Wir, also die stu­den­ti­sche Thea­ter­gruppe aki­tiv, suchen zur Zeit nach einem Stück und einem Regis­seur für die nächste Pro­duk­tion. Das Stop­pard–Stück haben wir als einen von drei Kan­di­da­ten angelesen.

Inhalt

Das Stück spielt auf zwei Zeit­ebe­nen. Am Beginn des 19. Jahr­hun­derts erle­ben wir auf einem eng­li­schen Land­sitz eine amo­röse Affäre. Die Frau des anschei­nend völ­lig unbe­gab­ten Schrift­stel­lers Ezra Cha­ter wurde mit dem Haus­leh­rer Sep­ti­mus Hodge in „fleisch­li­cher Umar­mung” im Park beob­ach­tet. Der gehörnte Gatte for­dert Hodge zum Duell, jedoch kann sich die­ser geschickt aus der Affäre zie­hen. Es gibt zahl­rei­che Dia­loge zwi­schen Hodge und sei­ner früh­rei­fen Schü­le­rin Tho­ma­sina zu wis­sen­schaft­li­chen The­men, Fer­mats letz­ter Satz, Ther­mo­dy­na­mik, Frak­tale Geo­me­trie und viele wei­tere The­men fin­den Erwäh­nung. Spä­ter wird auch Lord Byron erwähnt, der kurz zu Besuch weilt.

In der Jetzt­zeit pral­len die Schrift­stel­le­rin Han­nah Jar­vis und der ambi­tio­nierte Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Ber­nard Nightingale auf­ein­an­der. Beide for­schen im glei­chen Land­haus, wo die andere Zeit­ebene spielt. Wäh­rend Jar­vis sich mit dem Park und einer dar­auf befind­li­chen Ere­mi­tage beschäf­tigt, möchte Nightingale unbe­dingt nach­wei­sen, dass Lord Byron im Duell Ezra Cha­ter getö­tet hat. Damit wäre ein Rät­sel in der Bio­gra­fie Byrons gelöst, näm­lich seine plötz­li­che Abreise aus Eng­land im Jahr 1809.

Ein­druck

Das Stück ent­hält extrem viele fein­sin­nige, humor­volle Anspie­lun­gen und war schon beim Lesen recht lus­tig. Der häu­fige Wech­sel zwi­schen den Zeit­ebe­nen und die damit ver­bun­dene Frage nach der Inter­pre­ta­tion his­to­ri­scher Quel­len sind kurz­wei­lig und unter­halt­sam. Jedoch sind von den Zuschau­ern eine rasche Auf­fas­sungs­gabe und hohe All­ge­mein­bil­dung gefor­dert, um spe­zi­ell den wis­sen­schaft­li­chen Gesprä­chen fol­gen zu kön­nen. Hier hätte ich gewisse Beden­ken, ob sich dadurch wirk­lich alle unsere Zuschauer ange­spro­chen füh­len, die sich vor allem aus Ver­wand­ten und Bekann­ten zusam­men set­zen und nicht so oft ins Thea­ter gehen.

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