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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Kategorie: literatur

Man muss den Din­gen
Die eigene, stille,
unge­störte Ent­wick­lung las­sen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleu­nigt wer­den kann;
alles ist aus­tra­gen –
und dann
Gebären…

Rei­fen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stür­men
des Früh­lings steht,
ohne Angst,
dass dahin­ter kein Som­mer
kom­men könnte.
Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Gedul­di­gen,
die da sind,
als ob die Ewig­keit vor ihnen läge,
so sorg­los still und weit…

Man muss Geduld haben,
gegen das Unge­löste im Her­zen,
und ver­su­chen, die Fra­gen sel­ber lieb zu haben,
wie ver­schlos­sene Stu­ben,
und wie Bücher, die in einer sehr frem­den Spra­che
geschrie­ben sind.

Es han­delt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Frage lebt,
lebt man viel­leicht all­mäh­lich,
ohne es zu mer­ken,
eines frem­den Tages
in die Ant­wort hinein.

Der Dank für die­ses inspi­rie­rende Gedicht geht an Marco. Man kann es auch sehr gut auf das Schau­spiel bezie­hen, beim Method Acting kommt es unter ande­rem auch dar­auf an, aus einem Zustand der inne­ren Ent­span­nung zu agie­ren. Das Über­spie­len ist das Haupt­pro­blem aller Schau­spie­ler, beson­ders der jun­gen. Und so erin­nert mich vor allem die erste Stro­phe an die als Schau­spie­ler – aber natür­lich auch als Mensch – anzu­stre­bende Grundgelassenheit.

Am nächs­ten Don­ners­tag fin­det bei mir die nächste sze­ni­sche Lesung statt, wir wid­men uns dem Drama Ein Volks­feind von Hen­rik Ibsen.

Das Stück han­delt von einem Bade­arzt, der ent­deckt, dass gif­tige Stoffe durch die Zuflüsse ins Bad gelan­gen. Er ver­langt die sofor­tige Sanie­rung. Die Mäch­ti­gen der Stadt sind jedoch ange­sichts der hohen Kos­ten wenig begeis­tert und ver­wei­gern sich dem Vor­ha­ben. Es beginnt ein Kampf um die Wahr­heit, bei dem der Arzt schließ­lich alle gegen sich hat, er wird zum Volks­feind. Ibsen war nach schlech­ten Kri­ti­ken sei­ner Vor­gän­ger­stü­cke Nora und Gespens­ter nicht sehr gut auf die öffent­li­che Mei­nung zu spre­chen, das merkt man dem Drama sehr deut­lich an. Ande­rer­seits erhebt sich der Arzt selbst­herr­lich über alle ande­ren und pro­pa­giert das Recht der Wahr­heit über die dumme Volks­masse, der Vor­ge­schmack dik­ta­to­ri­scher Herrschaftssysteme.

Hen­rik Ibsen: Ein Volksfeind

Das Erzäh­len von Geschich­ten ist eine uralte Tra­di­tion, sie zu hören und mit­zu­er­le­ben ein Grund­be­dürf­nis des Men­schen. Doch was macht eine gute Geschichte aus? Im Grunde sind die meis­ten Erzäh­lun­gen nach dem glei­chen Mus­ter auf­ge­baut, der Hel­den­reise, dies fand Joseph Camp­bell durch die Ana­lyse unzäh­li­ger Mythen heraus.

