Was tun an einem regnerischen Januarsamstag? Rausgehen und fotografieren!
Regentropfen auf Tisch, Niederdorfstrasse
Originelles Stadtfahrrad, Grossmünsterplatz
Bellevue
Nächtliches Lichterspiel, Niederdorfstrasse
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Regentropfen auf Tisch, Niederdorfstrasse
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Nachdem nun ein neues Jahr angebrochen ist, möchte ich das vergangene aus Weblog-Sicht Revue passieren lassen. Die Zahlen entsprechen Views, also das Ansehen einer einzelnen Seite durch einen Besucher und stammen vom WordPress.com Stats Plugin.
Insgesamt hatte das Weblog mwellner.de im Jahr 2011 21,717 Views, ein paar mehr als 2010. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 59 Besuchen. Anfang Dezember war das Weblog durch einen Festplatten-Defekt des Servers einige Tage nicht erreichbar, dadurch brachen die Besucherzahlen deutlich ein.
Meistbesuchte Seiten 2011
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die technischen Themen am begehrtesten sind. Obwohl die Einträge schon recht alt sind, werden sie immer noch häufig aufgerufen. Aus den Top 10 ist kein einziger Beitrag im Jahr 2011 entstanden. Jedoch braucht es erfahrungsgemäß Zeit, bis eine Seite bekannt wird. Einzelne Beiträge von mir wurden irgendwann verlinkt und erhielten dadurch wesentlich mehr Zugriffe.
Die Theaterbeiträge finden aber auch eine wachsende Leserschaft und haben sich in den tieferen Top 10 etabliert. Grundsätzlich suchen mehr Leute nach Hilfe bei LaTeX-Problemen als bei der Erarbeitung einer Rolle.
Im neuen Jahr werde ich nichts grundsätzlich ändern, die Themen Schauspiel/Theater und Bergsport werden dominieren. Wenn ich Zeit finde, werde ich mehr englische Übersetzungen anfertigen, damit lassen sich sicherlich wesentlich mehr Leute erreichen.
Auf jeden Fall möchte ich mich bei allen Lesern für ihr Interesse bedanken und ein wundervolles neues Jahr 2012 wünschen.
Für die aktuelle dramateure–Theaterproduktion Onkel Wanja möchte ich mehr über den Autor Anton Tschechow erfahren. Es ist ein naheliegender Schritt zum Verständnis des Textes. Und es ist auch der große Vorteil des Literaturtheaters, dass es einen großen Reichtum an vorhandenem Material gibt, den man studieren kann. Dieses Material ist Teil des Eisberges, den man als Regisseur oder Schauspieler aufbaut. Am Ende wird nur ein kleiner Teil oben schwimmen, aber ohne den großen unsichtbaren Anteil könnte dieser kleine sichtbare Anteil nicht schwimmen.
Anton Tschechow, Fotografie um 1903, Wikimedia Commons
Kurzbiografie in eigenen Worten
Geboren wurde ich 1860 in Taganrog. 1879 beendete ich das Gymnasium in Taganrog. 1884 beendete ich das Studium an der Medizinischen Fakultät Moskau. 1888 bekam ich den Puschkinpreis. 1890 unternahm ich eine Reise nach Sachalin durch Sibirien und zurück übers Meer. 1891 unternahm ich eine Tournee durch Europa, wo ich sehr guten Wein getrunken und Austern gegessen habe … Zu schreiben bekann ich 1879 in der „Strekoza” … Ich habe auch im dramatischen Fach gesündigt, wenn auch mit Maßen … In die Mysterien der Liebe eingeweiht wurde ich, als ich 13 Jahre alt war. Mit meinen Kollegen — Medizinern wie Literaten — pflege ich ausgezeichnete Beziehungen. Junggeselle.
Diese lapidare Biografie schrieb Tschechow 1892. Was fehlt, ist seine Erkrankung an Tuberkulose, einer damals unheilbaren Lungenkrankheit. Seit 1884 litt er daran und sollte 1904 daran sterben. Aber in seiner typischen Zurückhaltung wollte er andere Menschen nichts davon wissen lassen, vielleicht wollte er es sich selbst auch nicht eingestehen.
Kindheit und Jugend in Taganrog
Die ersten 19 Jahre seines Lebens verbrachte Tschechow in der ukrainischen Hafenstadt Taganrog am Schwarzen Meer. Sein Vater betrieb einen Krämerladen, in dem alle Kinder aushelfen mussten. Die Familie lebte in bitterster Armut und Tschechow war schon früh mit illustren Kunden im Laden konfrontiert, im dem abends auch Wodka ausgeschenkt wurde. Tschechow wollte ein Gegenbild zu seinem despotischen Vater sein, unter dem alle Familienmitglieder sehr litten.
