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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Auswahl

Eine neue Thea­ter­sai­son beginnt, heute hat­ten wir unser ers­tes Tref­fen für eine poten­zi­elle Pro­duk­tion 2012. Es ging vor allem ums Wie­der­se­hen und erste Wei­chen­stel­lun­gen. Aber grund­sätz­lich sieht es gut aus. Die meis­ten Leute sind wie­der mit dabei, so schlimm kann es also bei der letz­ten Pro­duk­tion nicht zuge­gan­gen sein. Und es gibt sogar zwei Regie-​​Kandidaten und viele poten­zi­elle Mitorganisatoren.

Somit brau­chen wir nur noch ein Stück. Und das ist natur­ge­mäß nicht ein­fach zu fin­den. Die Haupt­frage dabei ist die nach dem Vor­ge­hen bei der Stück­wahl. Ent­we­der ist es ein demo­kra­ti­scher Pro­zess, die Gruppe liest eine Aus­wahl von Stü­cken und stimmt am Ende ab, wel­ches sie spie­len möchte. Der Regis­seur muss dann halt damit leben und sich für die­ses Stück erwär­men. Oder der Regis­seur wählt ein geeig­ne­tes Stück aus, wel­ches er der Gruppe schmack­haft machen muss.

Bei­des hat so seine Tücken. Im ers­ten Fall gewin­nen häu­fig Stü­cke mit vie­len gleich­gro­ßen Rol­len, gerade die Neu­linge wol­len natür­lich sicher gehen, dass sie auch eine Rolle abbe­kom­men. Und der Regis­seur muss dann die­ses Stück insze­nie­ren, auch wenn es ihm nur sehr wenig sagt oder er gar nicht die idea­len Schau­spie­ler für die tra­gen­den Rol­len sieht. Im zwei­ten Fall fällt quasi ein Stück vom Him­mel, ohne dass die Gruppe die geringste Mit­spra­che­mög­lich­keit hatte.

Also haben wir ein neues Ver­fah­ren ent­wi­ckelt, das die Vor­teile bei­der Her­an­ge­hens­wei­sen ver­eint. Wir wer­den es noch paten­tie­ren las­sen, als dramteure-​​Stückauswahl-​​Prozess. Die poten­zi­el­len Regis­seure schla­gen Stü­cke vor, die sie sich gut vor­stel­len könn­ten zu insze­nie­ren. Dar­aus kann die Gruppe dann aus­wäh­len. So wird die Aus­wahl des Regis­seurs gleich mit erledigt.

Es bleibt also span­nend, in den nächs­ten Wochen wird aber vor allem in unse­rem inter­nen Wiki der Dis­kus­si­ons­pro­zess lau­fen. Ich zähle nicht zum Kreis der poten­zi­el­len Regis­seure, werde aber als Regie­as­sis­tent erste Erfah­run­gen sammeln.

Für die im Juli star­tende Pro­duk­tion des Gess­ne­ral­lee Back­stage­pro­gramms sol­len alle Inter­es­sier­ten ein Moti­va­ti­ons­schrei­ben ein­rei­chen. Nur dann winkt ein Platz in der Kern­gruppe, dem Ensem­ble.

Die Teil­nah­me­kon­di­tio­nen sind recht hart for­mu­liert, neben dem Spie­len ist das Über­neh­men eines Res­sorts Pflicht, so dass die anfal­len­den Auf­ga­ben bei Finan­zen, Büh­nen­bau, Tech­nik, Orga­ni­sa­tion und Öffent­lich­keits­ar­beit auf viele Schul­tern ver­teilt wer­den. Im Grunde haben wir das beim aki­tiv auch immer so gehand­habt, jedoch die Leute zu Beginn keine der­ar­tige Ver­ein­ba­rung unter­schrei­ben las­sen. Es geht nicht anders, wenn man keine pro­fes­sio­nelle Infra­struk­tur im Rücken hat, und außer­dem sol­len alle Leute abge­schreckt wer­den, die nur mal eben die gro­ßen Stars sein wol­len. Dann lie­ber eine kleine Pro­duk­tion mit weni­gen Leu­ten, die auch mit anpacken.

