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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Kategorie: reisen

Es war ein schö­nes Wochen­ende, wel­ches ich gemein­sam mit Freun­den ver­brachte. Die Sonne schien, es war so eine herbstlich-​​gesättigte Stim­mung, ich dachte an 70er-​​Jahre-​​Filme. Wir schlen­der­ten durch Brügge und Leu­ven, bei­des schöne Städte mit vie­len roten Back­stein­häu­sern. Die Stim­mung war so ent­spannt, die rela­tiv weni­gen Leute saßen drau­ßen in Stra­ßen­ca­fes, Weite, Him­mel, Sonne.

Unter­wegs nach Brügge

Zen­tra­ler Markt­platz in Brügge

Brü­cke in Brügge

Hol­län­disch ist ähnlich fremd­ver­traut wie Schweizerdeutsch

Bota­ni­scher Gar­ten in Leuven

Ich liebe Bahn­fah­ren. Ich kann ein­fach nicht genug davon bekom­men. Unter der Woche fahre ich täg­lich weite Stre­cken mit der Bahn, sitze locker zwei Stun­den pro Tag in irgend­wel­chen Zügen. Aber das sind ja mehr so kleine Hop­ser, ver­gli­chen mit einer Fahrt nach Dres­den. Zehn Stun­den in ICEs ver­brin­gen – das ist die wahre Erfül­lung. Und so sitze ich jetzt in mei­nem stil­len Zim­mer, das völ­lig antriebs­los in Zürich her­um­steht und ver­misse das Gefühl, in Bewe­gung zu sein. Aber es sind ja nur wenige Stun­den Schlaf, die ich durch­hal­ten muss, dann geht es wie­der los mit pendeln…

In Dres­den habe ich vor allem Leute besucht, Fami­lie und Freunde. Schön war der sams­täg­li­che Klet­ter­aus­flug zu den Tys­saer Wän­den, mal wie­der Sand­stein spü­ren und bei schlecht gesi­cher­ten ein­fa­chen Rou­ten Angst krie­gen – ich bin es ein­fach nicht mehr gewöhnt. In der Schweiz sind die Rou­ten mit wesent­lich mehr Bohr­ha­ken ver­se­hen, aller zwei Meter hat man da einen Siche­rungs­punkt. So lang­sam gewöhne ich mich daran und halte die Sach­sen für völ­lig ver­rückt, sol­che unge­si­cher­ten Rou­ten zu klettern.

klettern

Sand­stein spü­ren in den Tys­saer Wänden

Am Sonn­tag machte ich mit ande­ren Leu­ten den Tha­rand­ter Wald in der Nähe von Dres­den unsi­cher. Bei strah­len­dem Son­nen­schein star­te­ten wir von Tha­randt eine Rund­wan­de­rung, die uns bis Gril­len­burg füh­ren sollte. Der berühm­teste Ver­tre­ter der Tha­rand­ter Forst­wis­sen­schaf­ten ist Hein­rich Cotta, er wurde nach sei­nem Tod unter 80 Eichen im Wald begra­ben. Auf jeden Fall hatte er eine schöne Arbeits­stätte und hat die moderne, nach­hal­tige Forst­wirt­schaft mit begrün­det. Der Begriff Nach­hal­tig­keit stammt ja ursprüng­lich aus der Forst­wirt­schaft, wo er durch nach­wach­sende Bäume sehr anschau­lich klar ist. Und die erste offi­zi­elle Erwäh­nung der Grund­idee geschah 1560 in der kur­säch­si­schen Forst­ord­nung. Die Sach­sen waren also die abso­lu­ten Vor­rei­ter in Sachen Nachhaltigkeit!

So sog ich also den Stolz auf meine alte Hei­mat in vol­len Zügen ein, um dann heute in über­vol­len Zügen wie­der in meine Wahl­hei­mat Schweiz zu reisen.

Ham­burg war die erste Sta­tion mei­ner Som­mer­reise durch Deutsch­land. Von Zürich fuhr mich ein ICE direkt in reich­lich sie­ben Stun­den durch ganz Deutsch­land. Unmit­tel­ba­rer Anlass war der kürz­li­che Umzug mei­ner Schwes­ter, so war die Unter­kunft kein Problem.

