Wan­del ist für mich, zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht gerade schwie­rig, spiele ich doch nur einen anony­men Mann, der am Beginn zusam­men­ge­schla­gen wird, und spä­ter einen Poli­zis­ten. Trotz­dem, diese ruhi­gen, kon­tem­pla­ti­ven Minu­ten vor der eigent­li­chen Probe sind ange­nehm, sie ver­lei­hen die­sem Augen­blick Weihe. Sie las­sen all die pri­va­ten Gesprä­che ver­stum­men, die durch den Raum schwir­ren. Sie machen aus einem Hau­fen Leute eine Theatergruppe.

In ein­ge­spiel­ter Weise neh­men wir unsere Posi­tio­nen ein, ich stehe allein rechts auf der Bühne, wäh­rend sich die „Gang” links grup­piert. Auf der Bühne wird es dann völ­lig dun­kel sein, mein Pfei­fen wird das erste sein, was das Publi­kum ver­nimmt. Sodann nähere ich mich der Mitte, der ein­zig beleuch­te­ten Stelle zu die­sem Zeit­punkt. In die­sem Augen­blick kommt mir der Anfüh­rer der Gang (Buzz) ent­ge­gen und tritt eben­falls in den Licht­ke­gel. Ich ver­stumme. Dann for­dert er mich auf, mein Pfei­fen fort­zu­set­zen, wäh­rend die ande­ren Gang-​​Miglieder mich umzin­geln. Ich werde immer ner­vö­ser, Buzz fragt nach Ziga­ret­ten. Sicht­lich beängs­tigt suche ich wel­che her­aus, biete sie an. Aber er besteht dar­auf, dass ich selbst eine rau­che. Er würde sie mir sogar anzünden.

In dem Moment, als ich mich vor­beuge, trifft er mich mit der Faust in den Magen, ich äußere ein in die­ser Situa­tion ange­mes­se­nes Geräusch. Mein Ver­such, nach links zu ent­kom­men, wird von zwei grim­mi­gen Mit­men­schen ver­ei­telt, ich finde mich inmit­ten der Gruppe und auf dem Boden lie­gend wie­der. Dann tram­peln alle auf dem Boden in mei­ner Nähe herum und ich schreie. So, als würde ich gerade zusam­men­ge­tre­ten. Mit dem Schrei „Bas­tards!” krie­che ich in eine Rich­tung und hum­pele von dan­nen. Die Gang folgt mir.

Das war also mein glor­rei­cher ers­ter Auf­tritt. Nun ist’s eine lange Durst­stre­cke bis zum drit­ten Akt, mei­nem fina­len Auf­tritt als Poli­zist. Wäh­rend­des­sen sitze ich also herum und schreibe das hier. Die vie­len ande­ren Untä­ti­gen sit­zen eben­falls herum, man­che an ihren Lap­tops. Einige sind auch drau­ßen und erhö­hen ihre Chan­cen auf bestimmte Krankheiten.

Das Stück läuft unter­des­sen wei­ter, anschei­nend ohne grö­ßere Pro­bleme. Heute ist der erste Tag, an dem keine Zei­len mehr vor­ge­sagt wer­den. Aber bis­her gab es noch keine Hän­ger, das lässt hof­fen. Das Maß an Kon­zen­tra­tion und Pro­fes­sio­na­li­tät ist heute abend ziem­lich hoch, es ist fast schon erstaun­lich für diese Chaoten-​​Truppe.

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