Was bedeu­tet Vir­tuo­si­tät? Der erste Gedanke wäre wohl der, dass vir­tuose Bewe­gun­gen, schnel­les Spiel, tech­nisch bril­lan­tes Über­set­zen, die Hände über­all zugleich zu haben — dass dies alles Vir­tuo­si­tät an den schwarz-​​weißen Tas­ten ausmacht.

Aber das ist es nicht. Vir­tuo­si­tät bedeu­tet, einen Ton genau so anzu­schla­gen, dass er eine bestimmte Stim­mung aus­drückt. Es gibt unend­lich viele Mög­lich­kei­ten, eine Taste zu drü­cken. Und im Zusam­men­hang einer Melo­die genau die rich­tige Mög­lich­keit zu fin­den, diese eine Taste mit einer bestimm­ten Kraft, mit dem rich­ti­gen Schwung, mit dem rich­ti­gen Nach­druck zu betä­ti­gen, darin liegt das Geheim­nis. Und dies zu tun, ohne dar­über nach­zu­den­ken, es ein­fach im Gefühl zu haben, darin unter­schei­den sich Ama­teure von Meistern.

Eigent­lich ist es immer wie­der das, woran ich zu arbei­ten habe. Ich kann die Tas­ten in der rich­ti­gen Rei­hen­folge drü­cken, und im (eini­ger­ma­ßen) rich­ti­gen Tempo. Aber das ist nur Fas­sade, denn hin­ter jeden noch so kom­ple­xen Tabu­la­tur ver­ste­cken sich ganz viele ein­zelne Töne. Und die gilt es zu spie­len, richtig.

Viel­leicht wäre es sinn­vol­ler, mit ein­zel­nen Tönen anzu­fan­gen, immer wie­der das C zu spie­len, den Ozean der Mög­lich­kei­ten, die in die­sem ein­zel­nen Ton sich ver­ber­gen, aus­zu­lo­ten. Und dann, nach einem Jahr, wenn man nur die­sen einen Ton gespielt hat, immer wie­der, beginnt man mit zwei Tönen, Ton­fol­gen, die man ganz lang­sam immer kom­ple­xer wer­den lässt. Aber dafür wäre ich wohl zu unge­dul­dig, ich brau­che Erfolgs­er­leb­nisse, will Fort­schritte sehen.

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