Elbphilharmonie in Hamburg

An der bekann­tes­ten Bau­stelle in Ham­burg ent­steht die Elb­phil­har­mo­nie.

An zwei Tagen erkun­de­ten wir die wesent­li­chen Attrak­tio­nen der Stadt, die Lan­dungs­brü­cken, Innen­stadt und sogar Hamburg-​​Harburg im Süden. Der Höhe­punkt war eine Tret­boot­fahrt auf der Als­ter, bei der wir auch durch einige Kanäle fuhren.

Segelboot auf der Alster

Unter­wegs auf der Als­ter bei Sonnenschein.

Das sprich­wört­lich wech­sel­hafte Wet­ter machte sich dann auch an die­sen bei­den Tagen schon bemerk­bar. Am zwei­ten Tag zog es nach­mit­tags zu und goss wie aus Kan­nen. Zum Glück war ich gerade in der Nähe des Michel und nutzte die Zeit für einen Besuch des Turms.

Das Gewitter naht

Das Gewit­ter naht, schnell zum Michel.

Hamburg bei Regen

Ein Blick auf die Innen­stadt bei Regen.

Ham­burg ist schön, ich werde bestimmt mal wie­der vor­bei schauen.

Es ent­wi­ckelt sich was in mei­ner alten Hei­mat­stadt, bei jeder Wie­der­kehr stelle ich neue Ver­än­de­run­gen fest. Der neu­este Streich ist die Centrum-​​Galerie an der Pra­ger Straße. Archi­tek­to­nisch hat man sich am alten Centrum-​​Warenhaus ori­en­tiert, zu DDR-​​Zeiten ein wich­ti­ges Ele­ment der moder­nen sozia­lis­ti­schen Groß­stadt. Die­ses alte Waren­haus hatte eine metal­li­sche Hülle aus Waben, wel­che der Neu­bau auf­ge­nom­men hat. Aber diese Refe­renz ist auch das Ein­zige, was an den alten Kon­sum­tem­pel erin­nert, das Innere ist geräu­mig gestal­tet und ent­spricht dem Aus­se­hen so ziem­lich aller Ein­kaufs­zen­tren die­ser Welt. Die Altmarkt-​​Galerie ist ja nicht weit und hat bei der Gestal­tung sicher­lich Pate gestanden.

Centrum Galerie
Innen­an­sicht der Centrum-​​Galerie

Eine Sache ist jedoch anders, unter dem Dach wur­den ori­en­ta­lisch anmu­tende Mus­ter ver­wen­det. Das ist ein inter­es­san­ter archi­tek­to­ni­scher Schachzug.

Centrum Galerie
Die ori­en­ta­li­schen Mus­ter spie­geln sich im obers­ten Stock­werk.

Damit ver­fügt das Zen­trum jetzt also über zwei Ein­kaufs­zen­tren in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft, wei­ter drau­ßen in Auto­bahn­nähe war­tet der Elbe-​​Park auf Kund­schaft und ich frage mich, zu wes­sen Las­ten diese Neu­er­öff­nung geht. Wahr­schein­lich ist es der Ein­zel­han­del, der lei­det oder das Karstadt-​​Warenhaus gegen­über der Centrum-​​Galerie.

Prager Straße
Klas­si­sche Spring­brun­nen an der Pra­ger Straße.

Ansons­ten ist alles beim Alten Neuen in Dres­den, die alten DDR-​​Springbrunnen wer­den von neu­ar­ti­gen Ein­kaufs­zen­tren umzin­gelt und die letz­ten Lücken beim Wie­ner Platz geschlos­sen. Immer wie­der anders.

Archi­tek­tur und Kunst in Bilbao

Städte, immer wie­der Städte. Klein und ver­träumt, groß und laut, modern und künst­le­risch, es gibt viele Kom­bi­na­tio­nen und Nord­spa­nien hat zwei­fel­los einige schöne Städte zu bie­ten. Die Mil­lio­nen­me­tro­po­len Madrid und Bar­ce­lona lie­gen wei­ter süd­lich, hier oben ist Bil­bao die größte Stadt und wegen des ent­spre­chen­den Ange­bots an Flü­gen auch Start– und Ziel­ort unse­rer Rund­reise. Bekannt ist die ehe­mals triste Indus­trie­stadt vor allem wegen des Guggenheim-​​Museums, wel­ches 1997 erbaut wurde.

