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mathias wellner

auf den spuren meiner selbst

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Kategorie: bilder

Drei Tage in Andeer und Umge­bung – Zeit für Ent­span­nung, Well­ness und ein biss­chen Win­ter­sport. Andeer ist ein beschau­li­ches Örtchen im Kan­ton Grau­bün­den mit Ther­mal­bad. Diese Ein­rich­tung war auch der wich­tigste Grund für uns, dort unser Lager auf­zu­schla­gen. Es gibt zwei Becken mit war­mem, mine­ra­li­schem Was­ser und einen Sauna-​​Bereich im Keller.

Nicht weit von Andeer ent­fernt befin­det sich das Berg­dorf Juf auf über 2100 Meter. Es ist das höchst­ge­le­gene ganz­jäh­rig bewohnte Dorf Euro­pas. Von dort konn­ten wir auf einem Win­ter­wan­der­weg jeg­li­che Zivi­li­sa­tion hin­ter uns las­sen, um uns nur noch schnee­be­deckte Berge.

Alpine Winterlandschaft
Alpine Win­ter­land­schaft bei Juf

Eben­falls in der Nähe von Andeer befin­det sich der Win­ter­sport­ort Splü­gen, wo wir uns die Skating-​​Skier an die Füße schnall­ten und über die Piste glit­ten. Gerade berg­auf ist es immer wie­der anstren­gend, aber die gera­den und abschüs­si­gen Pas­sa­gen beloh­nen für die Mühen. Man hat dann das Gefühl zu flie­gen, es geht so leicht und die Tech­nik ist nicht so entscheidend.

Skaten
Ska­ten macht Spaß!

Der unaus­sprech­li­che Name, zumin­dest am Anfang, für die Neu­an­kömm­linge aus dem Nor­den, Dop­pel­vo­kal wie beim Grüezi, man erkennt die Deut­schen sofort. In der Bahn sind vor allem Fami­lien mit Schlit­ten, das Wet­ter traum­haft son­nig hei­ter, aber oben die Ein­sicht, es gibt keine Fern­sicht, dabei woll­ten wir doch Land­schafts­fo­to­gra­fie trai­nie­ren heute. Es ist duns­tig, die Alpen­rie­sen ver­ber­gen sich hin­ter einem wei­ßen Schleier. Was bleibt, sind Nah­auf­nah­men und das obli­ga­to­ri­sche Foto der Tische von oben, heute mit schö­nen Schat­ten. Ich habe alles schwarz-​​weiß gemacht, die Far­ben sind ohne­hin zu ver­nach­läs­si­gen und wür­den nur stören.

Eiszapfen
Eis­zap­fen am Gelän­der des Aus­sichts­tur­mes
Sonnenfleck
Son­nen­fleck mit run­den Tischen

Der Win­ter hat auch seine schö­nen Sei­ten. Zuge­ge­ben, die Berge sind nicht weit und ab einer gewis­sen Höhe kommt immer die Sonne zum Vor­schein. Aber hier ein paar Impres­sio­nen zur Auf­hei­te­rung der all­ge­mei­nen Winterdepression.


Früh übt sich…

Ein ande­rer Tag, wir woll­ten auf die Rigi. Die Web­cam ver­hieß nichts Gutes. Dicke Suppe am Gip­fel. Wir gin­gen doch, schnall­ten die Schnee­schuhe in Fruttli an und stie­gen auf zum Wandergipfel.


Die Rigi-​​Wanderung star­tete bei dich­tem Nebel.

Oben waren dann plötz­lich keine Wol­ken mehr, eine wun­der­bare Win­ter­berg­land­schaft tat sich auf.

Das Ende des Tages und das Ende der Welt.

Stel­len Sie sich vor, Sie hät­ten abso­lut keine Fan­ta­sie — wäre das nicht ein trost­lo­ses Dasein? Denn erst das Her­vor­ru­fen von Bil­dern und Ideen jen­seits des Exis­tie­ren­den lässt Sie unbe­kannte Pro­bleme lösen und ermög­licht es Ihnen, sich in andere Men­schen hin­ein­zu­ver­set­zen und somit zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen aufzubauen.

