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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Ein wun­der­ba­rer Film, den ich wärms­tens emp­feh­len kann. John Cusack spielt Rob Gor­don, den Inha­ber eines her­un­ter­ge­kom­me­nen Plat­ten­la­dens. Schau­spie­le­risch span­nend ist das Dar­stel­len eines selbst­be­zo­ge­nen Ego­is­ten, der im Laufe des Films lang­sam dazu­lernt. Denn Rob ist wahr­lich kein Engel, erst durch die Tren­nung von sei­ner Freun­din Laura ver­ar­bei­tet er seine Feh­ler und kann ein wenig über sei­nen Schat­ten sprin­gen. Und genau das ist schwie­rig als Schau­spie­ler, eine Figur mit all ihren Feh­lern und Schwä­chen zu ver­kör­pern. John Cusack ist das her­vor­ra­gend gelun­gen. Aber auch sei­nen bei­den unglei­chen Aus­hil­fen im Plat­ten­la­den ver­kör­pern Selbst­herr­lich­keit und fra­gile Schüch­tern­heit hervorragend.

Über­haupt ist die fil­mi­sche Umset­zung der Buch­vor­lage her­vor­ra­gend gelun­gen. Ste­phen Frears ist ein span­nen­der Regis­seur, der immer wie­der mit neuen Gen­res expe­ri­men­tiert. Im Inter­view sagte er ein­mal, dass ihn eher die aus­sichts­lo­sen Pro­jekte rei­zen als die ver­meint­lich siche­ren Erfolge. Und so konnte er zahl­rei­che Erfolge feiern.

Ich kann es nicht las­sen, wie­der habe ich mich beim Zen­trum für Ent­wick­lung im Schau­spiel ein­ge­schrie­ben. Es geht um sze­ni­sches Arbei­ten und Cha­rak­ter­ent­wick­lung, als Basis dient uns das Stück Doig von Greg Free­man. Es ist ein zeit­ge­nös­si­sches, unter­halt­sa­mes Stück.

Die Rol­len­ver­tei­lung ging sehr rasch von­stat­ten, ich darf mich mit Smith, dem Coach und Pseu­do­psy­cho­lo­gen beschäf­ti­gen. Des­halb ver­brachte ich einen Teil des Sonn­tags im Zür­cher Zoo, eine unse­rer ers­ten Auf­ga­ben ist das Suchen eines geeig­ne­ten Tieres.

Inmit­ten von Fami­lien schritt ich also durchs Ein­gangs­tor und geneh­migte mir zual­ler­erst mal ein gutes Mit­tag­es­sen. Und kaum trat ich ins spät­herbst­lich bewölkte Freie, da ent­deckte ich auch schon, wonach ich gesucht hatte – einen Pfau. Er lief ein­fach mit­ten unter den Leu­ten umher und pickte Essens­reste auf. Ein gro­ßer Vogel, der viel mit dem Kopf arbei­tete, um vor­an­zu­kom­men. Aber abge­se­hen von die­sen ruck­ar­ti­gen Kopf­be­we­gun­gen wirkte sein Gang ruhig, fast majes­tä­tisch. Sein Rad hatte er nicht auf­ge­schla­gen, er ach­tete auf Abstand, war den­noch aufs Fut­ter fixiert. Kin­der ver­such­ten ihn zu erschre­cken, ohne Erfolg. See­len­ru­hig zog er seine Kreise, kehrte immer wie­der zurück zu den Tischen und pickte, pickte, pickte.

Smith hat die ers­ten Sätze im Stück, er the­ra­piert den depres­si­ven Doig durch Pro­vo­ka­tion und Psy­cho­tricks. Er hat in der ers­ten Szene eine starke Prä­senz, muss in die dunkle Welt von Doig ein­bre­chen und ihn wie­der zurück zu den Leben­den holen. Das gelingt ihm schließ­lich, jedoch fast zu gut, Doig wird zum Kon­sum­ver­ach­ter und läuft fortan, nur mit einer Plas­tik­tüte beklei­det, umher.

SMITH:
Was wür­den Sie tun, wenn Sie nur noch drei Minu­ten zu leben hät­ten?… Ich wüsste, was ich täte. Wenn ich noch drei Minu­ten hätte. Ich wüsste genau, was ich täte.

Sind Sie religiös?

Ich glaube, wenn man wüsste, dass man nur noch drei Minu­ten hat auf die­ser Erde, würde man sehr schnell zur Reli­gion fin­den. Das Pro­blem ist nur, wenn man nur noch drei Minu­ten hat – wel­che soll man neh­men? Ich meine, wel­che ist die Rich­tige, hm? Wel­che die­ser vie­len Reli­gio­nen bringt einen sicher über die Tür­schwelle.
Wel­che ist wohl die magi­sche Ein­tritts­karte ins Para­dies. Östli­che, west­li­che oder eine die­ser obsku­ren Reli­gio­nen in ver­steck­ten Gegen­den des süd­li­chen Pazi­fiks. Was wür­den Sie mit Ihren letz­ten drei Minu­ten tun? Na kom­men Sie.

Smith wird also etwas pfau­en­haf­tes haben, er pickt immer wie­der nach Doig, reizt ihn, bis die­ser end­lich rea­giert. Es ist mal ein Anfang für diese Rolle.