Es ist ein Meis­ter­werk moder­ner Archi­tek­tur. Es gibt keine gera­den Linien an die­sem Gebäude, ein paar Schritte wei­ter offen­bart sich eine völ­lig neue Per­spek­tive. Und auch innen hat das Museum eini­ges zu bie­ten. Im Erd­ge­schoss war­ten Video– und Raum­in­stal­la­tio­nen auf die Besu­cher. Von Richard Serra stam­men rie­sige geo­me­tri­sche Gebilde aus Stahl, in die man hin­ein­ge­hen konnte. Die Wände neig­ten sich in ver­schie­dene Rich­tun­gen beim Fort­schrei­ten zum Mit­tel­punkt oder Aus­gang. Nun gut, so rich­tig umge­hauen hat mich das alles nicht. Wesent­lich span­nen­der waren die Bil­der aus dem frü­hen 20. Jahr­hun­dert, eins von Marc Cha­gall hing dort, ein paar kleine Picas­sos und — mein per­sön­li­cher Favo­rit — Die gelbe Kuh von Franz Marc.

El Bierzo

Allen, die abseits der aus­ge­tre­te­nen Pfade eine schöne Wan­de­run­gen erle­ben möch­ten, sei diese Gegend wärms­tens emp­foh­len. Sie liegt nord­west­lich von Leon am Rand der gleich­na­mi­gen Pro­vinz. Wir wähl­ten uns das Städt­chen Vega de Espi­na­reda als Basis. Im örtli­chen Tou­ris­mus­büro erhiel­ten wir neben Hotel­tipps auch drei selbst­ge­machte Wan­der­kar­ten für Tou­ren in der Umge­bung. Mit die­sen Schatz­kar­ten mach­ten wir uns dann auch auf den Weg.

Die längste Tour begann im beschau­li­chen Dorf Bur­bia. Wir park­ten unser Auto im Dorf und zogen mit der Schatz­karte los. Noch im Dorf gesell­ten sich zwei kleine Hunde zu uns, die uns fast auf der gesam­ten Wan­de­rung beglei­ten soll­ten. Unser Ziel waren die Seen auf einer Hoch­ebene und gele­gent­lich gab es sogar Weg­wei­ser dahin. Aber mit Schwei­ze­ri­schen Ver­hält­nis­sen war die Aus­schil­de­rung kei­nes­wegs zu ver­glei­chen, gele­gent­lich musste man mit gesun­dem Men­schen­ver­stand ent­schei­den. Die Faust­re­gel ist, lie­ber nicht abbie­gen. Denn die meis­ten Irr­tü­mer beim Wan­dern ent­ste­hen durch zu zei­ti­ges Abbiegen.

Die zweite von uns in Angriff genom­mene Wan­de­rung begann am Pass Puerto des Anca­res auf 1648 m. Die Wol­ken zogen von Nor­den direkt über den Pass, wir hat­ten aber Glück mit dem Wet­ter, es reg­nete nicht. Gegen Ende der Wan­de­rung zog es aber immer mehr zu und so ganz ohne Fern­sicht macht das Wan­dern dann halt doch wenig Spaß.

Picos de Europa

Aber unser eigent­li­ches Wan­der­ziel war der Natio­nal­park Picos de Europa gewe­sen, dafür hat­ten wir sogar einen Wan­der­füh­rer mit 50 Rou­ten. Unsere kühne Fahrt aus dem ver­reg­ne­ten Gali­zien zum Natio­nal­park wurde mit wun­der­schö­nem Wan­der­wet­ter belohnt. Schon vom Zelt­platz aus bot sich uns ein erhe­ben­der Anblick, der mein Berg­stei­ger­herz höher schla­gen ließ.

Die drei Tages­wan­de­run­gen in den Picos erfüll­ten alle unsere Erwar­tun­gen, sie waren abwechs­lungs­reich, anstren­gend, und hat­ten sogar teil­weise alpi­nen Cha­rak­ter. Unser höchs­ter Punkt war eine Schutz­hütte auf unge­fähr 2300 m. Auf dem Rück­weg zur Seil­bahn ver­stell­ten uns Berg­zie­gen den Weg.