Ich bitte Dich, Dich daran zu erinnern, dass Despotismus und Lüge die Jugend Deiner Mutter zugrundegerichtet haben. Despotismus und Lüge haben unsere Kindheit dermaßen vergällt, dass einem schlecht wird und man Angst hat, sich daran zu erinnern. Erinnere Dich an das Entsetzen und den Ekel, die wir empfanden, wenn Vater damals beim Essen einen Aufstand machte wegen einer versalzenen Suppe oder Mutter eine dumme Kuh nannte.
Schon früh entdeckte Tschechow sein Interesse fürs Theater. Er hatte ohnehin einen Hang zur Maskierung und ließ selten sein Innerstes nach außen durchscheinen. Es war vermutlich seine Art, mit einer ihm feindlich gesinnten Umgebung fertig zu werden.
Als er 17 Jahre alt war, floh der überschuldete Vater mit fast der ganzen Familie nach Moskau, Anton blieb allein zurück. Er gab Nachhilfe und beendete die Schule. Er schickte sogar Geld an seine Familie in Moskau, die dort in bitterer Armut lebte.
Medizinstudium und schriftstellerische Anfänge
Mit 19 begann er das Medizinstudium in Moskau. Gleichzeitig begann er, humoristische Geschichten für mehrere Zeitschriften zu schreiben, um Geld für die Familie zu verdienen. Obwohl er sich später von diesen Erstlingswerken distanzierte, konnte er so seinen meisterhaften Stil entwickeln. Oft waren ihm 100 Zeilen als Obergrenze gesetzt, was er als lähmendes Limit beim Schreiben empfand. Er musste alles Überflüssige streichen und lernte, das Wesen einer Person mit wenigen präzisen Charakterzügen plastisch darzustellen. Für Tschechow ist Literatur Arbeit, deren Ziel das Straffen, Kondensieren und letztendlich die größtmögliche Einfachheit.
Die Kunst zu beschreiben besteht in der Kunst zu kürzen.
Ganz anders verhielt es sich mit seiner Tätigkeit als Arzt. Ursprünglich studierte er Medizin auf den Wunsch seiner Eltern und das klare Ziel war das Geldverdienen und der Unterhalt der Familie. Jedoch arbeitete er oft ehrenamtlich auf dem Land, die meisten seiner Patienten waren arme Bauern, die ihm nichts bezahlen konnten. Aber selbst später, als ihm geraten wurde, die Medizin zugunsten des Schreibens aufzugeben, hielt er daran fest, er brauchte den Ausgleich und antwortete seinem Verleger:
Sie raten mir, nicht zwei Hasen nachzujagen und nicht mehr an die praktische Medizin zu denken. Ich weiß nicht, warum ich zwei Hasen nachjagen sollte … ich habe ein besseres und zufriedeneres Gefühl, wenn ich mir vor Augen halte, dass ich zwei Berufe habe, nicht nur einen … Die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine Geliebte. Wenn mir die eine auf die Nerven geht, nächtige ich bei der andern. Das ist meinetwegen unanständig, aber dafür nicht langweilig. Und darum verlieren auch beide nicht durch meinen Treuebruch. Hätte ich nicht meine Medizin, so würde ich in meinen Mußestunden meine überflüssigen Gedanken wohl kaum der Literatur widmen. Ich habe keine Disziplin.
Eine Episode aus seiner Tätigkeit als Arzt ist noch bedeutend, kommt sie doch in „Onkel Wanja” vor. Im Jahr 1885 brach eine Typhus-Epedimie aus, er behandelte die Mutter und drei Schwestern eines befreundeten Malers. Zwei seiner Patienten starben. Astrow, die Rolle mit der größten Nähe zu Tschechow, berichtet dann auch davon, wie ihm ein Patient wegstarb und sein Gewissen zur falschen Zeit erwacht.
Erste Erfolge
Charakteristischerweise hielt Tschechow sehr wenig von seinen literarischen Werken, obwohl er immer wieder Zuspruch von Verlegern und auch namhaften Schriftstellern wie Dmitri Wassiljewitsch Grigorowitsch erhielt. Der Zuspruch von Grigorowitsch stellte dennoch einen Wendepunkt in Tschechows Leben dar, er reduzierte fortan die Auftragsarbeiten und schrieb Werke, die seinen hohen Ansprüchen gerecht werden sollten.
Anton Tschechow 1898, Osip Braz, Wikimedia Commons
In den späten 1880er Jahren entstanden seine ersten Dramen, Platonov und Ivanov. Platonov war der Prototyp des lišnij čevolek (überflüssiger Mensch) und verkörpert die seelische Abstumpfung und Lethargie der russischen Intelligenz. Nach Tschechows Weltbild können nur Arbeit und nützliche Tätigkeiten die Leute aus ihrer Apathie reißen. Dies wird auch in „Onkel Wanja” deutlich.
