Vor­le­sen. Ich lese einen Text. Sitze vor ande­ren Leu­ten und lese. Lesen im Sinne von Spre­chen, ich spre­che mit frem­den Wor­ten. Zuge­ge­be­ner­ma­ßen ist das für mich berau­schend. So nach eini­ger Zeit, wenn ich drin bin, die Rea­tio­nen der Zuhö­rer bemerke, das Gefühl habe, die Leute mit­zu­rei­ßen — dann beginnt der Rausch. Das Geheim­nis des Vor­le­sens ist Vor­aus­le­sen mit den Augen, das Ende des Sat­zes schon erfas­sen, wäh­rend man den Anfang spricht. Und die Leute anschauen, inten­siv anschauen, schließ­lich kann man jeden Ein­zel­nen nur kurz erwi­schen, hat nur kurz Zeit, eine Ver­bin­dung her­zu­stel­len. Pro­ble­ma­tisch ist es dann immer, die rich­tige Stelle im Text wie­der­zu­fin­den. Obwohl, meist erkennt man das rich­tige Wort am Satz­ende schnell, da man sich die unge­fähre Posi­tion gemerkt hat. Und dann geht es wei­ter, der nächste Satz wird auf­ge­so­gen, gemerkt, der Blick hebt sich wie­der zum Blick­kon­takt mit den Zuschau­ern. Ein stän­di­ger Wech­sel der Blick­rich­tung, wäh­rend die Stimme im Raum schwingt. Das ist auch ein schö­nes Gefühl, wenn man diese Ver­bin­dung zum Bauch spürt. Wenn die Stimme von ganz tief kommt und nicht nur oben im Hals sitzt.

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