Unter der Regie von David Bösch spielte das Schau­spiel­haus Zürich das bekannte Schiller-​​Drama um die Unmög­lich­keit einer stan­des­über­schrei­ten­den Liebe zweier jun­ger Men­schen. Ich kannte es aus der Schule, aus die­ser Zeit hatte ich eher düs­tere Erin­ne­run­gen an ein lang­wei­li­ges, tro­cke­nes Stück. Aber jeder Stoff hat seine zweite Chance ver­dient, noch dazu, wenn man an einem Sams­tag­abend mit einer Last-​​Minute-​​Karte güns­tig dazu kommt. Und ich wurde nicht ent­täuscht. Eine kraft­volle Insze­nie­rung, die Liebe war als Anfangs– und Schluss­mo­tiv der emo­tio­nale Schwer­punkt der Inszenierung.

Aber auch die Kaba­len des Hofes waren wun­der­bar umge­setzt. Sekre­tär Wurm als fie­ses Weichei, Prä­si­dent von Wal­ter als skru­pel­lo­ser, har­ter Vater und eine betö­rende, deka­dente Lady Mil­ford — sie alle machen unse­ren Lie­ben­den zu schaf­fen und bil­den den Gegen­pol zur unschul­di­gen Luise und zum idea­lis­ti­schen, stür­mi­schen Ferdinand.

Bei der Insze­nie­rung ver­zich­tete David Bösch wei­test­ge­hend auf Requi­si­ten, die Bühne war meist leer und durch schwarze Vor­hänge begrenzt. Ab und an mal ein Stuhl, in einer Szene ein Tisch, mehr gab es nicht. Dem­ent­spre­chend waren die Schau­spie­ler gefor­dert, nicht starr am Fleck zu ste­hen, son­dern sich zu bewe­gen. Und das taten sie dann auch, nutz­ten den freien Raum, um die Wen­dun­gen, Intri­gen und Ver­füh­run­gen umzusetzen.

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