Ein weites Feld

In diesen Tagen häufen sich die Jahrestage der großen Umwälzungen, 500 Jahre Reformation, 100 Jahre Oktoberrevolution. Für mich stand aber erst einmal körperliche Ertüchtigung auf dem Programm, eine Stunde Laufen bei herrlichem Sonnenschein. Wir liefen vom Herrengarten über die Rosenhöhe zum Oberfeld, insgesamt gut 10 km.

Laufrunde in Darmstadt
Laufrunde in Darmstadt

Gerade im öffentlich-rechtlichem Fernsehen verfolgt einen Luther regelrecht, heute lief eine gelungene Mischung aus historisch nachempfundenem Spielfilm und Dokumentation im ZDF über den Reichstag zu Worms im Jahr 1521. Der Spielfilm nahm den Hauptteil der Zeit in Anspruch, nur gelegentlich wurden die Geschehnisse angehalten und Experten kommentierten.

Wichtig zur Einordnung ist, dass Luther nicht der erste war, der Kritik am damals desolaten Zustand der Kirche vorbrachte. Er hatte viele Vorläufer, darunter Erasmus von Rotterdam, der 1509 sein Lob der Torheit veröffentlichte. Und auch die deutschen Fürsten beschwerten sich immer dringlicher über die als anmaßend empfundene Vormachtstellung von Rom. Darunter auch Friedrich III. von Sachsen, in dessen Gebiet Wittenberg lag und der Luther nach der Verhängung der Reichsacht auf der Wartburg in Sicherheit brachte. Die Zentralmacht des Kaisers und der Kirche waren also am Bröckeln, und vielen Fürsten diente die Reformation als willkommene Gelegenheit, sich die Besitztümer der Kirche einzuverleiben.

Und auch an die Oktoberrevolution in Russland 1917 wird durch zahlreiche Fernseh-Beiträge erinnert. Auch hier sind es zahlreiche Zufälle, welche den Sieg der Bolschewiki ermöglichten. Zum einen arrangierte das deutsche Kaiserreich die Reise von Lenin, der damals in Zürich lebte, nach Russland, um den Kriegsgegner zu destabilisieren. Dann hatte die provisorische Regierung im Sommer 1917 die Gelegenheit, die noch nicht so starken Revolutionäre unschädlich zu machen. Und selbst am Tag des Aufstands, am 24. Oktober eilte Lenin mit einem Schal durch die Stadt zu seinen Genossen, wurde angehalten von Polizisten, die ihn aber nicht erkannten und weiter ziehen ließen.