Nach drei glor­rei­chen Auf­füh­run­gen und der Demon­tage der Bühne ist „rebel wit­hout a cause” Geschichte. Was bleibt ist die Erin­ne­rung an ein paar sehr anstren­gende Wochen mit all­abend­li­chen Pro­ben, an all die Gesich­ter und Men­schen, an die immer wie­der moti­vie­ren­den Reden von unse­rem Regis­seur Mike, an die klei­nen Pan­nen und an viele wei­tere Ein­zel­hei­ten. Noch steht uns die Abschluss­fete bevor, dann sind die Gedan­ken der meis­ten Leute schon bei der nächs­ten Show, einem noch nicht näher bestimm­ten Musical.

Am Sams­tag — zur letz­ten Auf­füh­rung — gab es noch ein paar sehr emo­tio­nale Momente. Mike stimmte uns vor der Auf­füh­rung mit einer Rede ein, die ich von ihm so nie erwar­tet hätte. Er sagte uns, dass seine Mut­ter im Pulikum säße und wie­viel er ihr ver­danke. Es war echt bewe­gend und mit erneu­er­tem Enthu­si­as­mus stürz­ten wir uns ins Gesche­hen. Nach der Auf­füh­rung wur­den alle wich­ti­gen Betei­lig­ten auf die Bühne geholt und es gab Blu­men. Auch Mike’s Mut­ter kam nach vorn und sagte mit gerühr­ter Stimme, wie stolz sie auf ihren Sohn sei und wie froh, dass sie heute Abend die­ses Stück ange­schaut habe. Mike brachte kein Wort her­aus, für ihn eher unty­pisch. Also ein sehr emo­tio­na­ler Abschied.

Die meiste Zeit des Stü­ckes ver­bringe ich übri­gens im Umklei­de­raum, zusam­men mit ande­ren Leu­ten, wel­che auch nur kleine Rol­len spie­len. Das Umzie­hen ist schnell gesche­hen, meis­tens las ich danach ein Buch. Gele­gent­lich kommt jemand her­un­ter und wird sofort aus­ge­quetscht, ob alles gut gelau­fen sei. Der Ablauf ist allen hin­rei­chend bekannt, so dass man sich dann auch unge­fähre Vor­stel­lun­gen von der ver­blei­ben­den War­te­zeit machen kann. Irgend­wann kommt dann der Ruf, dass sich alle Leute einer bestimm­ten Szene fer­tig machen sol­len. Aus dem grel­len Licht des Umklei­de­rau­mes steige ich die dunk­len Trep­pen zur Bühne hin­auf. Auf der Bühne höre ich jetzt die gerade dar­auf befind­li­chen Leute. Leise laufe ich wei­ter, zu der Stelle, von der aus ich dann in eini­gen Minu­ten in Aktion tre­ten werde. Es herrscht völ­lige Dun­kel­heit, ich tapse in der Fins­er­nis, ahne mehr als ich sehe. Nach lan­gen Minu­ten des War­tens ist es soweit, der Sze­nen­wech­sel fin­det statt und die Schein­wer­fer beleuch­ten nun auch mich, las­sen mich für das Publi­kum über­haupt exis­tie­ren. Ich sage meine Zei­len, laufe meine Bah­nen, schaue in die vor­ge­se­he­nen Rich­tun­gen, bis zum Abgang.

Für ein paar Minu­ten stand ich im Schein­wer­fer­licht auf der Bühne, von hun­der­ten Augen ver­folgt, von hun­der­ten Ohren gehört. Ich war der kleine Teil einer Geschichte, einer ver­än­der­ten Wirklichkeit.

Nun sitze ich also wie­der hier, bin ein wenig ver­än­dert und doch noch der Alte. Neu ist nun diese Unge­wiss­heit, was ich mit mei­ner abend­li­chen Zeit anfan­gen soll.

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