Sta­tio­nen der Heldenreise

  1. Ruf: Erfah­rung eines Man­gels oder plötz­li­ches Erschei­nen einer Aufgabe
  2. Wei­ge­rung: Der Held zögert, dem Ruf zu fol­gen, bei­spiels­weise, weil es gilt, Sicher­hei­ten aufzugeben.
  3. Auf­bruch: Er über­win­det sein Zögern und macht sich auf die Reise.
  4. Auf­tre­ten von Pro­ble­men, die als Prü­fun­gen inter­pre­tiert wer­den können
  5. Über­na­tür­li­che Hilfe: Der Held trifft uner­war­tet auf einen oder meh­rere Mentoren.
  6. Die erste Schwelle: Schwere Prü­fun­gen, Kampf mit dem Dra­chen etc., der sich als Kampf gegen die eige­nen inne­ren Wider­stände und Illu­sio­nen erwei­sen kann.
  7. Fort­schrei­tende Pro­bleme und Prü­fun­gen, über­na­tür­li­che Hilfe.
  8. Initia­tion und Trans­for­ma­tion des Hel­den: Emp­fang oder Raub eines Eli­xiers oder Schat­zes, der die Welt des All­tags, aus der der Held auf­ge­bro­chen ist, ret­ten könnte. Die­ser Schatz kann in einer inne­ren Erfah­rung beste­hen, die durch einen äußer­li­chen Gegen­stand sym­bo­li­siert wird.
  9. Ver­wei­ge­rung der Rück­kehr: Der Held zögert in die Welt des All­tags zurückzukehren.
  10. Ver­las­sen der Unter­welt: Der Held wird durch innere Beweg­gründe oder äuße­ren Zwang zur Rück­kehr bewegt, die sich in einem magi­schen Flug oder durch Flucht vor nega­ti­ven Kräf­ten vollzieht.
  11. Rück­kehr: Der Held über­schrei­tet die Schwelle zur All­tags­welt, aus der er ursprüng­lich auf­ge­bro­chen war. Er trifft auf Unglau­ben oder Unver­ständ­nis, und muss das auf der Hel­den­reise Gefun­dene oder Errun­gene in das All­tags­le­ben inte­grie­ren. (Im Mär­chen: Das Gold, das plötz­lich zur Asche wird)
  12. Herr der zwei Wel­ten: Der Heros ver­eint All­tags­le­ben mit sei­nem neu­ge­fun­de­nen Wis­sen, und lässt somit die Gesell­schaft an sei­ner Ent­de­ckung teilhaben.

Quelle: Wikipedia-​​Artikel Hel­den­reise

Span­nend ist natür­lich die Frage, inwie­weit die­ses Mus­ter auch auf Thea­ter­stü­cke anwend­bar ist. Ich denke, dass dies bei klas­sisch ori­en­tier­ten Dra­men durch­aus der Fall ist, der Auf­bau eines Regel­dra­mas mit fünf Akten spie­gelt eine Hel­den­reise wider. Einige dra­ma­ti­sche For­men wen­den sich vom Regel­drama und damit auch von erzäh­le­ri­schen Mus­tern ab. Ein Bei­spiel dafür ist das Post­dra­ma­ti­sche Thea­ter, wel­chem das Gesche­hen auf der Bühne und die Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen Schau­spie­lern und Zuschau­ern wich­ti­ger ist als die Werkstreue.

Aber trotz eini­ger Aus­nah­men bie­tet die Hel­den­reise ein anschau­li­ches und prak­ti­sches Grund­ge­rüst, mit dem man dra­ma­ti­sche Stoffe ana­ly­sie­ren kann. Aber trotz die­ses schein­bar immer glei­chen Rezepts haben Schrift­stel­ler immer wie­der neue Stoffe und Cha­rak­tere gefun­den, Varia­tio­nen und Abwand­lun­gen, die uns Zuschauer in den Bann schlagen.

Erst kürz­lich sah ich in einem Oer­li­ko­ner Frei­luft­kino Match Point von Woody Allen. Der Held des Films, Chris Wil­ton, erfährt sei­nen Ruf zum Aben­teuer durch die Bekannt­schaft der attrak­ti­ven, mit­tel­lo­sen Schau­spie­le­rin Nola Rice. Eine Bezie­hung kommt nicht in Frage, da er mit Chloe Hewett liiert ist, sein Garant für den Auf­stieg und ein unbe­schwer­tes Leben in Reich­tum und Luxus. Aber er kann nicht anders als sich ihr anzu­nä­hern, wäh­rend eines pras­seln­den Som­mer­re­gens kom­men sich die bei­den im Korn­feld näher. Die ent­schei­dende Prü­fung folgt dann spä­ter, Nola wird von ihm schwan­ger und stellt ihm ein Ulti­ma­tum, sich von sei­ner Frau los­zu­sa­gen. Chris befin­det sich in einem Dilemma, er muss zwi­schen wah­rer Liebe und sei­nem sinn­ent­leer­ten Luxus­le­ben wäh­len. Er ent­schließt sich, Nola umzu­brin­gen. Und es gelingt ihm sogar, sei­nen raf­fi­nier­ten Plan in die Tat umzu­set­zen. Die Rück­kehr des Hel­den ist durch die Besei­ti­gung aller Spu­ren und die Gesprä­che mit der Poli­zei umge­setzt. Immer wie­der steht er knapp vor sei­ner Ent­de­ckung, ein Poli­zist hat sogar eine nächt­li­che Ein­ge­bung des wah­ren Tat­her­gangs. Doch durch unver­schäm­tes Glück – das Haupt­thema das Films – kommt Chris davon, die Geburt sei­nes lang­er­sehn­ten ers­ten Kin­des erlebt er teil­nahms­los und wird nachts von den Toten heim­ge­sucht. Dies ist die in die­sem Fall nega­tive Ver­än­de­rung, sinn­bild­lich der Preis des Erfolgs. Ein tol­ler Film.

