Bücher waren meine stän­di­gen Beglei­ter, in der Schul­zeit begann ich mit Aben­teu­er­ro­ma­nen, ent­deckte schließ­lich Her­mann Hesse und viele wei­tere Schrift­stel­ler. Im Jahr 2000 prä­sen­tierte ein Mit­schü­ler mei­ner Schwes­ter auf deren Abschluss­ball eine Szene aus dem Kon­tra­bass von Patrick Süs­kind. Ich war begeis­tert von die­sem Buch, das expli­zit für die Umset­zung auf der Bühne geschrie­ben wurde. Wenig spä­ter lud ich ein paar Freunde ein und prä­sen­tierte das Buch als Lesung. Auf die­ser Seite möchte ich gern mein Reper­toire an Lesun­gen fest­hal­ten, als Erin­ne­rung und Inspiration.

Ich habe bei Lesun­gen viel gelernt. Die große Her­aus­for­de­rung ist das Fes­seln der Zuschauer. Die effek­tivste Methode dafür ist der direkte Blick­kon­takt. Da man aber gele­gent­lich auch ins Buch schauen muss, emp­fiehlt sich das schnelle Auf­neh­men eines Sat­zes oder Satz­teils, damit man anschlie­ßend, wäh­rend man das gerade Auf­ge­nom­mene aus­spricht, den Blick ins Publi­kum wer­fen kann. Es ist ein stän­di­ger Wech­sel zwi­schen Lesen, Auf­sa­gen und Publi­kum anschauen. Je schnel­ler man lesen kann, desto mehr Zeit hat man für den Blick­kon­takt. Die zweite Basis für eine erfolg­rei­che Lesung ist eine klare, deut­li­che Aus­spra­che und die Fähig­keit, die benö­tigte Laut­stärke wäh­rend der gesam­ten Lesung durchzuhalten.

Patrick Süs­kind — Der Kontrabass

Inhalt: Ein Kon­tra­bas­sist wird wäh­rend eines lan­gen Abends, unter­stützt durch Bier, sehr red­se­lig. Er klagt das Leid des Schat­ten­da­seins sei­nes Instru­ments im gro­ßen Orches­ter. Auch seine Liebe zu einer Sopr­an­sän­ge­rin sieht er ohne große Hoff­nung, da sie ihn ein­fach nicht wahrnimmt.

Pri­vate Auf­füh­run­gen: Okto­ber 2000, Sep­tem­ber 2003, Dezem­ber 2004, Juli 2005,

Öffent­li­che Auf­füh­run­gen: Dezem­ber 2005 (150 Hours Art Festival)

Oscar Wilde — Das Gespenst von Canterville

Inhalt: Eine ame­ri­ka­ni­sche Fami­lie bezieht ein altes, eng­li­sches Schloss und macht schon bald Bekannt­schaft mit dem Haus­geist. Doch anstatt zu erschre­cken, machen sie dem armen Gespenst das Leben zur Hölle.

Pri­vate Auf­füh­run­gen: Juni 2001, März 2004

ETA Hoff­mann — Der Sandmann

Inhalt: Der Stu­dent Natha­nel sieht einen Mann, in dem er den Pei­ni­ger sei­ner Kind­heit wie­der­er­kennt, den bösen Advo­ka­ten Cop­pe­lius. Immer mehr ist er davon über­zeugt, dass die­ser Mann das Unheil in sei­nem Leben ver­kör­pert, dem er sich nicht ent­zie­hen kann. Auch seine Liebe zu Klara lei­det. Nach einer Eska­la­tion in einem Duell mit Kla­ras Bru­der fin­det er schein­bar wie­der sei­nen Frie­den.
Doch zurück in sei­nem Stu­di­en­ort, wird er von der Toch­ter Olim­pia sei­nes Pro­fes­sors Spa­l­an­zani magisch ange­zo­gen. Dies hängt vor allem mit einem Fern­glas zusam­men, das er von jenem schreck­li­chen Mann des Anfangs kauft. Und obwohl Olim­pia sich sehr mecha­nisch bewegt, ver­liebt er sich in sie und will um ihre Hand anhal­ten. Doch in dem Augen­blick bemerkt er, dass sie ein Auto­mat ist, der vom Pro­fes­sor Spa­l­an­zani erbaut wurde und deren Augen von ihm selbst stam­men. Er dreht durch und kann nur durch einige her­bei­ei­lende Leute vom Erwür­gen Spa­l­an­za­nis abge­hal­ten wer­den.
Nach eini­gen Tagen hat er sich in Kla­ras Armen erholt und besteigt mit ihr einen Turm. Beim Blick durch das ver­wun­schene Fern­glas ergreift ihn wie­der der Wahn­sinn und er ver­sucht, Klara hin­ab­zu­stür­zen. Ihr Bru­der ver­hin­dert dies und bringt sie in Sicher­heit. Als Natha­nael Cop­pe­lius in der Menge erblickt, stürzt er sich vom Turm zu Tode.

