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mathias wellner

klar träumen, klar denken

Archiv

Kategorie: technik

Anlass

Vor kur­zem habe ich mei­nen Rech­ner neu auf­ge­setzt, nun ist Win­dows 7 mein Betriebs­sys­tem. Ubuntu Linux läuft nun als vir­tu­elle Maschine mit dem VMware Player.

Zutritt verboten

Pri­vat­späre

Im Zuge der Neu­in­stal­la­tion habe ich mir auch Gedan­ken zum Thema Email-​​Sicherheit gemacht. Bereits 2003 hatte ich mir ein Schlüs­sel­paar (der öffent­li­che Teil des Schlüs­sels ist auf diver­sen Key-​​Servern ver­füg­bar) erzeugt, die­ses aber nur gele­gent­lich genutzt. Das wird sich nun wie­der ändern!

Warum ver­schlüs­seln?

Ange­sto­ßen durch die Dis­kus­sio­nen über die stän­dig schrump­fende Pri­vat­sphäre möchte ich mir einen Teil mei­ner Pri­vat­sphäre zurück­er­obern – pri­vate Emails sind da ein wich­ti­ger Bestand­teil. Nor­male Emails sind wie Post­kar­ten, auf allen Ser­vern kann man sie mit den ent­spre­chen­den Zugriffs­rech­ten lesen. Die Ver­schlüs­se­lung ist wie ein Brief­um­schlag, der den pri­va­ten Inhalt vor neu­gie­ri­gen Bli­cken schützt. Die zuneh­mende Kom­mu­ni­ka­tion über soziale Netz­werke sehe ich kri­tisch, da kom­mer­zi­elle Inter­es­sen dort domi­nie­ren und die hohen Anfangs­in­ves­ti­tio­nen irgend­wann rein­kom­men müs­sen. Gerade Face­book ist durch einige Vor­fälle in die Kri­tik gera­ten (siehe z.B. Face­books unsicht­bare Lis­ten in der ZEIT).

Im unter­neh­me­ri­schen Umfeld ist das Ver­schlüs­seln von Daten noch wich­ti­ger, da man wich­tige Doku­mente ungern an Dritte wei­ter­rei­chen würde. Dass dies heute nur sehr wenige Fir­men machen, ist für mich kaum nach­voll­zieh­bar. Ver­träge, tech­ni­sche Doku­mente oder Soft­ware wer­den so quasi als Post­karte ver­sen­det, Indus­trie­spio­nage erheb­lich vereinfacht.

Öffent­li­cher und gehei­mer Schlüs­sel beim RSA-​​Verfahren

Tech­nisch beruht die Ver­schlüs­se­lung von Emails auf dem RSA-​​Kryptosystem. Mit einem geeig­ne­ten Pro­gramm könnt ihr euch ein Schlüs­sel­paar erzeu­gen, wel­ches aus einem gehei­men und einem öffent­li­chen Schlüs­sel besteht. Den öffent­li­chen Schlüs­sel könnt ihr her­um­schi­cken, mit ihm kann ich auch Nach­rich­ten an euch ver­schlüs­seln, die ihr nur mit eurem gehei­men Schlüs­sel ent­schlüs­seln könnt. Das Signie­ren von Nach­rich­ten ist eine andere Sache, dafür nehmt ihr euren gehei­men Schlüs­sel und der Emp­fän­ger kann mit Hilfe eures öffent­li­chen Schlüs­sels fest­stel­len, ob die Nach­richt wirk­lich von euch stammt.

Damit das Ganze Sinn macht, brau­che ich aber eure Mit­hilfe. Denn ich allein kann meine Nach­rich­ten ledig­lich signie­ren, sie sind dann aber immer noch für jeder­mann les­bar. Erst wenn ihr mit­macht und mir eure öffent­li­chen Schlüs­sel zukom­men lasst, kann ich Nach­rich­ten an euch verschlüsseln.