Seine Werke haben keine politische Richtung, er verhält sich als Autor neutral und lässt seine Charaktere selbst sprechen und mit ihrem Schicksal hadern. Dies wurde von den Literaturkritikern bestraft, die ihm Tendenzlosigkeit vorwarfen. Auch das Theaterpublikum hatte anfangs wenig Verständnis für diesen damals völlig ungewohnten Stil. Zudem passte die damalige Art der theatralen Darstellung nicht zu seinen Werken. Die Stücke wurden wenig geprobt und mit großen Gesten in schauspielerirscher Eigenregie aufgeführt. Tschechows Werke verlangten einen ganz neuen Stil, den erst das Moskauer Kunsttheater um Konstantin Stanislawski nach einiger Zeit finden sollte.
Schaffenskrise und Rückzug aufs Land
Nach dem Tod seines Bruders Nikolaj im Jahr 1889 erlebt Tschechow eine Schaffenskrise. Er entschließt sich dann jedoch zu einer Reise zur Gefängnisinsel Sachalin weit im Osten Russlands. Dort wirkt er als Arzt, um das Leid der Häftlinge zu lindern. Tief bewegt kehrt er zurück und verfasst Berichte, um die Öffentlichkeit auf die Missstände aufmerksam zu machen.
Das Landleben war Tschechow sehr vertraut, 1892 erwarb er das Landgut Melichovo südlich von Moskau und holte seine Familie dahin. Neben der erhofften Entspannung stellten sich jedoch nach einiger Zeit Langeweile und Überdruss ein. Auch diese Erfahrung hat „Onkel Wanja” geprägt, aus Sicht des Professors lässt es sich auf dem Land einfach nicht aushalten.
Dramatisches Schaffen
Ab den 1890er Jahren entstanden seine dramatischen Hauptwerke, Die Möwe, Onkel Wanja, Drei Schwestern und Der Kirschgarten. Mit diesen Stücken revolutionierte Tschechow das Theater. Entsprechend kontrovers waren anfangs die Reaktionen des Publikums und der Kritiker. Tschechow selbst war ein unerbittlicher Kritiker der Inszenierungen und der schauspielerischen Interpretationen. Es gab zu seinen Lebzeiten keine Inszenierung, die er vorbehaltlos gutgehießen hätte.
Sie sagen, man hätte in meinen Stücken geweint … Und nicht nur Sie … Aber ich habe sie doch nicht darum geschrieben, damit … so etwas Weinerliches daraus wird. Ich habe etwas anderes gewollt … Ich wollte den Menschen nur ehrlich sagen: „Schaut euch an, schaut, wie schlecht und langweilig ihr lebt …!” Die Hauptsache ist, dass die Menschen das begreifen, und wenn sie das begriffen haben, werden sie sich unbedingt ein anderes, besseres Leben einrichten … Ich sehe es nicht, aber ich weiß, es wird anders sein … Und solange es das nicht gibt, werde ich den Menschen wieder und wieder sagen: „Begreift doch, wie schlecht und langweilig ihr lebt!” Was gibt es da zu weinen?
Durch seine Tuberkulose zunehmend geschwächt, verbrachte er seine letzten Winter im warmen Jalta auf der Krim. Er lernt die Schauspielerin Olga Knipper kennen und heiratet sie 1901. Es ist eine Fernbeziehung, da er ihr die Tourneen nicht verwehren will. Im Jahr 1904 stirbt Tschechow im deutschen Kurort Badenweiler.
Quelle: Anton Čechov, mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, dargestellt von Elsbeth Wolffheim, 9. Auflage Dezember 2009
Man muss den Dingen
Die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen –
und dann
Gebären…Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit…Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Frage lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.
Der Dank für dieses inspirierende Gedicht geht an Marco. Man kann es auch sehr gut auf das Schauspiel beziehen, beim Method Acting kommt es unter anderem auch darauf an, aus einem Zustand der inneren Entspannung zu agieren. Das Überspielen ist das Hauptproblem aller Schauspieler, besonders der jungen. Und so erinnert mich vor allem die erste Strophe an die als Schauspieler – aber natürlich auch als Mensch – anzustrebende Grundgelassenheit.
Ein wunderbarer Film, den ich wärmstens empfehlen kann. John Cusack spielt Rob Gordon, den Inhaber eines heruntergekommenen Plattenladens. Schauspielerisch spannend ist das Darstellen eines selbstbezogenen Egoisten, der im Laufe des Films langsam dazulernt. Denn Rob ist wahrlich kein Engel, erst durch die Trennung von seiner Freundin Laura verarbeitet er seine Fehler und kann ein wenig über seinen Schatten springen. Und genau das ist schwierig als Schauspieler, eine Figur mit all ihren Fehlern und Schwächen zu verkörpern. John Cusack ist das hervorragend gelungen. Aber auch seinen beiden ungleichen Aushilfen im Plattenladen verkörpern Selbstherrlichkeit und fragile Schüchternheit hervorragend.
Überhaupt ist die filmische Umsetzung der Buchvorlage hervorragend gelungen. Stephen Frears ist ein spannender Regisseur, der immer wieder mit neuen Genres experimentiert. Im Interview sagte er einmal, dass ihn eher die aussichtslosen Projekte reizen als die vermeintlich sicheren Erfolge. Und so konnte er zahlreiche Erfolge feiern.