Lite­ra­tur

Die momen­tane Thea­ter­pause möchte ich nut­zen, um mich inten­si­ver mit den Fun­da­men­ten des Thea­ters aus­ein­an­der­zu­set­zen. Als Schau­spie­ler ver­su­che ich, den Augen­blick auf der Bühne publi­kums­wirk­sam zu erle­ben, immer wie­der aufs Neue. Die Kennt­nis der grö­ße­ren Zusam­men­hänge ist dafür nicht unbe­dingt erfor­der­lich, ein guter Regis­seur hat das omi­nöse Ganze ohne­hin im Blick. Aber was genau macht eine gute Szene oder ein gutes Stück aus? Für sol­che Fra­gen möchte ich mei­nen Blick wei­ten und das Buch The Art of Dra­ma­tic Wri­t­ing von Lajos Egri ist ein guter Anfang.

Prä­misse

Die Basis für jedes Drama ist eine Prä­misse, also ein Satz, wel­cher das Stück beschreibt. Die Ana­lo­gie beim wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten wäre die Hypo­these. Ohne sau­bere Hypo­these ist kein sinn­vol­les Expe­ri­ment mög­lich, viele wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten ver­kom­men zu col­la­gen­haf­ten Zusam­men­stel­lun­gen. Und das Glei­che gilt für Büh­nen­stü­cke, ohne Prä­misse läuft das Stück ins Leere.

Egri nennt auch einige Bei­spiele für Prä­mis­sen erfolg­rei­cher Theaterstücke:

  • Romeo und Julia (Shake­speare) – Große Liebe trotzt sogar dem Tod.
  • König Lear (Shake­speare) – Blin­des Ver­trauen führt zu Zerstörung.
  • Mac­beth (Shake­speare) – Skru­pel­lo­ser Ehr­geiz führt zur Selbstzerstörung.
  • Gespens­ter (Ibsen) – Die Sün­den der Väter suchen die Kin­der heim.
  • Tartuffe (Molière) – Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Cha­rak­ter und Handlung

Im Gegen­satz zu Aris­to­te­les betont Egri die Wich­tig­keit der Cha­rak­tere gegen­über der Hand­lung. Jede Hand­lung besitzt eine Ursa­che, den Ent­schluss eines Cha­rak­ters. Alle Hand­lun­gen müs­sen aus dem Cha­rak­ter der han­deln­den Per­so­nen begründ­bar sein. Nichts ist schlim­mer als wenn man einer Rolle ihre Hand­lun­gen nicht abnimmt.

Ein Cha­rak­ter besteht aus drei Dimen­sio­nen, der Phy­sio­lo­gie, der Psy­cho­lo­gie und der Sozio­lo­gie. Die äuße­ren Merk­male wie Kör­per­größe, Mus­kel­kraft, Alter, Hum­peln, Schwer­hö­rig­keit, sicht­bare Nar­ben haben einen immen­sen Ein­fluss auf den Cha­rak­ter. Wie sieht die Welt aus aus Sicht einer klei­nen, alten, schwäch­li­chen Frau? Oder aus Sicht eines tap­si­gen Rie­sen? Die Psy­cho­lo­gie eines Cha­rak­ters ist ein wei­tes Feld, die zen­tra­len Cha­rak­tere eines Stü­ckes soll­ten auf jeden Fall ein kla­res Ziel und eine gewisse Wil­lens­kraft haben. Sonst käme es gar nicht zum Kon­flikt. Des­halb ist die Welt des Dra­mas immer eine ver­dich­tete Welt, in der beson­ders aus­ge­prägte und wil­lens­starke Per­so­nen auf­ein­an­der tref­fen. Der All­tag mit sei­nen vie­len lie­bens­wür­di­gen, ziel­lo­sen, unent­schlos­se­nen Men­schen bie­tet wenig Stoff für ein Drama – zum Glück. Das soziale Umfeld ist die dritte Dimen­sion, sie beein­flusst die Psy­cho­lo­gie, sowohl durch die Kin­der­stube als auch den Freun­des– und Bekanntenkreis.