So geht’s los

Für die meis­ten Email-​​Programme gibt es Zusätze zum Ver­schlüs­seln. Ich per­sön­lich ver­wende Mozilla Thun­der­bird mit dem Enig­mail–Plu­gin. Für Win­dows und damit auch Out­look gibt es mit Gpg4win eben­falls ein kom­for­ta­bles Zusatz­werk­zeug, mit dem ich auf Arbeit bereits gute Erfah­run­gen gesam­melt habe. In der Linux-​​Welt ist GnuPG der Quasi-​​Standard, die meis­ten ande­ren Pro­gramme und Werk­zeuge basie­ren darauf.

Nach der Instal­la­tion könnt ihr euch ein Schlüs­sel­paar anle­gen. Folgt ein­fach den Stan­dard­vor­ga­ben und macht auf jeden Fall eine Siche­rungs­ko­pie eurer bei­den Schlüs­sel! Euer pri­va­ter Schlüs­sel wird zusätz­lich mit einem Pass­wort geschützt. Dann könnt ihr euren öffent­li­chen Schlüs­sel expor­tie­ren und her­um­schi­cken oder ihn auf einen Schlüssel-​​Server laden.

Das Ver­schlüs­seln ist ein wenig gewöh­nungs­be­dürf­tig und ein zusätz­li­cher Schritt. Aber ich denke, dass sich die­ser Auf­wand lohnt.

Heute habe ich die Löschung mei­nes studiVZ-​​Nutzerkontos ver­an­lasst. Die Gründe dafür waren vielfältig:

  1. Ich bin mitt­ler­weile echt kein Stu­dent mehr, wirk­lich nicht.
  2. Ich habe mich in letz­ter Zeit kaum noch dort betätigt.
  3. Auf Face­book sind mehr von mei­nen Freunden.
  4. Weni­ger Kom­ple­xi­tät ist immer besser.

Falls ihr also in Kon­takt mit mir blei­ben möch­tet, ste­hen euch wei­ter­hin Face­book, twit­ter und natür­lich die­ses Web­log zur Ver­fü­gung. Bei Face­book bin ich aber auch am Zwei­feln, die kom­mer­zi­elle Aus­rich­tung (gezielte Wer­bung), die Daten­schutz­kon­tro­ver­sen und der geringe Nutz­wert ste­hen auf der Nega­tiv­seite. Die meis­ten Bei­träge sind eher mäßig und fres­sen ein­fach Zeit. Es sind alles Informations-​​Fetzchen, meist aus frem­der Quelle, ganz zu schwei­gen von den Facebook-​​Programmen, deren Haupt­auf­gabe darin zu beste­hen scheint, Sta­tus­mel­dun­gen am lau­fen­den Band zu pro­du­zie­ren. Ich weiß, wovon ich rede – auch ich habe Farm­ville gespielt. Der Nut­zen für mich ist pri­mär, auf Inhalte in mei­nem Web­log hin­zu­wei­sen, die dadurch mei­nen Bekann­ten even­tu­ell zugäng­lich wer­den, wenn sie gerade rein­schauen und meine Sta­tus­mel­dun­gen nicht ausblenden.

Twit­ter nutze ich nicht so oft, im Grunde ist es aber wie ein abge­speck­tes Face­book, nur kurze Text­nach­rich­ten, kein Multimedia-​​Schnickschnack. Und vor allem keine Emails, mit denen Face­book einen regel­mä­ßig erfreut.

Aber ande­rer­seits ist es auch span­nend, am Zahn der Zeit zu sein. Bestimmte Leute kom­mu­ni­zie­ren gar nicht mehr per Email, da läuft alles über soziale Netz­werke. Für diese Leute exis­tiert man als Facebook-​​Verachter dann quasi nicht mehr. Es bleibt eine span­nende Ent­schei­dung, wie­viel man von sich preis gibt und was man davon hat.

