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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Kategorie: wissenschaft

Das letzte Kapi­tel, das aller­letzte auf dem Weg zur Pro­mo­tion – die fei­er­li­che Über­rei­chung der Urkunde. Der Scherrer-​​Hörsaal war fest­lich geschmückt, ebenso die frisch­ge­ba­cke­nen Dok­to­rin­nen und Dok­to­ren. Die ETH Big Band spielte auf in einer sehr blech­las­ti­gen Kon­stel­la­tion, sie schmet­terte uns den Jubel ent­ge­gen. Dann durfte jeder ein­zeln nach vorn gehen und bekam von der Rek­to­rin die Urkunde über­reicht. Ein paar Worte, dann den Blick zum Foto­gra­fen gerich­tet, knips, wie­der zur Rek­to­rin, „alles Gute wei­ter­hin”. So ging das für viel­leicht 150 Leute, Dok­tor­ti­tel am lau­fen­den Band. Glaubt mir, es ist nichts Beson­de­res. Ich musste abends noch­mal zur Firma, etwas abschlie­ßen, bin schon ganz gefan­gen im neuen Job.

So lang­sam ver­klärt sich mein Blick auf die ETH-​​Zeit, eine wei­tere Sta­tion ist abge­schlos­sen. Nur jetzt ist der nächste Schritt nicht mehr so klar vor­ge­ge­ben, ich bin völ­lig frei. Unter­neh­men, Pro­jekte, Fami­lie, Deutsch­land, Schweiz, Öster­reich – alles ist offen und wird sich schon finden.

Die Urkunde selbst ist schön gestal­tet. Das ETH-​​Logo ist geprägt, feine rote Linien durch­zie­hen den rech­ten Bereich und die schlanke ETH-​​Schrift ver­leiht dem Schrift­feld eine nüch­terne Ele­ganz. Ich werde sie gut bewah­ren und nicht an die Wand hän­gen, sonst fan­gen die Leute noch an, mich bei kör­per­li­chen Gebre­chen zu konsultieren.

Ein­lei­tung

Das Text­satz­sys­tem LaTeX eig­net sich her­vor­ra­gend für wis­sen­schaft­li­ches Schrei­ben. Aber wel­che Kom­po­nen­ten braucht man genau? In die­sem Arti­kel möchte ich beschrei­ben, wie man auf einem Ubuntu-​​​​Linux–Sys­tem die not­wen­di­gen Pro­gramme und Pakete instal­liert, um seine Publi­ka­tio­nen bequem schrei­ben zu kön­nen. Windows-​​​​Nutzer kön­nen die Schritte genau so aus­füh­ren, müs­sen aber an eini­gen Stel­len abwei­chend vorgehen.

Anfor­de­run­gen, Voraussetzungen

  1. Ich möchte VIM als Edi­tor benutzen.
  2. Das Resul­tat soll eine PDF-​​​​Datei sein.
  3. Nach Ände­run­gen am Manu­skript sol­len alle not­wen­di­gen Ver­ar­bei­tungs­schritte (latex, bib­tex) auto­ma­tisch durch eine Aktion (Maus­klick oder Ein­gabe) erfolgen.
  4. Ich möchte nach dem APA-​​​​Stil zitie­ren. Das ist von der Zeit­schrift mei­ner Wahl so vorgeschrieben.

Text­edi­tor VIM

VIM ist ein sehr mäch­ti­ges Werk­zeug zum Bear­bei­ten von Tex­ten. Auf den meis­ten Linux-​​​​Systemen ist die­ses Pro­gramm bereits instal­liert. Zur bes­se­ren Inte­gra­tion von LaTeX-​​​​Dokumenten gibt es die VIM-​​​​LateX-​​​​Suite.

any_directory$ sudo apt-get install vim

Die LaTeX-​​Suite sollte man lie­ber von Hand im Home-​​Verzeichnis instal­lie­ren, auf der Home­page gibt es eine Anleitung.

latexmk

Das Perl-​​​​Script latexmk ist äußerst prak­tisch, um alle not­wen­di­gen Ver­ar­bei­tungs­schritte auto­ma­tisch aus­zu­füh­ren. Es ermit­telt die Abhän­gig­kei­ten (ein­ge­schlos­sene Bil­der, Biblio­gra­fie), prüft den Sta­tus aller Dateien im Pro­jekt und führt dann genau die Schritte aus, wel­che not­wen­dig sind. Wenn man das nicht hat, muss man sehr häu­fig die Ein­zel­schritte (die Pro­gramme latex und bib­tex) aus­füh­ren, um bei Ände­run­gen im Doku­ment ein wirk­lich aktu­el­les PDF zu erhalten.