Die Kunst des Autors besteht darin, sein Stück mit span­nen­den Cha­rak­te­ren zu fül­len, wel­che schon durch ihre Cha­rak­ter­züge den sich anbah­nen­den Kon­flikt und die Auf­lö­sung in sich tra­gen (Prä­misse). Cha­rak­ter­ent­wick­lung geschieht im Laufe des Stücks durch Ein­wir­kung von innen und außen. Hier liegt auch der Schlüs­sel für die Ana­lyse von Sze­nen. Denn jede Szene bewirkt eine kleine, glaub­hafte Ent­wick­lung in min­des­tens einem Cha­rak­ter. Wenn sie es nicht täte, könnte man sie getrost streichen.

Die Toscana-​​Therapie

Zum Schluss möchte ich noch eine Prä­misse für die Toscana-​​Therapie entwickeln.

Ger­hard und Karin sind kön­nen ihre Bedürf­nisse nicht klar aus­drü­cken, das führt zur Zer­stö­rung ihrer Ehe. Am Ende erscheint jedoch die gött­li­che Figur Die­ter und löst den Kon­flikt auf, so dass sich Karin und Ger­hard in der aller­letz­ten Szene halb­her­zig ver­söh­nen. Aber wahr­schein­lich muss man für die Prä­misse das Ende weg­las­sen und lan­det bei sowas wie: Feh­lende Kom­mu­ni­ka­tion der eige­nen Wün­sche zer­stört eine Bezie­hung. Es bleibt aber ein komi­sches Gefühl bei die­sem Ende, wel­ches die Prä­misse ad absur­dum führt.

Die Cha­rak­tere ber­gen dies schon in sich. Einem ver­staub­ten, aka­de­mi­schen Ehe­paar traut man nicht mehr zu, sich aus eige­ner Kraft aus dem Sumpf zu lösen. Die rest­li­chen Cha­rak­tere sind eher flach gehal­ten, sie ent­wi­ckeln sich kaum. Die­ter ist der trei­bende Cha­rak­ter, sein ange­kün­dig­tes Kom­men setzt den Kon­flikt in Gang und er hat ja das Ganze als The­ra­pie insze­niert. Die ande­ren sind alle­samt Die­ters Stell­ver­tre­ter, um Ger­hard und Karin in Bedräng­nis zu brin­gen, sie erklä­ren am Ende ihre Rolle im Stück.

Dra­ma­ti­sches Schrei­ben. Thea­ter — Film — Roman (Amazon)

Am Don­ners­tag lasen wir in erle­se­ner Runde einen wei­te­ren Klas­si­ker – Mac­beth von Wil­liam Shake­speare. In die­sem Arti­kel möchte ich gern meine Ein­drü­cke fest­hal­ten. Wir ent­schie­den uns für die Über­set­zung von Frank Gün­ther, wel­che eher treu als schön ist. Schil­ler ver­suchte sich auch daran und legte mehr Wert auf schöne Sprache.

Im Gegen­satz zu ande­ren Shakespeare-​​Werken gibt es bei Mac­beth nur wenige Zitate, die außer­halb des Wer­kes bekannt sind. Am ehes­ten viel­leicht noch der Mono­log des ver­ein­sam­ten, lebens­mü­den Tyran­nen, der teil­nahms­los vom Tod sei­ner Frau erfährt.

MACBETH:
To-​​morrow, and to-​​morrow, and to-​​morrow,
Creeps in this petty pace from day to day,
To the last syllable of recor­ded time;
And all our yes­ter­days have ligh­ted fools
The way to dusty death. Out, out, brief candle!
Life’s but a wal­king shadow, a poor player,
That struts and frets his hour upon the stage,
And then is heard no more. It is a tale
Told by an idiot, full of sound and fury,
Signify­ing nothing.

MACBETH:
Und mor­gen und dann mor­gen und dann mor­gen,
So kriecht’s im Schlei­che­schritt von Tag zu Tag
Zur letz­ten Silbe hin im Lebens­buch;
Und alles Ges­tern hat nur Narrn geleuch­tet
Beim Gang zu Dreck und Tod. Aus, aus klein Herz­lein!
Lebens ist nur ein Wan­der­schat­ten­schau­spiel;
Ein armer Komö­di­ant, der seine Zeit
Abstolzt und abschnauft auf der Bühne und
Nie mehr gehört wird dann; ist eine Mär
Aus einem Töl­pel­mund, voll von Getön
Und Toben, und bedeu­tet nichts.