Aber zurück zu mei­nem Moti­va­ti­ons­schrei­ben, zu den Din­gen, die mich am Thea­ter rei­zen. Eigent­lich ist es ganz ein­fach — man stellt sich vor andere Leute und tut etwas. Aber die­ser Druck der vie­len beob­ach­ten­den Augen schafft eine para­doxe Situa­tion. Man ver­lernt unter die­sen Umstän­den sein nor­ma­les Ver­hal­ten und wird ange­spannt und künst­lich. Genau so, als wenn man sich auf sei­nen eige­nen Atem kon­zen­triert und den­noch ganz natür­lich ein– und aus­at­men möchte. Es funk­tio­niert nicht mehr, man muss alles neu lernen.

Als Freund der Lite­ra­tur bin ich anspruchs­vol­len Stof­fen und Tex­ten ohne­hin zuge­neigt und habe schon viele Dra­men als Buch ver­schlun­gen. Die Namen der Auto­ren und ihre Werke sind jener uner­schöpf­li­che Kos­mos, in dem ich mich gern auf­halte, um Neues zu ent­de­cken und Ver­bin­dun­gen zu Beste­hen­dem her­zu­stel­len. Es rei­zen mich die gro­ßen Namen wie Wil­liam Shake­speare, Fried­rich Schil­ler, Fried­rich Dür­ren­matt oder Ten­nes­see Wil­liams. Es rei­zen mich die gro­ßen The­men wie Ent­frem­dung, Eifer­sucht, Zunei­gung und Macht. Es reizt mich die Aus­ein­an­der­set­zung mit ver­gan­ge­nen Zei­ten und mensch­li­chen Schick­sa­len. Es ist letzt­lich diese Freude an Lite­ra­tur und die vie­len Ver­bin­dun­gen zur Bühne, die mich in die Fänge des Thea­ters trieb.

Am Beginn mei­nes Stu­di­ums (2000) begann ich mit Lesun­gen von Büchern im Freun­des­kreis. Mir war der Der Kon­tra­bass von Patrick Süs­kind in die Fin­ger gera­ten, ein Buch, wel­ches nach sei­ner direk­ten Büh­nen­um­set­zung gera­dezu schreit. Ich beschäf­tigte mich im Vor­feld auch ein biss­chen mit Stimm­übun­gen, um mich opti­mal auf diese erste Lesung vor­zu­be­rei­ten. Die große Her­aus­for­de­rung beim Lesen eines Buches ist das direkte Anspre­chen der Zuhö­rer durch mög­lichst inten­si­ven Blick­kon­takt, man muss den Text sehr schnell auf­neh­men, zwi­schen­spei­chern, um sich dann wie­der ganz dem Publi­kum wid­men zu kön­nen. Ich las sehr betont, um den Text mög­lichst span­nend wie­der­zu­ge­ben, ihn mit Leben zu fül­len, ihn zu inter­pre­tie­ren. Zusätz­lich ver­suchte ich auch stets, spie­le­ri­sche Ele­mente ein­zu­bauen, um ein wenig Abwechs­lung hin­ein­zu­brin­gen. Wei­tere Lesun­gen folg­ten, Das Gespenst von Can­ter­ville (Oscar Wilde), Der Sand­mann (Ernst Theo­dor Ama­deus Hof­mann), Mein Name sei Gan­ten­bein (Max Frisch), Die Schach­no­velle (Ste­fan Zweig), Publi­kums­be­schimp­fung (Peter Handke), Seide (Ales­san­dro Baricco) und Nove­cento (Ales­san­dro Baricco), man­che Lesun­gen hielt ich auch mehrmals.