Erste offi­zi­elle Probe der Onkel Wanja–Insze­nie­rung, drei neue Leute haben den Weg ins Kel­ler­thea­ter des GZ Buchegg gefun­den. Nach der Vor­stel­lungs­runde und der Erläu­te­rung des wei­te­ren Ablaufs konn­ten wir dann auch end­lich wie­der mal aktiv wer­den – in Form der belieb­ten Improvisationsspiele.

Es war groß­ar­tig! Anfangs zöger­lich, dann immer mehr zeigte sich die Spiel­freude, die Lust am Expe­ri­men­tie­ren mit Rol­len, Cha­rak­te­ren und Situa­tio­nen. Es fühlt sich gut an, ich habe diese Ener­gie auf der Bühne vermisst.

In den nächs­ten Wochen fol­gen wei­tere Pro­ben mit sen­so­ri­schen Erin­ne­rungs­übun­gen, Impro­vi­sa­tio­nen und wei­te­ren Ele­men­ten, die noch nicht so viel mit dem Stück zu tun haben. Erst spä­ter wer­den wir uns dann in Lese­pro­ben inten­si­ver mit dem Stück beschäf­ti­gen. Aber noch ist vie­les unklar, vor allem die Besetzung.

Das Stu­The ver­sprach einen Abend frei nach Faust, der sich aber doch nur sehr spo­ra­disch in die freien Sze­nen aus dem Stu­den­ten­le­ben hin­ein­ge­schli­chen hatte.

Den roten Faden durch den Abend ver­kör­perte der stets prä­sente Teu­fel (Lukas Walli­mann), der als Uni­ver­si­täts­pro­fes­ser ein­führte und dann auch mal in die­sen und mal in jenen Stu­den­ten schlüpfte. Der Teu­fel wollte die Stu­den­ten von ihrem gera­den Weg des Ler­nens abbrin­gen, säte Zwie­tracht in der Biblio­thek, weckte den Wunsch nach dem spon­ta­nen Wech­sel des Stu­di­ums, ver­gällte die Freude an der For­schung, am Arbeits– und Lie­bes­le­ben und sogar an der Grün­dung eines eige­nen Unter­neh­mens. Und am Ende lockte er jeden Ein­zel­nen mit dem, was ihm am meis­ten bedeu­tete, als Gegen­wert wollte er nur die Seele in Form eines blauen Bal­lons. Doch irgend­wie ent­deck­ten sie ihn dann doch, ver­jag­ten ihn und waren so schlau wie zuvor.

Die Sze­nen waren durch Impro­vi­sa­tion ent­stan­den und wirk­ten dadurch recht natür­lich. Für die Dar­stel­ler war das sicher eine große Erleich­te­rung, konn­ten sie so mit eige­nen Wor­ten und im Schwei­zer Dia­lekt reden. Die Sze­nen waren ein Spa­gat zwi­schen Impro­vi­sa­tion und ein­stu­dier­ter Auf­füh­rung. Und ganz so wie bei Impro-​​Abenden üblich gelan­gen einige recht gut und andere woll­ten ein­fach nicht so recht zün­den. Aber die rich­tig guten Sze­nen kamen eher zum Ende hin, so dass der Span­nungs­bo­gen ins­ge­samt stimmte.

Was ließe sich ver­bes­sern? Ich sah vor allem Poten­zial bei der schau­spie­le­ri­schen Leis­tung. Die Emo­tio­nen saßen an eini­gen Stel­len nicht rich­tig, die Wut der Stu­di­en­be­ra­te­rin wirkte künst­lich und auch an ande­ren Stel­len fehlte mir das Feine und Nuan­cierte. Kon­zep­tio­nell inkon­se­quent war die Sicht­bar­keit des Teu­fels, erst in der Rolle des Uni­ver­si­täts­pro­fes­sors quasi als reale Per­son ein­ge­führt, war er dann unsicht­bar und wirkte als böse innere Stimme, um spä­ter dann plötz­lich doch wie­der zuneh­mend sicht­bar zu werden.

Immer wie­der schön der Ein­satz thea­tra­li­scher Mit­tel. Die Ikea-​​Regale mach­ten zahl­rei­che Ver­wand­lun­gen durch, vom Tisch einer Alp­hütte bis zu Bäu­men im Park und einer gemal­ten Mauer. Das ist die Macht des Thea­ters – mit kind­li­cher Vor­stel­lungs­kraft ver­wan­delt sich alles und es rei­chen mini­malste Andeu­tun­gen zum Kre­ie­ren einer Szene.

Im beschau­li­chen Benasque-​​Tal ver­brachte ich eine spät­som­mer­li­che Woche mit Wan­de­run­gen. Der Höhe­punkt war die Bezwin­gung des zweit­höchs­ten Pyrenäen-​​Gipfels, des Pic Posets (3375 m). Aber auch die ande­ren Wan­de­run­gen hat­ten es in sich, meine Berg­schuhe und –Stö­cke muss­ten ganz schön was mitmachen.

Valle de Benasque

Male­ri­sche Berg­seen und rare Wolken

2000 Schafe und ein Hund

Noch mehr schöne Landschaft

Sur­fer am Strand von Barcelona