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mathias wellner

auf den spuren meiner selbst

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Kategorie: klettern

Andert­halb Tage Enga­din — da geht was in Sachen Berg­sport! Zusam­men mit mei­ner Gast­ge­be­rin bezwang ich zwei Klet­ter­steige und den berüch­tig­ten Time­track Mun­tatsch. Es waren schöne Aus­flüge, die ich gern noch ein­mal Revue pas­sie­ren las­sen möchte.

Klet­ter­steig „Piz Trovat”

Wer ohne große Mühe einen 3000er bezwin­gen möchte, ist mit dem Piz Tro­vat (3146 m) gut bera­ten. Von der mit Seil­bahn erreich­ba­ren Diavolezza-​​Hütte knapp unter 3000 m ist es nicht mehr weit. Mit der ent­spre­chen­den Aus­rüs­tung kann man leicht den Klet­ter­steig bezwin­gen. Das Schwie­rigste ist der Zugang, wel­cher auf einem weiß­blauen Berg­wan­der­weg erfolgt. Die Land­schaft ist karg da oben, auf die­ser Höhe wächst so gut wie nichts mehr. Dafür gibt es wäh­rend der gan­zen Tour wun­der­schöne Aus­bli­cke auf den Gletscher.

Klet­ter­steig „La Resgia”

Die­ser Klet­ter­steig in der Nähe von Pon­tre­sina ist sport­lich deut­lich anspruchs­vol­ler als der auf den Piz Tro­vat. Es gibt eine leicht über­hän­gende Wand, in der man ein­mal umsi­chern muss. Das erfor­dert ein biss­chen Arm­kraft und Durch­hal­te­wil­len. Emp­feh­lens­wert ist außer­dem eine sepa­rate Selbst­si­che­rung mit gro­ßem Kara­bi­ner und Band­schlinge, damit kann man an die­ser Stelle die Arme ent­las­ten und bequem die Klettersteig-​​Sicherung umhän­gen. Ansons­ten muss man sich an einem Arm hal­ten. Abge­se­hen von die­ser sport­li­chen Her­aus­for­de­rung ist die Route abwechs­lungs­reich und durch die Bäume und den her­ab­stür­zen­den Bach äußerst reizvoll.

Time­track Muntatsch

Die Enga­di­ner sind ein berg­sport­ver­rück­tes Völk­chen. Nur so lässt sich die Exis­tenz des Time­track Mun­tatsch bei Same­dan erklä­ren, einer ste­tig anstei­gen­den Zeit­mess­stre­cke mit genau 3.4 km Länge und 414 zu über­win­den­den Höhen­me­tern. Das ent­spricht einem durch­schnitt­li­chen Anstieg von 12%. Im Inter­net kann man seine Zeit dann mit der von ande­ren ver­glei­chen, in den Kate­go­rien Mountain-​​Bike, Nordic-​​Walking und Jog­gen. Ande­rer­seits ist es auch eine geniale Geschäfts­idee, um den Geträn­ke­ab­satz der Muntatsch-​​Hütte durch garan­tiert durs­tige Keh­len anzukurbeln.

Wir ent­schie­den uns fürs Bike. In der Nähe eines Schieß­plat­zes befand sich die Tal­sta­tion, mit roter Farbe wurde auf eine Karte die aktu­elle Zeit auf­ge­stem­pelt. Dann ging es los, steil berg­auf wand sich ein gut gepfleg­ter Wald­weg. Stän­dig hall­ten Schüsse durchs Tal, ein beängs­ti­gen­des Gefühl. Nach ein paar Minu­ten lief mit der Schweiß, mein Herz raste und mein Blick ver­engte sich auf die nächs­ten paar Meter. Immer wei­ter, nur nicht abstei­gen oder gar auf­ge­ben! Schon der erste Kilo­me­ter zog sich unge­mein, dann sah ich die moti­vie­rende 2 km-​​Tafel. Ich war fast immer im kleins­ten Gang, nur manch­mal schal­tete ich hin­ten auf das zweit­größte Räd­chen. Ich auf mei­nem aus­ge­borg­ten Bike gegen die Schwer­kraft, zum Glück spen­de­ten die Bäume meist Schat­ten. Nach end­los lan­ger Zeit errei­che ich schließ­lich die Berg­sta­tion, stem­pele sofort meine Karte, dies­mal mit fast nicht mehr erkenn­ba­rer schwar­zer Stem­pel­farbe. Es sind etwas mehr als 30 Minu­ten, was einer Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit von 6.6 km/​h ent­spricht. Zehn Minu­ten spä­ter taucht dann auch meine Gast­ge­be­rin auf und wir genie­ßen die schöne Aussicht.