Die nächste Evo­lu­ti­ons­stufe des quell­of­fe­nen Betriebs­sys­tems Ubuntu wurde ges­tern vom Sta­pel gelas­sen. Ich habe es heute auch zu Hause instal­liert, nach­dem ich letzte Woche auf Arbeit schon die Beta-​​Version getes­tet hatte. Vor allem optisch ist es ein gewal­ti­ger Schritt nach vorn, die neuen Standard-​​Themes Ambience und Radi­ence gefal­len mir gut. Doch auch hin­ter den Kulis­sen hat sich eini­ges getan.

Ubuntu One

Ubuntu bie­tet für jeden Nut­zer kos­ten­los 2.0 GB Online-​​Speicherplatz an, so dass man Ord­ner, Lese­zei­chen, Nach­rich­ten und Kon­takte zwi­schen ver­schie­de­nen Rech­nern syn­chro­ni­sie­ren kann. Das Upgrade auf 50 GB kos­tet dann 10$ pro Monat.

Thun­der­bird 3.0

Es ist zwar nicht der Ver­dienst von Ubuntu, aber neu ent­hal­ten in der Ver­sion 10.4 ist auch die aktu­elle Ver­sion des Email-​​Clients Thun­der­bird. Mit sei­nem Funk­ti­ons­um­fang (Emails, Adress­buch, Kalen­der, Auf­ga­ben) kann er durch­aus mit Out­look mit­hal­ten. Neu in die­ser Ver­sion ist das Indi­zie­ren von Nach­rich­ten, auch wenn diese nicht direkt auf dem Rech­ner lagern (IMAP). Google Mail bie­tet das schon lange, jetzt kann man also end­lich auch mit Thun­der­bird alle Nach­rich­ten bequem nach Stich­wör­tern durch­su­chen und muss keine Angst mehr um seine Daten bei Google haben.

Social Net­works

Eben­falls neu (zumin­dest für mich) ist die zusam­men­hän­gende Dar­stel­lung ver­schie­de­ner sozia­ler Netz­werke mit Gwib­ber. Jeden­falls kann ich jetzt simul­tan Nach­rich­ten auf Face­book und twit­ter ver­öf­fent­li­chen und anzei­gen las­sen. An sich ist das natür­lich auch nicht neu, aber am Ende ent­schei­det ja immer, wie gut sich das ins Betriebs­sys­tem integriert.

Damit kann ich nur jedem emp­feh­len, das Ganze mal aus­zu­pro­bie­ren. Die Instal­la­tion ist nicht schwie­ri­ger als mit Win­dows und es ist ein­fach immer wie­der erstaun­lich, was auf Open-​​Source-​​Basis alles zustande kommt.

MVC ist ein Begriff, der bei Web­an­wen­dun­gen mit Datenbank-​​Zugriff häu­fig auf­taucht. Der­zeit arbeite ich mit mit dem MVC-​​orientierten cake­PHP, um eine interne ERP-​​Lösung zu ent­wi­ckeln. Jedoch ent­hält die Web­seite eines ande­ren Ent­wick­lungs­sys­tems eine schön geschrie­bene und sehr anschau­li­che Beschrei­bung des MVC-​​Konzepts (over­view [Kohana User Guide]). Anhand des Bei­spiels einer Bank wer­den die grund­le­gen­den Eigen­schaf­ten die­ser Archi­tek­tur beschrie­ben und Regeln für die Gestal­tung for­mu­liert. Meine der­zei­tige ERP-​​Beispiel-​​Lösung bedarf defi­ni­tiv einer Überarbeitung…

Ich weiß, der Hype um twit­ter ist lange vor­bei. Aber den­noch, ich will das auch mal pro­bie­ren. 140 Zei­chen, das wird eine echte Her­aus­for­de­rung. Kein Geschwa­fel, die reine Essenz. Aber jetzt brau­che ich Anhän­ger, zumin­dest mal einen als Anfang, sonst twit­tere ich ins Leere hinein.