Ange­kom­men in Zürich fand sich für meine Lesun­gen keine wirk­lich große Leser­schaft, ich schloss mich 2006 der Lai­en­gruppe aki­tiv an, die für ihre dama­lige Pro­duk­tion noch einen Schau­spie­ler suchte. So konnte ich mei­ner alten Lei­den­schaft auf neue Weise frö­nen. Im Laufe von vier Pro­duk­tio­nen lernte ich die Freu­den und Tücken des Thea­ters ken­nen. Wir spiel­ten Man kann nie wis­sen (George Ber­nard Shaw), Die Läs­ter­schule (George Brims­ley She­ridan), Da waren’s nur noch neun (Aga­tha Chris­tie) und Arka­dien (Tom Stop­pard). Meine vor­he­rige Beschäf­ti­gung mit Lesun­gen stellte sich dabei als hin­der­lich her­aus, denn über­trie­be­nes Beto­nen und Spie­len ist für die Bühne eher ungüns­tig. Dies wurde mir beson­ders bei unse­rer dies­jäh­ri­gen Pro­duk­tion bewusst, nach­dem ich im Vor­feld Bücher von Sta­nis­law­ski und Stella Adler gele­sen hatte. Diese bei­den Werke haben mir vor Augen geführt, wor­auf es wirk­lich ankommt beim Thea­ter, auf natür­li­ches Spiel und die authen­ti­sche Ver­kör­pe­rung der Rolle. Es sind die stil­len Momente, die mich im Thea­ter am meis­ten bewe­gen und die ich als Schau­spie­ler auch gern meis­tern möchte. Die lau­ten, pol­t­ri­gen Momente sind genauso not­wen­dig, denn erst der gekonnte Wech­sel zwi­schen bei­den Extre­men ver­mag jene Span­nung auf der Bühne zu schaf­fen, die eine gelun­gene Insze­nie­rung auszeichnet.

Ich mag Thea­ter. Es ist eine enorm viel­sei­tige Pas­sion, neben Lite­ra­tur kommt die Psy­cho­lo­gie beim Rol­len­ver­ständ­nis zum Ein­satz, die Geschichte klopft an, wenn der gewählte Stoff in ver­gan­ge­nen Zei­ten spielt, das Vor­stel­lungs­ver­mö­gen und die Phan­ta­sie sind stän­dig gefragt, doch zugleich ist Thea­ter­spie­len aber auch Hand­werk — kör­per­lich, denn am Ende steht man da auf der Bühne in sei­nem Kör­per und wird ange­schaut. Man muss ganz ent­spannt sein, ganz natürlich.

Für nächs­tes Jahr Juni ist wie­der ein Thea­ter­stück der Thea­ter­gruppe aki­tiv geplant. Wel­ches genau wird sich am nächs­ten Mitt­woch ent­schei­den. Momen­tan haben wir vier Kandidaten.

Moliere: Der Men­schen­feind (Über­set­zung von H.-M. Enzensberger)

Das Stück spielt ursprüng­lich am Pari­ser Hof, wo Höf­linge und Minis­ter um Ein­fluss und Macht buh­len. Die Eti­kette bestimmt das täg­li­che Leben, sie dik­tiert unbe­dingte Höf­lich­keit allen gegen­über, man will es sich ja mit nie­man­dem ver­scher­zen. Davon ange­wi­dert ist Alceste, der für Auf­rich­tig­keit und Ehr­lich­keit ein­steht. So kri­ti­siert er ein Gedicht des ein­fluss­rei­chen Oronte, der ihm dar­auf­hin das Leben schwer macht. Alceste ist jedoch eigent­lich in Celi­mene ver­liebt, die unan­ge­foch­tene Köni­gin der Gesell­schaft. Sie flir­tet mit allen und zieht auch sehr gekonnt über Leute her. Aus die­ser Kosn­tel­la­tion ent­wi­ckelt sich dann ein Kon­flikt, sie mag sich nicht fest­le­gen, er will sie über­zeu­gen, die­sem fal­schen Leben den Rücken zu keh­ren und mit ihm zu kommen.

Toll an die­sem Stück ist vor allem die Spra­che. Enzens­ber­ger ver­legte das Stück nach Bonn und in die Gegen­wart. Er behielt die gereimte Form bei, so hat seine Fas­sung exakt so viele Zei­len wie das Ori­gi­nal. Aber seine Über­set­zung ist sehr frei, eine inhalt­lich ange­lehnte Neu­fas­sung. Pro­ble­ma­tisch für unsere nun recht große Gruppe ist die begrenzte Anzahl an Rol­len. Es gibt haupt­säch­lich fünf Män­ner– und drei Frauenrollen.

Max Frisch: Don Juan oder die Liebe zur Geometrie

Frisch bear­bei­tete den klas­si­schen Don Juan–Stoff, in sei­ner Fas­sung erle­ben wir den jun­gen Don Juan, der am Tag sei­ner Hoch­zeit bei­nahe wider­wil­lig zu dem bekann­ten Mythos wird. Spä­ter insze­niert er als älte­rer Mann seine eigene Höl­len­fahrt, die letzte Szene sieht ihn als Ehe­mann und ein­ge­sperrt, da die Welt ihn für tot hält.