Eine ganz große Por­tion Fan­ta­sie brau­chen Sie beim Thea­ter­spie­len. Wenn Sie in einer the­ma­tisch arbei­ten­den Gruppe sind, die anhand eines Grund­the­mas Sze­nen impro­vi­siert und fes­tigt, ver­steht sich Fan­ta­sie von selbst. Aber auch bei einem fes­ten Stück brau­chen Sie Fan­ta­sie, denn der Text legt Ihre Rolle nur schein­bar fest. Es gibt extrem viele Lücken, die Sie mit Ihrer eige­nen Vor­stel­lungs­kraft fül­len müs­sen. Nur dann wer­den Sie Ihre Rolle plas­tisch spie­len und die Zuschauer bewegen.

In die­sem Bei­trag möchte ich die beson­dere Rolle der Fan­ta­sie beim krea­ti­ven Thea­ter­pro­zess beleuch­ten und Übun­gen zei­gen, wel­che Ihre Fan­ta­sie zu beflügeln.

Phan­ta­sie im All­tag — Die Macht der Gedanken

Ein jeder Mensch hat Fan­ta­sie, die meis­ten nut­zen sie aber, um sich in nega­tive Spi­ra­len zu stür­zen. Wie schnell und plas­tisch kann man sich den schlech­ten Aus­gang einer Hand­lung aus­ma­len, sei es nun der ein klä­ren­des Gespräch, die Bewer­bung bei der Traum­firma oder eine schwie­rige Wan­der­tour. Durch die­sen Stru­del nega­ti­ver Gedan­ken legt man in die Hand­lung nicht die volle Kraft und Ent­schlos­sen­heit hin­ein, es wird ja ohne­hin schief gehen. Und meist bewahr­hei­tet es sich, die Macht der selbst­er­fül­len­den Pro­phe­zei­ung ist bekannt.

Schö­ner ist es, wenn Sie Ihre Fan­ta­sie auf den posi­ti­ven Aus­gang len­ken und sich die wun­der­ba­ren Fol­gen aus­ma­len. Genauso wich­tig ist die bewusste und posi­tive For­mu­lie­rung der eige­nen Wün­sche, wel­che oft uner­war­tete Türen öffnen und den Wunsch Wirk­lich­keit wer­den lassen.

Kon­stan­tin Sta­nis­law­ski und Fantasie

Nach Sta­nis­law­ski ist das Ziel des Schau­spie­lers, auf der Bühne eine Hand­lung aus­zu­füh­ren, die inner­lich begrün­det, logisch, fol­ge­rich­tig und in der Wirk­lich­keit mög­lich sein muss. Man geht also nicht von einem Gefühl aus, in das man sich hin­ein­stei­gert, son­dern kon­zen­triert sich auf eine kon­krete Hand­lung. Diese erweckt dann die Gefühle.

Um eine sol­che Hand­lung zu fin­den, benutzt Sta­nis­law­ski die Begriffe Wenn und vor­ge­schla­gene Situa­tion. Durch das Wenn wird aus der unmit­tel­ba­ren Wirk­lich­keit eine Thea­ter­szene. Die Frage Wenn ich einen Brief in der Hand hätte, was wür­den Sie dann tun? regt Ihre Fan­ta­sie und Vor­stel­lungs­kraft an, Sie über­le­gen sich eine Hand­lung. Im Fall des Brie­fes wür­den Sie ihn wahr­schein­lich neh­men und nach­schauen, ob er an Sie adres­siert ist. Die vor­ge­schla­gene Situa­tion ist eine Zusam­men­fas­sung aller Umstände, wie sie durch Stück und Insze­nie­rung vor­ge­ge­ben sind, also Zeit, Ort, Lebens­um­stände, Requi­si­ten, Kos­tüme, etc. Sie ist völ­lig fik­tiv und ent­steht durch die Fan­ta­sie der Beteiligten.

Ein Thea­ter­text hat immer Lücken. Es ist zum Bei­spiel meist nur der Ort der Hand­lung beschrie­ben, sagen wir ein Salon. Woher kom­men Sie, wenn Sie durch die rechte Tür in den Salon ein­tre­ten? Was haben Sie vor­her drau­ßen gemacht? War es da kalt oder warm, ange­nehm oder unan­ge­nehm? Haben Sie mit ande­ren Leu­ten gespro­chen? Warum tre­ten Sie über­haupt ein? Was geschah vor­her, bevor das Stück beginnt? Jede Rolle hat ein eige­nes Leben gelebt bis zu die­sem Zeit­punkt, dar­über gibt es meist nur wenig Anhalts­punkte im Text. An unend­lich vie­len Stel­len ist Ihre Fan­ta­sie als Schau­spie­ler gefragt.

