Eugen Onegin

Das Versepos Eugen Onegin von Alexander Puschkin gilt als modernes russisches Nationalepos und wird jedem Schulkind in Russland näher gebracht. Pjotr Tschaikowski schuf 1878 daraus eine Oper. Ich hatte das große Vergnügen, mir das Werk in der Frankfurter Oper anzuschauen.

Auf dem Landgut der Larins wohnen die beiden Schwestern Olga und Tatjana. Olgas Verlobter, der Dichter Wladimir Lensky, bringt seinen Freund und Nachbarn Eugen Ongin vorbei, der als Alleinerbe und der Petersburger Gesellschaft überdrüssiger Dandy sofort das Interesse von Tatjana fesselt. Sie verliebt sich in ihn, schreibt ihm einen glühenden Brief, er weist sie jedoch mit kühlen Worten ab. Zwei Wochen später, zur Feier von Tatjanas Namenstag, lädt Lensky Onegin mit ein, es gibt eine große Feier mit Musik und Tanz. Tatjana kommen die Tränen, Onegin ist irritiert und fühlt sich von Lensky vorgeführt, außerdem tuscheln die Leute abfällig über ihn. Also hofiert er Olga, tanzt die ganze Zeit mit ihr, sehr zum Verdruss von Lensky. Die beiden streiten, es kommt schließlich zum Duell, in dem Onegin Lensky tötet.

Sechs Jahre später irrt Onegin ziellos umher, wird in Petersburg zu einem Ball eingeladen. Voller Erstaunen erkennt er in der Gastgeberin Tatjana wieder, sie hat inzwischen einen General geheiratet. Entflammt gesteht er ihr schließlich seine Liebe, sie ist ihm gegenüber zwar nicht gleichgültig, hält aber ihrem Mann die Treue. Und so steht Onegin am Ende allein da.

Die Inszenierung war nicht auf eine Zeit festzulegen. Ein Wandgemälde erinnerte an die 70er Jahre, anderes war modern, im zweiten Teil trugen alle Schwarz, eine Verfremdung. Lensky trat anfangs mit kurzem Bart, Brille und Schal auf, eine Art Hipster, Onegin erinnerte mit langem Ledermantel und Sonnenbrille an Matrix. Tatjana und Olga trugen legere, zeitgemäße Kleider, im zweiten Teil dann Tatjana mit weißer Perücke und schwarz-weißem Ballkleid.

Als Theatermacher finde ich Opern immer etwas künstlich, die Leute können ja nicht wirklich in einer Emotion drin sein, wenn sie ihre Arien singen. Aber zumindest waren die Hauptakteure allesamt plausibel besetzt, was in der Oper auch nicht immer der Fall ist. Aber letztenendes geht es um die Musik, und die war bezaubernd. Es war ein pompöser Rahmen mit tollen Sängerinnen und Sängern, einem riesigen Chor und einem begeisterten Publikum, das sich an diesem kalten Herbstabend gern ins Russland um 1820 entführen ließ.