Pri­vate Auf­füh­rung: Februar 2002

Max Frisch — Mein Name sei Gantenbein

Inhalt: Im Buch geht es um all­ge­meine Fra­gen, vor allem die The­men Ehe, Bezie­hung, Sei­ten­sprung, Rol­len­spiel wer­den ange­spro­chen. Das eigent­lich tolle ist aber die Art der Dar­stel­lung. Kein chro­no­lo­gi­scher Ablauf, son­dern nahezu tage­buch­ar­tig wer­den Gedan­ken auf­ge­schrie­ben. Die Per­so­nen sind auch nur Pro­dukte der Phan­ta­sie, Werk­zeuge, um bestimmte Kon­stel­la­tio­nen gedank­lich durch­zu­spie­len. Frischs Lieb­lings­fi­gur ist die des vor­geb­lich blin­den Gan­ten­bein. Durch seine gespielte Blind­heit ver­ur­teilt er sich zum blin­den, pas­si­ven Beob­ach­ter, der jedoch, da die Leute vor ihm nicht mehr ihre Rol­len spie­len, beson­dere Ein­bli­cke in die Psy­che ande­rer Leute erhält.

Pri­vate Auf­füh­run­gen: August 2002, Novem­ber 2003

Ste­fan Zweig — Die Schachnovelle

Inhalt: An Bord eines Schif­fes kommt es zum Schach­du­ell zwi­schen den Pas­sa­gie­ren und dem eben­falls anwe­sen­den Schach­welt­meis­ter Cen­to­vic. Schon bald stellt sich her­aus, dass Dr. B. — einer der Pas­sa­giere — der Ein­zige ist, der mit­hal­ten kann. In einem Rück­blick erklärt er, wie das aus­wen­dige Wie­der­ho­len von Schach­par­tien wäh­rend lan­ger Jahre der Gefan­gen­schaft sein ein­zi­ger Halt war.

Pri­vate Auf­füh­rung: Dezem­ber 2003

Rafik Schami — Per­si­sche Märchen

Vom jordanisch-​​deutschen Autor Rafik Schami lasen wir einige Märchen:

  • Die tap­fe­ren Flöhe
  • Knob
  • Die letz­ten Worte der Wanderratte
  • Der flie­gende Baum
  • Das Schaf im Wolfspelz

Pri­vate Auf­füh­rung: Februar 2004

Peter Handke — Die Publikumsbeschimpfung

Inhalt: Bei die­ser Lesung han­delte sich um ein Sprech­stück, das mit der Illus­sion des Thea­ters spielt. Mit­tel­punkt des Stü­ckes ist dann auch keine Hand­lung oder fik­tive Welt, son­dern es sind die Zuschauer selbst, bezie­hungs­weise die Inter­ak­tio­nen zwi­schen Vor­tra­gen­den und Auditorium.

Pri­vate Auf­füh­rung: Juni 2004

Ales­san­dro Baricco — Seide

Inhalt: Der Roman „Seide” ent­führte die Zuhö­rer ins 19. Jahr­hun­dert und in eine lyri­sche Erzäh­lung über das Begeh­ren. Ein fran­zö­si­scher Sei­den­händ­ler muss wegen einer Seu­che, die alle ande­ren Sei­den­rau­pen­be­stände befal­len hat, nach Japan rei­sen. Er trifft eine rät­sel­hafte Frau…

Pri­vate Auf­füh­rung: März 2005

Ales­san­dro Baricco — Novecento

Inhalt: Es geht um einen Mann, der an Bord eines Atlantik-​​Schiffes gefun­den wird. Die Matro­sen geben ihm den Namen Nove­cento, weil er genau 1900 gebo­ren wurde. Er ent­wi­ckelt sich zu einem eigen­sin­ni­gen und begna­de­ten Kla­vier­spie­ler, der das Schiff, auf dem er gebo­ren wurde, nie mehr ver­las­sen wird.

Pri­vate Auf­füh­rung: Juni 2005

Öffent­li­che Auf­füh­rung: April 2006