Instal­lie­ren muss man Perl (wenn es noch nicht vor­han­den ist) und das Skript selbst. Windows-​​​​Nutzer soll­ten Active Perl instal­lie­ren.

any_directory$ sudo apt-get install perl
any_directory$ sudo apt-get install latexmk

Die Anwen­dung von latexmk sieht dann für PDFs so aus:

project_directory$ latexmk -pdf dokument.tex

bibla­tex

Obwohl es zur Zeit noch nicht für die All­ge­mein­heit ver­öf­fent­licht ist (beta-​​​​Stadium), hat mir die Mäch­tig­keit des Pakets bibla­tex so impo­niert, dass ich es für meine Refe­ren­zen gern ver­wende. Ursprüng­lich brauchte ich eine sau­bere Lösung für nach Kapi­teln auf­ge­teilte Refe­ren­zen in mei­ner Dis­ser­ta­ti­ons­schrift, aber bibla­tex kann weit mehr und macht den Umgang mit Refe­ren­zen viel ein­fa­cher als vor­her. Denn bis­lang musste man aus einer unüber­schau­ba­ren Viel­falt von Pake­ten aus­wäh­len, wenn man mit dem Mini­mal­stan­dard von Bib­TeX nicht zufrie­den war. Nun braucht man also nur noch ein Paket — bibla­tex.

any_directory$ sudo apt-get install biblatex

Im Gegen­satz zum nor­ma­len Zitie­ren muss man sich an ein paar neue Befehle gewöh­nen. Ein indi­rek­tes Zitat in Klam­mern, wel­ches bei uns Inge­nieu­ren das häu­figste ist, erhält man mit \parencite{key}. Der Befehl \print­bi­blio­gra­phy erstellt genau an die­ser Stelle ein Refe­renz­ver­zeich­nis (Biblio­gra­phie) mit allen zitier­ten Quel­len. Das Aus­se­hen der Biblio­gra­phie und der Zitate im Text rich­tet sich nach dem Zitier­stil, den man beim Laden des Pake­tes mit ange­ben kann.

\usepackage[style=apa]{biblatex}
\bibliography{bibfile_name}

Den APA-​​​​Zitierstil kann man lei­der nur manu­ell instal­lie­ren (siehe Doku­men­ta­tion). Danach muss man aber noch die LaTeX-​​​​Installation aktua­li­sie­ren.

any_directory$ sudo texconfig rehash

Ein Pro­blem war dann noch, dass das csquotes-​​​​Paket ver­al­tet war. Auch da musste ich manu­ell die Dateien an die rich­tige Stelle kopie­ren und mit tex­con­fig rehash die LaTeX-​​​​Installation aktualisieren.

Fazit

Etwas Auf­wand ist das schon, dafür steht mir jetzt wie­der ein kom­plet­tes Sys­tem zur Ver­fü­gung, mit dem ich an mei­ner drit­ten Publi­ka­tion fei­len kann.

Selt­sam, sei­nen eige­nen Namen da zu sehen — es kom­men des öfte­ren sol­che Emails rein, unser Depar­te­ment ent­lässt Dok­to­ren am lau­fen­den Band. Da bin ich nur einer mehr in einer lan­gen Reihe. Es ist hier an der ETH nichts Beson­de­res daran zu pro­mo­vie­ren, das machen eigent­lich alle um einen herum. Die Liste der anste­hen­den Dok­tor­prü­fun­gen ist lang.

Jetzt also auch ich. Bald ist es soweit, ich werde mit einem schö­nen Titel in die Wirt­schafts­krise entlassen.

Der Count­down zur Diss-​​Prüfung läuft wei­ter. In knapp zwei Wochen muss ich die Eva­lu­ie­rungs­ver­sion am Depar­te­ment abge­ben, außer­dem müs­sen dann die Gut­ach­ten aller betreu­en­den Pro­fes­so­ren ein­ge­trof­fen sein. Um ihnen ein wenig Zeit zu geben, habe ich ges­tern die Eva­lu­ie­rungs­ver­sion ver­schickt, bereits im Mai hat­ten sie eine Vor­ab­ver­sion zu lesen bekom­men. Damit ist ein wei­te­rer Schritt gegan­gen, unauf­halt­sam nähert sich der Schick­sals­tag des 7. Juli mit der münd­li­chen Prüfung.

Nach fast vier Jah­ren Dok­to­rat steht jetzt der Ter­min für die Dok­to­rats­prü­fung fest. Am Diens­tag, dem 7. Juli werde ich — wenn alles gut geht — die­sen wich­ti­gen Schritt absol­vie­ren. Es ist zwar rein admi­nis­tra­tiv nicht der letzte, da ich danach noch die Pflicht­ex­em­plare abge­ben muss und die Depar­te­ments­kon­fe­renz dem zustim­men muss, aber gefühls­mä­ßig ist es der Abschluss des Doktorats.

Mit dem Ter­min ste­hen auch die wei­te­ren Ter­mine fest. Drei Wochen vor­her muss die Dis­ser­ta­ti­ons­schrift in ihrer end­gül­ti­gen Fas­sung und die Gut­ach­ten mei­ner Refe­ren­ten beim Depar­te­ment ein­ge­trof­fen sein. Und noch ein paar Wochen eher müs­sen die Refe­ren­ten natür­lich auch die Arbeit in den Hän­den halten.

Es geht also zu Ende und im Herbst beginnt ein neuer Abschnitt.