Das Ziel des Schau­spie­lers ist es, wäh­rend des gan­zen Stü­ckes sowohl die äuße­ren (fik­ti­ven) Umstände wahr­zu­neh­men als auch seine inne­ren Asso­zia­tio­nen und Bil­der. Es ent­steht dann eine Art Film, der den Schau­spie­ler zu jedem Zeit­punkt in die rich­tige Stim­mung ver­setzt. Die­ser Film ist das Kunst­pro­dukt des Schau­spie­lers, es ent­springt sei­ner Fan­ta­sie und wird wäh­rend des krea­ti­ven Pro­zes­ses fort­lau­fend über­prüft und ver­fei­nert, schließ­lich muss jede Hand­lung logisch und fol­ge­rich­tig sein.

Wenn Sie auf der Bühne ein Wort mecha­nisch sagen oder etwas mecha­nisch tun ohne zu wis­sen, wer Sie sind, woher und warum Sie kom­men, was Sie hier brau­chen, wohin Sie gehen und was Sie dort tun wer­den, dann haben Sie phan­ta­sie­los gehan­delt, und Ihr Auf­ent­halt auf der Bühne, ob kurz oder lang, war für Sie keine Wahr­heit — Sie han­del­ten wie ein auf­ge­zo­ge­ner Mecha­nis­mus, wie ein Auto­mat.
[1] S. 50

Michael Tsche­chow und Imagination

Das schau­spie­le­ri­sche Genie Michael Tsche­chow hatte ohne Zwei­fel eine sehr leb­hafte Fan­ta­sie. Er regt an, sich nach einem lan­gen Tag zu ent­span­nen, dann trä­ten Erin­ne­run­gen in Erschei­nung, durch­mischt auch von völ­lig unbe­kann­ten Gestal­ten, an deren Schick­sal man mehr und mehr Anteil nähme. Als Künst­ler soll­ten Sie ler­nen, diese Gestal­ten zu beherr­schen, um sie für das Her­an­bil­den der eige­nen Rolle zu nut­zen. Ganz anders als Sta­nis­law­ski ver­lässt sich Tsche­chow auf seine Intui­tion und lässt im Unter­be­wusst­sein seine Figu­ren reifen.

Um sich die­ser Figu­ren zu bedie­nen, kön­nen Sie den Text zum einen ver­stan­des­mä­ßig ana­ly­sie­ren. Aber mit der Zeit stellt sich dann eine Gefühl­lo­sig­keit ein. Der andere Weg ist, Fra­gen an die auf­tau­chen­den Gestal­ten zu stel­len und mit Geduld und Kon­zen­tra­tion deren Ant­wort abzu­war­ten. Tsche­chow betont die Not­wen­dig­keit, die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit zu trai­nie­ren. Dann liefe neben dem All­tags­le­ben noch ein wei­te­rer Pro­zess par­al­lel, im Unter­be­wuss­ten. Und mit aus­rei­chend Übung kön­nen Sie die­sen unter­be­wuss­ten Pro­zess für die Erschaf­fung künst­le­ri­scher Figu­ren benutzen.

Übung zur Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit: Üben Sie mit einem sim­plen Gegen­stand die vier Pha­sen des Kon­zen­tra­ti­ons­pro­zes­ses. Ich habe mit einer gel­ben Papri­ka­schote ange­fan­gen und ver­sucht, mir mög­lichst viele Details daran vorzustellen.

  1. Fest­hal­ten
  2. Her­an­zie­hen
  3. Auf ihn zu gehen
  4. Ein­drin­gen

Die Sinne soll­ten dabei ent­spannt sein, dann mit kom­ple­xe­ren Gegen­stän­den, Geräu­schen, Men­schen, fik­ti­ven Gegen­stän­den, lite­ra­ri­schen Gestal­ten fortsetzen.

Wenn Sie die Tech­nik der Kon­zen­tra­tion ein­mal beherr­schen, wird Ihnen auf­fal­len, wie Ihr gan­zes Wesen auf­lebt, erstarkt und an Har­mo­nie und Tat­kraft dazu­ge­winnt. Beim Spie­len wer­den diese Eigen­schaf­ten auch auf der Bühne sicht­bar. Das Form­lose und Dif­fuse ver­schwin­det, und Ihr Spiel wird viel über­zeu­gen­der.
[2] S. 21

Als wei­te­ren Schritt soll­ten Sie Ihre Vor­stel­lungs­kraft trai­nie­ren. Neh­men Sie eine Szene aus einem Thea­ter­stück, wel­ches Sie gut ken­nen und las­sen Sie diese immer wie­der ablau­fen. Dabei kön­nen Sie bestimmte Aspekte vari­ie­ren, zum Bei­spiel die Beto­nung eines Cha­rak­ter­zu­ges. Mit die­ser Fähig­keit kön­nen Sie im Pro­ben­pro­zess auch allein an einer Szene arbei­ten, indem Sie sie vor Ihrem inne­ren Auge ablau­fen lassen.

