Ich habe mich ent­schlos­sen, aus der Gessnerallee-​​Backstage-​​Produktion aus­zu­stei­gen. Es war keine leichte Ent­schei­dung und ich möchte in die­sem Bei­trag mei­ner Zer­ris­sen­heit Aus­druck ver­lei­hen. Wenn du auch am Über­le­gen bist, ob nun in einem Thea­ter– oder ande­ren Pro­jekt, dann hilft dir die­ser Bei­trag sicher­lich beim Über­le­gen und Abwägen.

Wann aus­stei­gen?

Wenn über­haupt, soll­test du nur am Anfang einer Pro­duk­tion aus­stei­gen. Nichts ist schlim­mer als ein spä­tes Aus­stei­gen, wenn der Pro­zess schon fort­ge­schrit­ten ist und ein Ersatz schwie­rig bis unmög­lich wird. In jedem Pro­jekt gibt es einen Ter­min, an dem sich die Teil­neh­mer ent­schei­den müs­sen, ob sie nun dabei sind oder nicht. Bis dahin sollte klar sein, in wel­che Rich­tung die Pro­duk­tion geht und wel­che Anfor­de­run­gen an die Teil­neh­mer gestellt wer­den. Spä­ter aus­stei­gen ist unfair und bringt den Orga­ni­sa­to­ren hef­tige Probleme.

Klas­sisch oder thematisch?

Bei der Backstage-​​Produktion stan­den wir ganz am Anfang, wir hat­ten ein Kick-​​Off-​​Wochenende im Juli und ein wei­te­res Tref­fen hin­ter uns. In die­sen ers­ten Tref­fen haben wir vor allem Kennenlern-​​Spielchen gemacht, unsere Erwar­tun­gen und Befürch­tun­gen in Form von kur­zen Büh­nen­sze­nen aus­ge­tauscht und auch begon­nen, inhalt­lich zu diskutieren.

Die Rich­tung war zu Beginn völ­lig offen, die Inter­es­sen der Leute unter­schie­den sich beträcht­lich. Ich bin durch meine bis­he­ri­gen Erfah­run­gen beim aki­tiv geprägt, wir hat­ten jeweils ein beste­hen­des Thea­ter­stück aus­ge­wählt und mit einem exter­nen Regis­seur oder einem regie-​​willigen Mit­spie­ler insze­niert. Damit ergab sich ein bestimm­ter Arbeits­stil und auch ein star­ker Bezug zum vor­han­de­nen, lite­ra­ri­schen Text. Mit die­ser Hal­tung stand ich jedoch in der Backstage-​​Gruppe recht allein da, die meis­ten ande­ren woll­ten lie­ber an einem Thema arbei­ten, ohne fes­ten Text.

In zwei Arbeits­grup­pen hat­ten wir beim Kick-​​Off-​​Wochenende auch Insze­nie­rungs­ideen für diese bei­den Haupt­rich­tun­gen skiz­ziert. Die eine Gruppe beschäf­tigte sich mit dem Thema Angst, in mei­ner Gruppe nah­men wir Shakespeare’s Was ihr wollt. Beide Her­an­ge­hens­wei­sen haben Vor– und Nach­teile. Für mich ist aber ein kla­res Ziel in Form eines lite­ra­risch und inhalt­lich anspre­chen­der Tex­tes wich­ti­ger als die Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten beim freien the­ma­ti­schen Arbeiten.

Meine Befürch­tung beim freien Arbei­ten ist, dass wir ewig lang Sze­nen zu einem Thema impro­vi­sie­ren und am Ende kein soli­des Gan­zes ent­steht. Anstatt gemein­sam auf einen Berg zu mar­schie­ren, sucht sich jeder ein Hügel­chen und läuft hin­auf. Was dabei ent­steht, wird dann gern als Kalei­do­skop, Mosaik oder Col­lage bezeichnet.

Dage­gen sind die Nach­teile bei einem fes­ten Stück vor allem die fest vor­ge­schrie­be­nen Rol­len. Zum einen gibt es die Unter­tei­lung in Haupt– und Neben­rol­len, wel­che für ent­täuschte Erwar­tun­gen sor­gen kann. Zum ande­ren ist man auf die vom Regis­seur ver­teilte Rolle fest­ge­legt und kann nur bestimmte Aspekte sei­ner Per­sön­lich­keit ein­brin­gen. Außer­dem kann der Text künst­lich wir­ken, da man sich fremde Worte zu eigen machen muss.

Ent­schei­dung

Der Kon­flikt der unter­schied­li­chen Erwar­tun­gen schwelte also schon seit dem Tref­fen im Juli, unklar war für mich, wie und wann wir die not­wen­dige Rich­tungs­ent­schei­dung fäl­len woll­ten. Meine Hoff­nung war, dass ich mit einem mit­rei­ßen­den Schluss­plä­do­yer die Gruppe viel­leicht doch noch in Rich­tung klas­si­sches Thea­ter hätte brin­gen kön­nen. Doch diese Hoff­nung zer­stob am Frei­tag, als mir die Lei­te­rin klar­machte, dass unter ihr die Rich­tung the­ma­ti­sches Arbei­ten ver­folgt würde. Zum einen, weil das eher mit der Phi­lo­so­phie des Thea­ter­hau­ses Gess­ne­ral­lee ver­ein­bar wäre, ande­rer­seits wäre das auch ihre per­sön­li­che Vor­stel­lung vom Theater.

Damit war ich vor die Wahl gestellt, mich auf diese für mich neue Her­an­ge­hens­weise ein­zu­las­sen oder aus­zu­stei­gen. Ich ent­schloss mich für Letz­te­res. Es ist eine per­sön­li­che Ent­schei­dung, beein­flusst vor allem von mei­nem Bauch­ge­fühl. Am Ende muss es für mich in so einer Pro­duk­tion vor allem vom Gefühl her stim­men, damit ich auch die stres­si­gen Zei­ten gut meistere.

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