Über­set­zung von Frank Gün­ther

MACBETH:
Mor­gen, Mor­gen
Und wie­der Mor­gen kriecht in sei­nem kur­zen Schritt
Von einem Tag zum andern, bis zum letz­ten
Buch­sta­ben der uns zuge­meß­nen Zeit,
Und alle unsre Ges­tern haben Nar­ren
Zum moder­vol­len Grabe hin­ge­leuch­tet!
– Aus, aus, du kleine Kerze! Was ist Leben?
Ein Schatte, der vor­über streicht! Ein armer Gauk­ler,
Der seine Stunde lang sich auf der Bühne
Zer­quält und tobt; dann hört man ihn nicht mehr.
Ein Mär­chen ist es, das ein Thor erzählt,
Voll Wort­schwall, und bedeu­tet nichts.

Über­set­zung von Fried­rich Schil­ler

Schö­ner klingt dies im Ori­gi­nal, anbei ein Aus­schnitt aus der 1971er Ver­fil­mung von Roman Polan­ski.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Dem sieg­rei­chen Feld­her­ren Mac­beth wird durch drei Hexen geweis­sagt, dass er Than von Caw­dor und der­einst König würde. Nach­dem der erste Teil der Pro­phe­zei­ung ein­trifft, plant Mac­beth gemein­sam mit sei­ner Frau die Ermor­dung des amtie­ren­den Königs. Nach­dem die Tat voll­streckt ist, wird Mac­beth tat­säch­lich König. Jedoch kann er diese Würde nicht wirk­lich genie­ßen und wird zuneh­mend von Gewis­sens­bis­sen und Wahn­vor­stel­lun­gen gepei­nigt. Er sucht die Hexen erneut auf, diese pro­phe­zeien ihm, dass er solange sicher sei, bis der Wald von Dir­nam sich auf die Fes­tung Dun­si­nane zube­wege. Und kein Mann, von einer Frau gebo­ren, könne ihm etwas anha­ben. Der­weil for­miert sich Wider­stand, aus Eng­land mar­schiert ein Heer, um Mac­beth zu stür­zen. Zur Tar­nung tra­gen die Sol­da­ten Zweige vor sich her, so dass Mac­beth diese Pro­phe­zei­ung sich auch erfül­len sieht. Und im Duell mit Mac­duff erfährt Mac­beth, dass die­ser durch Kai­ser­schnitt auf die Welt kam. Schließ­lich tötet Mac­duff Mac­beth und stellt die gött­li­che Ord­nung wie­der her, die nach der Blut­tat in Frage gestellt wor­den war.

Im Gegen­satz zu ande­ren Shakespeare-​​Dramen ist Mac­beth leich­ter zugäng­lich und auch deut­lich kür­zer als bei­spiels­weise Ham­let oder König Lear. Mar­kant sind die Hexen­sze­nen, diese herr­lich fie­sen Geschöpfe brin­gen durch ihre zwei­deu­ti­gen Weis­sa­gun­gen die Hand­lung ins Rol­len und stür­zen Schott­land ins Chaos. Natür­lich könnte man auch auf die Hexen ver­zich­ten oder sie als innere Stim­men inter­pre­tie­ren, aber effekt­voll sind sie alle­mal, wie auch viele wei­tere Sze­nen und Sze­nen­wech­sel. Ein wei­te­rer Höhe­punkt ist der zotige Pfört­ner vom Beginn des drit­ten Aktes, wel­cher mit sei­nen der­ben Wit­zen die Stim­mung nach der Blut­tat auf­lo­ckert. Köst­lich auch die Selbst­be­zich­ti­gun­gen von Mal­colm, der sich als poten­zi­el­ler frauen– und geld­gie­ri­gen Ursu­pa­tor ver­un­glimpft, sollte er den Thron besteigen.

Auf der Nega­tiv­seite ist eigent­lich nur die Spra­che zu erwäh­nen. Frank Gün­ther hat größ­ten­teils eine gute Über­set­zung hin­ge­legt, aber Deutsch ist ein­fach sper­ri­ger und einige Ver­bum­stel­lun­gen erschwe­ren das Ver­ständ­nis erheb­lich. Das Vers­maß sollte halt bei­be­hal­ten wer­den, durch diese Ein­schrän­kung wird zwar der rhyth­mi­sche Cha­rak­ter gewahrt, aber eben auf Kos­ten der Ver­ständ­lich­keit. Die Schiller-​​Übersetzung ist wahr­schein­lich ange­neh­mer zu lesen.

Sehr gern sähe ich mal eine schöne Insze­nie­rung, die vom Pfauen (Sebas­tian Nüb­ling, 2008) war ein­fach nur geschmack­los. Lady Mac­beth wurde von oben bis unten mit blut­ro­ter Flüs­sig­keit besprüht, Zuschauer ver­lie­ßen den Saal, so bleibt man als Regis­seur im Gedächtnis.