Fazit

Fan­ta­sie ist essen­zi­ell für Schau­spie­ler und nütz­lich für alle. Mit Fan­ta­sie lebt es sich schö­ner und ihr Trai­ning sollte des­halb einen gro­ßen Raum ein­neh­men. Pro­bie­ren Sie es aus!

Quel­len

[1] Stanislawski-​​Reader — Die Arbeit des Schau­spie­lers an sich selbst und an der Rolle, aus­ge­wählt und her­aus­ge­ge­ben von Bernd Ste­ge­mann, Hen­schel Verlag

[2] Michail A. Čechov, Die Kunst des Schau­s­pierlers, Mos­kauer Aus­gabe, Ver­lag Urachhaus

 

Es gibt diese Momente, in denen ich beim Anblick eines Gemäl­des, beim Lesen eines Buches oder beim Erle­ben einer Tanz­vor­füh­rung die Genia­li­tät des Künst­lers spüre. Es ist schwer zu sagen, was es genau ist, etwas reso­niert in mir, trifft einen Nerv. Der rus­si­sche Schau­spie­ler und Regis­seur Michael Tsche­chow brachte diese Qua­li­tä­ten in sei­nem Buch „Die Kunst des Schau­spie­lers” auf den Punkt, für ihn sind es Leich­tig­keit, Form, Ganz­heit­lich­keit und Schön­heit. Ich möchte diese Auf­zäh­lung gern kom­men­tie­ren, auch in Bezug auf meine eige­nen Theatererfahrungen.

Leich­tig­keit

Leicht erkennt man den Klet­ter­profi in der Halle, schein­bar ent­spannt hängt er da am Über­hang und über­legt, wie es wei­ter geht. Dann ein paar wohl­do­sierte Bewe­gun­gen und die schwie­rige Stelle ist über­wun­den, die nächste Ruhe­po­si­tion erreicht. Für mich hat Klet­tern — wie jede Bewe­gung — etwas mit Kunst zu tun. Und gerade Klet­tern ist ein Sym­bol für das mensch­li­che Stre­ben nach Höhe­rem, in die­sem Fall nach dem Umlenk­ka­ra­bi­ner unter dem Dach der Klet­ter­halle. Leich­tig­keit braucht man an der Wand, sonst hängt man an den Grif­fen wie ein schwe­rer Sack und kommt nicht weit. Ele­ganz erscheint mir wie ein ande­res Wort für das glei­che Phä­no­men, auch Effi­zi­enz kommt mir in den Sinn. Auf jeden Fall spannt man genau die Mus­keln an, die für die Auf­gabe gebraucht wer­den und nutzt die phy­si­ka­li­schen Gege­ben­hei­ten (Dyna­mik) best­mög­lich aus. Wobei Leich­tig­keit nicht Kraft­lo­sig­keit bedeu­tet, es wirkt nur nach außen leicht. Wenn man die­sen Bereich ver­lässt und einen zu schwe­ren Weg klet­tert, ver­krampft man, klam­mert sich fest, bewegt sich eckig und mit wesent­lich mehr Auf­wand als notwendig.

Beim Thea­ter ist diese Leich­tig­keit genau so wich­tig. Statt der bestän­dig nach unten zie­hen­den Schwer­kraft beim Klet­tern ist es die beson­dere Anspan­nung durch die Büh­nen­si­tua­tion, die dem leich­ten Spiel ent­ge­gen wirkt. Man ver­krampft, weni­ger mit den Armen und Bei­nen als viel­mehr in sei­nen Bewe­gun­gen und vor allem in der Mimik. In die­sem Zustand ist man auch nicht mehr so wirk­lich emp­fäng­lich für die Mit­spie­len­den und kann sich das See­len­le­ben der ver­kör­per­ten Figur nur noch schlecht vorstellen.

