Nun habe ich wirk­lich fast alle aktu­el­len Stü­cke im Zür­cher Staats­schau­spiel gese­hen, zumin­dest die im tra­di­tio­nel­len Spiel­ort Pfauen. Ges­tern also das Drama Die Glas­me­na­ge­rie des US-​​amerikanischen Autors Ten­nesse Wil­liams. Es hat sich gelohnt — dies kann ich schon zu Beginn sagen.

Eine inter­es­sante Ver­knüp­fung besteht zum Stück Die Katze auf dem hei­ßen Blech­dach vom glei­chen Autor, wel­ches einer von drei Kan­di­da­ten für unsere aktu­elle Thea­ter­pro­duk­tion beim aki­tiv ist. Bei­des sind Fami­li­en­dra­men, wobei Die Glas­me­na­ge­rie im Jahr 1944 und damit viel frü­her ent­stand. Das Stück kommt mit ledig­lich vier Per­so­nen aus. Tom arbei­tet in einer Lager­halle und ist der ein­zige Ver­die­ner in der Fami­lie, da der Vater sich schon vor lan­ger Zeit aus dem Staub gemacht hat. Seine Mut­ter ist ein rech­ter Dra­chen und macht ihm stän­dig Vor­würfe, sie schwelgt in ihrer ver­meint­lich aris­to­kra­ti­schen Jugend­zeit mit Dut­zen­den gut situ­ier­ten Ver­eh­rern. Laura ist seine leicht behin­derte Schwes­ter, die im rich­ti­gen Leben nicht so recht Fuß fas­sen kann. Ihr Hobby ist eine Samm­lung klei­ner Glas­fi­gu­ren, für mich kam aber bei der Insze­nie­rung nicht so ganz klar her­aus, dass sie sich total darin ver­liert. Tom ist frus­triert von sei­ner Arbeit, hängt aber an sei­ner Schwes­ter und will sie nicht im Stich las­sen. Aber eigent­lich würde er lie­ber schrei­ben, spä­tes­tens durch die­sen Umstand zei­gen sich auto­bio­gra­fi­sche Bezüge. Jeden­falls bringt Tom eines Abends sei­nen Arbeits­kol­le­gen Jim mit, in dem seine Mut­ter schon den erhoff­ten Gat­ten für Laura sieht. Die bei­den kom­men sich zwar bei einem Tanz näher, aber dann zer­bricht ein klei­nes glä­ser­nes Ein­horn und Jim gesteht auch, dass er ver­lobt ist. Damit zer­bricht auch die plötz­lich auf­kei­mende Hoff­nung, Tom geht schließ­lich sei­ner Wege.

Die Insze­nie­rung war ein­fühl­sam und mit vie­len wit­zi­gen Ein­fäl­len. Es passte so vie­les und für mich war es trotz des resi­gnier­ten Unter­tons ein ver­gnüg­li­cher Abend. Ein wenig selt­sam fand ich diese rie­sige Lein­wand im hin­te­ren Büh­nen­be­reich, dort wur­den gele­gent­lich Videos von auf dem Lauf­steg wan­deln­den Models pro­ji­ziert. Das wäre nach mei­ner Mei­nung nicht not­wen­dig gewesen.

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