Ger­hard Schöne: Weil ich Geburts­tag hab‘

Bitte heute kei­nen gif­ti­gen Nebel,
kei­nen Unfall im Atom­kraft­werk,
kei­nen Schwe­fel­schnee im Erz­ge­birge,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Bitte heute kei­nen Toten in Bei­rut
und kein Blut heut‘ in Afgha­nis­tan,
kei­nen Anschlag heute auf Nica­ra­gua,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Weil ich Geburts­tag hab‘ und mir was wün­schen darf.

Viel­leicht ‚ne Fla­sche Sekt aus der SU,
’ne Tuete Gum­mi­bär­chen dazu,
viel­leicht im Bett ein Ren­dez­vous,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Doch bitte heut‘ kein Atten­tat in Neu-​​Delhi,
bitte heute kei­nen Giftskan­dal,
bitte heute keine Flug­zeug­ent­füh­rung
,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Bitte heute keine Ölpest an der Nord­see,
keine Fol­ter heut‘ in der Tür­kei,
keine Kin­der­ar­beit in Tai­wan,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Weil ich Geburts­tag hab‘ und mir was wün­schen darf.

Kei­nen Polen­witz in Frank­furt an der Oder,
kei­nen Tür­ken­witz in Frank­furt am Main,
kei­nen Schlag­stock auf die Kin­der Sowe­tos,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Bitte heute keine Rüs­tungs­er­folge,
kal­ten Krie­gern heute kei­nen Trumpf.
kein Manö­ver­spiel im Kin­der­zim­mer,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Weil ich Geburts­tag hab‘ und mir was wün­schen darf.

Viel­leicht, dass mir ein Lied gelingt,
die Post­frau gute Briefe bringt,
viel­leicht, dass uns der Mut nicht sinkt,
weil ich Geburts­tag hab‘.

Ja, heute war es soweit. Meine Geburt jährte sich zum 26. Mal. Die­ses Lied ist mir von mei­nem 24. Geburts­tag in Erin­ne­rung geblie­ben. Ich war gerade wie­der aus den USA zurück­ge­kehrt und fasste wie­der Fuß in Dres­den. Und beson­ders meine lie­ben Mit­be­woh­ner mach­ten mir die­sen Wie­der­ein­stieg leicht. Zu mei­nem Geburts­tag, der nur wenige Wochen nach mei­ner Ankunft statt­fand, san­gen sie am frü­hen Mor­gen die­ses Lied, dazu spielte Mat­thias auf der Gitarre die Beglei­tung. Das war ein­fach so schön, die­ses Gefühl, wie­der zu Hause zu sein.

Ich danke allen, die mich erreicht und mir gra­tu­liert haben, ich habe es euch nicht ein­fach gemacht. Und das kei­nes­wegs in böser Absicht, der Akku mei­nes Mobil­te­le­fons war gegen Mit­tag ent­la­den, am Nach­mit­tag war ich unter­wegs, abends schwimmen.

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