Die Rol­len für unser Stück „Arka­dien” ste­hen fest, ich werde in der alten Zeit den Land­schafts­ar­chi­tek­ten Richard Noa­kes und in der Gegen­wart den stum­men Gus spie­len. Ich hatte mir zwar eine grö­ßere Rolle erhofft, aber auch diese bei­den Rol­len ver­lan­gen Eini­ges ab und sind bestimmt lus­tig zu spielen.

Zen­tral für die gute Dar­stel­lung ist die Arbeit an der Rolle, das heißt am Text und dar­über hin­aus am Fül­len der Lücken. Denn gerade bei Neben­rol­len bie­tet der Text recht wenig und man kann sich noch recht viel dazu über­le­gen. Anhand der Hin­weise im Text möchte ich für meine bei­den Rol­len je eine grobe Bio­gra­phie erstel­len. Diese sollte die Haupt­fra­gen klä­ren, wel­che der Text offen lässt. Wie wurde Noa­kes zum Land­schafts­ar­chi­tek­ten und Ver­tre­ter des male­ri­schen Stils? Warum ist Gus seit sei­nem fünf­ten Lebens­jahr stumm?

Richard Noa­kes

Im Ein­gangs­mo­no­log zwi­schen Tho­ma­sina und Sep­ti­mus spielt Noa­kes bereits eine wich­tige Rolle. Denn er hat Mrs. Cha­ter im Gar­ten­pa­vil­lion in „fleisch­li­cher Umar­mung” mit Sep­ti­mus beob­ach­tet. Tho­ma­sina hat das in der Küche aber nur teil­weise auf­ge­schnappt und fragt Sep­ti­mus, was es mit die­ser „fleisch­li­chen Umar­mung” denn auf sich hätte. Sep­ti­mus ist empört:

SEPTIMUS Eine wahre Gift­nat­ter, unser Mr. Noa­kes. Er gibt sich als Gent­le­man, als Phi­lo­soph des Male­ri­schen, als Visio­när, der Berge ver­set­zen und Seen auf­stauen kann, aber im himm­li­schen Gar­ten­plan hat er die Rolle der Schlange.

Spä­ter betritt Noa­kes den Raum, in dem sich der gehörnte Mr. Cha­ter und Sep­ti­mus befin­den und gerät beim Anblick der bei­den in Panik. Danach kom­men aber Lady Croom, Brice und Tho­ma­sina hinzu und dis­ku­tie­ren über die Umge­stal­tung des Gar­tens, was von Cha­ter und Sep­ti­mus als Anspie­lung auf fleisch­li­che Umar­mun­gen miss­ver­stan­den wird. Noa­kes sagt nicht viel, offen­bart sich jedoch als Ver­tre­ter des pit­to­res­ken oder male­ri­schen Stils.

NOAKES (beant­wor­tet die fal­sche Frage) Sal­va­tor Rosa, Mylady, der Maler. Er ist in der Tat das Mus­ter­bei­spiel für den pit­to­res­ken Stil.

BRICE Alles sehr irre­gu­lär, Noa­kes!
NOAKES Jawohl, Sir. Irre­gu­la­ri­tät ist eines der Grund­prin­zi­pen des male­ri­schen Stils –.

Im letz­ten Bild hat Noa­kes auch noch­mal einen kur­zen Auf­tritt. Die Umge­stal­tungs­ar­bei­ten sind fort­ge­schrit­ten und die Dampf­ma­schine ist installiert.

LADY CROOM Mr. Noa­kes!
NOAKES Mylady —
LADY CROOM Was haben Sie mir ange­tan!
NOAKES Es läuft alles sehr zufrie­den­stel­lend, Mylady: etwas hin­term Zeit­plan zurück, gewiß, aber der Stau­damm ist bis nächs­ten Monat wie­der repa­riert, fast alle frisch gepflanz­ten Bäume sind ste­hen­ge­blie­ben, und die paar, die weg­ge­schwemmt wur­den —
LADY CROOM (schlägt auf den Tisch) Still!
(In der Stille, die dar­auf folgt, hört man in der
Ferne die stamp­fende Dampf­ma­schine.)
Hören Sie das, Mr. Noa­kes?
NOAKES (stolz und glück­lich) Die ver­bes­serte New­co­men­sche Dampf­pumpe — die ein­zige in England!

Lady Croom ist wegen des Lärms nicht so glück­lich und macht den armen Noa­kes wort­ge­wal­tig fertig.

Nun zu den Lücken, oder Frei­hei­ten, wel­che der Text lässt. Im Text wird er als Land­schafts­ar­chi­tekt in mitt­le­ren Jah­ren beschrie­ben. Sagen wir 35 zu Beginn des Stü­ckes, damit wäre er 1774 gebo­ren. Da er sich mit Land­schafts­ar­chi­tek­tur und Male­rei aus­kennt, muss er eine Form der höhe­ren Bil­dung genos­sen haben. Noa­kes hat stu­diert, da man zu die­ser Zeit die Dis­zi­pli­nen noch nicht so kate­go­risch trennte, kön­nen wir einen all­ge­mei­nen, huma­nis­ti­schen Stu­di­en­gang anneh­men. So hatte er auch Gele­gen­heit, die Werke der damals aktu­el­len Dich­ter und Maler ken­nen zu lernen.

Gus Coverly

Gus ist seit dem fünf­ten Lebens­jahr stumm. Warum genau, lässt der Text offen. Jedoch gibt es eine Stelle, an der Gus den Raum ver­lässt, weil Han­nah ihre Stimme erho­ben hat. Er mag keine lau­ten Stim­men. Ich denke, er hatte mit fünf ein trau­ma­ti­sches Erleb­nis. Seine Eltern schrien sich an, Chloe weinte, dies schlug sich auf sein sen­si­bles Gemüt und er ent­schloss sich, nie wie­der ande­ren mit der Stimme weh zu tun. Er lebt in sei­ner eige­nen Welt, hat wache, flinke Augen, liest viel, spielt Kla­vier, alles eher spie­le­risch, sehr ungern möchte er im Mit­tel­punkt ste­hen. Allein ist er am glück­lichs­ten, und wenn er die Leute um sich hat, die er mag. Also Chloe und Valen­tine von den im Text erwähn­ten. Und natür­lich mag er Han­nah, fühlt sich zu ihr auf eine magi­sche Weise angezogen.

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