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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Ausstellung

Im Foto­mu­seum Win­ter­thur schaute ich mir mit eini­gen PhD-​​Kollegen vom IfA eine Aus­stel­lung von Robert Frank ([en] Wiki­pe­dia) an. Es war der krö­nende Abschluss der PhD semi­nar genann­ten Ver­an­stal­tung, bei der alle Dok­to­ran­den den Stand ihrer For­schun­gen darlegen.

Ich fand die Bil­der der zei­ti­gen Jahre sei­nes Schaf­fens sehr schön, aus­sa­ge­kräf­tige Schwarz-​​Weiß-​​Bilder mit sozi­al­ana­ly­ti­schem Hin­ter­grund. Der Höhe­punkt sei­nes Schaf­fens in die­ser Periode ist der Foto­band The Ame­ri­cans. Dafür reiste er in den 50ern zwei Jahre in ganz Ame­rika herum und wählte aus Tau­sen­den von Fotos die 83 aus, wel­che dann in die­sem Bild­band erschei­nen soll­ten. Er zeich­nete damit ein Por­trät Ame­ri­kas die­ser Zeit, mit den vie­len schwe­len­den Kon­flik­ten. Danach wurde er mehr und mehr expe­ri­men­tell und ver­schwom­men, auch im Fil­me­ma­chen ver­suchte er sich. Mich spra­chen die spä­ten Werke eher weni­ger an. Es kam mir so vor, als hätte er genug „klas­si­sche” Bil­der gemacht und wollte etwas Neues probieren.

Henri Cartier-​​Bresson

Jul 24
Allgemein

Henri Cartier-​​Bresson — ich liebe die­sen Namen. Und neben­bei war er auch noch Foto­graf, in der gan­zen Welt unter­wegs, um den ent­schei­den­den Augen­blick ein­zu­fan­gen. La moment decisive. Es reg­nete spä­ter, also hatte wohl auch ich den pas­sen­den Moment gewählt, um dem trü­ben Sonn­tag doch noch etwas abzu­ge­win­nen. Sport und Kul­tur, denn ich fuhr mit dem Fahr­rad, und rückzu heißt es immer, sich die­sen stei­len Berg hoch­schin­den, mein ganz per­sön­li­ches Tour-​​de-​​France-​​Erlebnis heute.

Henri Cartier-​​Bresson war auch Fran­zose, und Foto­graf, aber das sagte ich schon. Im Kunst­haus Zürich schaute ich mir eine Aus­stel­lung an, über Bres­son und den Bild­hauer Alberto Gia­co­metti. Sie kann­ten sich, waren zweit­weise Weg­ge­fähr­ten. Bres­son machte irgend­wann ein Por­trät des Bild­hau­ers, wun­der­volle Schwarz-​​Weiß-​​Aufnahmen, sie hin­gen gleich links nach dem Ein­gang. Ein Gesicht, so mar­kant. Dunkle Augen, vol­ler Kraft bli­cken sie einen an. Ein Archetyp.

Die Berüh­rungs­punkte zwi­schen den bei­den waren wenige, das ange­spro­chene Por­trait, Skiz­zen in Paris, einige Doku­mente. Des­halb erhielt jeder der bei­den noch einen eige­nen Bereich, in dem er mit sei­nem Haupt­werk ver­tre­ten war. Bres­son mit eini­gen sei­ner bekann­tes­ten Foto­gra­fien, Gia­co­metto mit die­sen sur­rea­lis­ti­schen Sta­tuen, Men­schen redu­ziert auf einen Strich mit rie­si­gen Füßen und mar­kan­tem Kopf. Ist schlecht zu beschrei­ben, war mir auch etwas zu abs­trakt. Bres­son — immer wie­der staune ich über die Kom­po­si­tion, alles Schwarz-​​Weiß, Licht und Schat­ten, For­men, Men­schen, Gesich­ter — es passt ein­fach immer.

Vori­ges Jahr im August fuhr ich nach Ber­lin, um eine Aus­stel­lung anzu­se­hen, die aus­schließ­lich Bres­son gewid­met war. Kurz zuvor war er gestor­ben, was die mediale Auf­merk­sam­keit für einen kur­zen Moment auf die­sen Foto­gra­fen lenkte. Mat­thias war gerade in Ber­lin, danach leg­ten wir uns den Tier­gar­ten und penn­ten. Es war ein­fach ein zu drü­cken­der Tag, die kurze Anstren­gung der Aus­stel­lung mit ziem­lich vie­len Besu­chern gab uns den Rest. Wir lagen da und schlie­fen, die Bil­der gin­gen mir durch den Kopf, alles Schwarz-​​Weiß, Komposition.

Letz­ten Sonn­tag fand in Wro­claw die Aus­stel­lungs­er­öff­nung des Jugend­aus­tausch­pro­jek­tes statt. Nach ins­ge­samt vier Tref­fen im Zeit­raum eines reich­li­chen Jah­res waren dies also die — zuge­ge­be­ner­ma­ßen — etwas mage­ren Ergeb­nisse. Die Aus­stel­lung besteht aus Personen-​​Rahmen von unge­fähr 20 Teil­neh­mern, zusätz­lich gibt es noch einige Stadt-​​Rahmen und ein paar erklä­rende Texte. Last sun­day the exhi­bi­tion opening of the youth exch­ange pro­ject took place in Wro­claw. After four mee­tings wit­hin a years time this was the — admit­tedly — some­what skinny result. The exhi­bi­tion was com­po­sed of per­so­nal frames of about 20 par­ti­ci­pants, addi­tio­nally there were some city frames and some expla­natory texts.
On the one hand side I am happy that these results tur­ned out, after all those dis­cus­sions. But in my opi­nion the pro­ject would have had much more poten­tial. Espe­cially the idea to look at people wit­hin their environ­ment from an out­ward per­spec­tive see­med gor­guous to me. But it wasn’t pro­mo­ted fur­ther, lea­ding to ever­y­body making his or her own frame. Einer­seits freue ich mich, dass nach all den Dis­kus­sio­nen nun doch einige Ergeb­nisse her­aus­ge­kom­men sind, jedoch hätte die­ses Pro­jekt deut­lich mehr Poten­zial gehabt. Gerade die Idee, Leute auch von außen zu betrach­ten, also in ihrer Umge­bung wahr­zu­neh­men, fand ich ziem­lich toll. Doch so rich­tig wurde nichts draus, so dass letzt­lich jeder auf eigene Faust einen Rah­men zusam­men stellte.
Aber ich möchte nicht aus­schließ­lich die nega­ti­ven Aspekte her­vor­he­ben. Die Tref­fen mit den Leu­ten haben auch gro­ßen Spaß gemacht, beson­ders am Anfang. Mit den Tref­fen in Wro­claw habe ich erst­mals so rich­tig pol­ni­schen Boden betre­ten und konnte auch einige nette Polen und Polin­nen ken­nen ler­nen. Somit ver­binde ich jetzt unser Nach­bar­land im Osten vor allem mit Gesich­tern und Stim­men der Jugendaustausch-​​Teilnehmer. But I don’t want to accen­tuate only the nega­tive aspects. The mee­tings with all those guys and girls were a lot of fun, espe­cially in the begin­ning. The mee­tings in Wro­claw were the first time I set my feet on Polish ground for a lon­ger time and I got to know some nice people from there. So whe­ne­ver I’ll be thin­king of Poland, I will asso­ciate the faces and voices of the youth exch­ange participants.