Um die­sen Effekt zu zei­gen, gibt es eine sehr ein­drucks­volle Übung, die auf Kon­stan­tin Sta­nis­law­ski zurück geht. Man soll einen schwe­ren Gegen­stand anhe­ben oder zie­hen und sich dabei an das letzte Mit­tag­es­sen erin­nern oder sich das Innere einer Kir­che vor­stel­len. Es geht schlich­weg nicht, in die­sem Zustand der Ver­kramp­fung kriegt man das nicht hin. Man braucht auf der Bühne wie an der Klet­ter­wand eine ent­spannte Angespanntheit.

Form

Wenn ich rudere, ver­su­che ich mir immer die Bewe­gung des Ruder­blat­tes vor­zu­stel­len. Die Phy­sik gibt eine ideale Form vor. Das Ruder­blatt soll im Was­ser einen mög­lichst wei­ten Weg zurück legen, ande­rer­seits möchte ich beim Zurück­rol­len lang­sam und ruhig sein, um die Gleit­phase aus­zu­nüt­zen. In die­sem Fall ist die Form durch Bewe­gungs­ef­fi­zi­enz bestimmt.

Beim Thea­ter herrscht da grö­ßere Frei­heit, der Kör­per des Schau­spie­lers ist eine ver­än­der­li­che Form. Umso schwie­ri­ger ist es des­halb, gute von schlech­ten (Bewegungs-)Formen zu unter­schei­den. Idea­ler­weise soll­ten Schau­spie­ler einen geschmei­di­gen, schö­nen Gang haben und ihre Bewe­gun­gen soll­ten schön anzu­schauen sein. Im Grunde muss man par­al­lel zum Thea­ter noch Yoga, Bal­lett oder sowas machen, um geschmei­dig und fit zu bleiben.

Ich habe wohl eine sehr kon­trol­lierte Art mich zu bewe­gen, das kommt vom Wan­dern im unweg­sa­men Gelände, vom Vol­ley­ball und von mei­ner Ana­to­mie. Des­halb fällt es mir schwer, auf der Bühne locker zu gehen. Es wird wahr­schein­lich Zeit mei­nes Lebens eine Her­aus­for­de­rung für mich bleiben.

Gesamt­heit

Beim Foto­gra­fie­ren brau­che ich einen Sinn für das ganze Bild. Es ist für mich wie ein Puz­zle mit einer Anzahl drei­di­men­sio­na­ler Objekte, wel­che auf dem Foto in einen zwei­di­men­sio­na­len Zusam­men­hang gebracht wer­den. Was ist eine gute Kom­po­si­tion? Ich denke, dass die Fotos am bes­ten sind, die eine kleine Geschichte erzäh­len, wel­che durch die Kom­po­si­tion ange­deu­tet wird.

Ein Thea­ter­stück ist nun weni­ger durch räum­li­che als viel­mehr durch zeit­li­che Aus­deh­nung defi­niert. Cha­rak­tere wer­den ein­ge­führt, erle­ben Dinge und ver­las­sen ver­än­dert die Bühne. Als Schau­spie­ler ent­steht die Rolle als Gan­zes nur dann, wenn man den Bogen zwi­schen Beginn und Schluss schla­gen kann. Damit gewinnt das Kunst­werk der eige­nen Rolle. Im Zusam­men­hang des gan­zen Stü­ckes ent­steht natür­lich eine andere Ebene der Gesamtheit.

Schön­heit

Wahre Schön­heit kommt von innen, eine rein äußer­li­che Schön­heit ver­kommt zur Attrak­ti­vi­tät. Gerade in Zürich lau­fen sehr viele äußer­lich schöne Men­schen herum, die viel Zeit und Geld in Klei­dung und Make-​​Up inves­tie­ren. Aber ihre Bewe­gun­gen sind unge­lenk und ihre Spra­che ebenso. Sie sind nicht wirk­lich schön, son­dern eben nur nett anzuschauen.

Als Schau­spie­ler ist es wich­tig, einen Sinn für innere Schön­heit zu ent­wi­ckeln. Durch die Büh­nen­si­tua­tion kommt jeder Bewe­gung und jedem Satz eine beson­dere Bedeu­tung zu, man ist zu schö­nen Bewe­gun­gen und zu schö­ner Spra­che ver­pflich­tet. Auch bei der Dar­stel­lung von absto­ßen­den Cha­rak­te­ren ist das der Fall, wenn das Motiv zwar mit Schön­heit wenig gemein hat, die Dar­stel­lung hin­ge­gen schon.