Auf der Web­seite ist unsere ful­mi­nante Fahrt für die Nach­welt gespei­chert, bis­lang belege ich bei den Her­ren den drit­ten Rang diese Woche, noch dazu als ein­zi­ger Zür­cher unter lau­ter Lokal­ma­ta­do­ren. Die abso­lut krasse Best­zeit von 16:47:00 hat kein Gerin­ge­rer als Lukas Buchli auf­ge­stellt, der amtie­rende Schwei­zer­meis­ter im Mountain-​​Bike.

Der Herbst hat begon­nen, aber es gibt halt die­ses aller­letzte schöne Wochen­ende, das man noch nut­zen muss, ein biss­chen Sonne ein­fan­gen, drau­ßen sein, klet­tern. Und dann gibt es noch ein wirk­lich aller­letz­tes schö­nes Wochen­ende, und noch eins. Wird der Win­ter jemals kommen?

In der Nähe der Stadt Schwyz erhe­ben sich zwei male­ri­sche Fels­ke­gel über das Umland – die bei­den Mythen. Auf den Gro­ßen Mythen führt ein gut aus­ge­bau­ter Wan­der­weg, auf sei­nen klei­nen Bru­der ein alpi­ner Wan­der­weg für die Leute, die das wirk­lich wol­len. Wer es noch schwie­ri­ger mag, fin­det im Mythen-​​Gelände auch reine Klet­ter­rou­ten. Und eine sol­che knöpf­ten wir uns zu viert an die­sem son­ni­gen Sonn­tag vor.

Wir wähl­ten die ein­fachste Route zum Zwi­schen­pla­teau, wel­che im Klet­ter­füh­rer mit III+ aus­ge­wie­sen war. Trotz die­ser rela­tiv gerin­gen Schwie­rig­keit brauch­ten wir recht lange, an die vier Stun­den waren wir mit den elf Seil­län­gen beschäf­tigt. Wir ver­lo­ren Zeit vor allem beim Sichern und Nach­ho­len, außer­dem erwie­sen sich die engen Klet­ter­schuhe als unprak­tisch auf dem sehr gra­si­gen Auf­stieg. Wan­der­schuhe mit Pro­fil­sohle reich­ten völ­lig aus. Zusätz­lich star­te­ten hin­ter uns noch wei­tere Seil­schaf­ten, die wesent­lich erfah­re­ner und schnel­ler waren und unse­ren Weg teil­weise kreuz­ten. Den zwei­ten Abschnitt bestrit­ten wir dann auf einem schö­nen IIer Grat­weg. Es war ein sehr sch¨ner Auf­stieg, auf dem Gip­fel wur­den wir dann auch von den Wan­de­rern neu­gie­rig beäugt und nach Ein­zel­hei­ten des Weges aus­ge­fragt. Aber mit Helm und Son­nen­brille passte ich wohl in das Kli­schee des ver­we­ge­nen Klet­te­rers, wenn­gleich mir dies nach dem leich­ten IIer Auf­stieg etwas unpas­send vorkam.

Route: Brunni (1102m) — Zwü­schet Mythen (1356m) — Klei­ner Mythen (1811m) — Hag­gen­spitz (1761m) — Brunni (1102m)

Zu fünft mach­ten wir uns bei etwas wol­ki­gem Wet­ter auf den Weg. Wir lie­ßen den Gro­ßen Mythen links lie­gen, auf den ein gut aus­ge­bau­ter Wan­der­weg führt. Der Kleine Mythen und der Hag­gen­spitz waren unser Ziel. Auf diese führt nur ein Berg­wan­der­weg mit eini­gen Klet­ter­pas­sa­gen. Tritt­si­cher­heit und Hand­ein­satz waren gefragt, außer­dem waren die Berg­schuhe teil­weise etwas feucht und der Boden rut­schig. Aber es ging alles gut und wir kamen alle wohl­be­hal­ten wie­der in Brunni an.

Fas­zi­na­tion Klet­ter­steig — an einer stei­len Wand hän­gen, sichere Tritte und Griffe, die schiere Höhe über­win­den. Mit Mat­thias gönnte ich mir Ende Juni einen als „her­aus­for­dernd” und „nichts für Anfän­ger” ein­ge­stuf­ten Klet­ter­steig in der Nähe von Engelberg.