Schön ist, dass es recht viele Rol­len gibt, pro­ble­ma­tisch deren Ver­tei­lung. Die Titel­rolle ist schon recht groß und am Ende des ers­ten Abschnitts (Jugend Don Juans) ist eine Groß­zahl der Akteure tot.

Richard She­ridan: Die Lästerschule

Diese alte eng­li­sche Komö­die dreht sich um ein unglei­ches Brü­der­paar, die von ihrem aus Indien heim­keh­ren­den Onkel im Rah­men eini­ger Ver­wechs­lun­gen auf die Probe gestellt und belohnt/​entlarvt wer­den. Neben­schau­platz ist eine Salon­ge­sell­schaft, die sich im Läs­tern übt und in der einige Prot­ago­nis­ten verkehren.

Jean-​​Paul Sartre: Die Fliegen

Das Schwer­ge­wicht unter den zur Aus­wahl ste­hen­den Stü­cken greift den anti­ken Orest–Stoff auf. Fünf­zehn Jahre nach der Ermor­dung sei­nes Vaters Aga­mem­non durch des­sen Frau Klytäm­ne­s­tra und deren Lieb­ha­ber Ägist kehrt Orest in seine Hei­mat­stadt zurück. Er trifft seine Schwes­ter Elek­tra, die im Palast nied­rige Dienste ver­rich­ten muss und seine Mut­ter Klytäm­ne­s­tra. Die Stadt durch­lebt gerade den Jah­res­tag der Ermor­dung Aga­mem­nons, der neue König Ägist zele­briert die Reue anhand eines reli­giö­sen Ritu­als. Die Toten keh­ren für einen Tag aus dem Hades zurück und leben an der Seite der Bür­ger. Erst will Orest sich nicht ein­mi­schen, bald wächst in ihm jedoch der Wunsch nach Ver­gel­tung der Untat. Schließ­lich bringt er seine Mut­ter und Ägist um und flieht mit sei­ner Schwes­ter in einen Tem­pel. In der Nacht wer­den die bei­den von Eryn­nien geplagt, Elek­tra zer­bricht. Orest fühlt sich als freier Mann, tritt schließ­lich vor die Bür­ger und ver­lässt die Stadt, wobei er die Flie­gen mitnimmt.

Das Stück ist sowohl poli­tisch moti­viert (Auf­ruf zum gewalt­tä­ti­gen Wider­stand gegen das Vichy-​​Regime wäh­ren des Zwei­ten Welt­krie­ges) als auch durch Sar­tres Exis­ten­zia­lis­mus. Frei­heit und der Umgang mit eige­nen Fehl­ta­ten ste­hen im Mit­tel­punkt des Stückes.

Eure Mei­nung ist gefragt! Von der Kletter-​​Foto-​​Session habe ich die schöns­ten Hände aus­ge­wählt, aber es sind immer noch zu viele. An Euch ist es nun, mir zu helfen.

Hand A

Kletterhand

Hand A besticht durch die gene­relle Bild­kom­po­si­tion, der schöne blaue Him­mel nimmt einen beträcht­li­chen Teil des Bil­des ein. Damit ist auch das Ziel des Klet­terns klar, es geht nach oben. Die Hand sieht auch etwas ange­strengt aus, sie ist leicht ein­ge­knickt und einige Kno­chen tre­ten her­vor, was zeigt, dass hier wirk­lich geklet­tert wird.

Hand B

Kletterhand

Inter­es­sant hier die unscharfe andere Hand, wel­che den Gesamt­klet­ter­vor­gang ver­deut­licht. Mar­kant die dia­go­nale Bild­füh­rung ent­lang einer Spalte zum Him­mel. Die Hand sieht aber ziem­lich ent­spannt aus, so dass man ihr das Klet­tern nicht so recht abneh­men will.

Hand C

Kletterhand

Hand C ist die Nah-​​Hand schlecht­hin. Ein­fach nur Hand an Fels, nichts sonst.

Hand D

Kletterhand

Etwas wei­ter weg, ansons­ten wie zuvor. Mehr ist nun also zu sehen, der Arm bringt noch eine Gerich­tet­heit mit ins Bild. Schön wie­der der blaue Himmel.

Hand E

Kletterhand

Hier wurde getrickst, das Bild gedreht. Damit sieht die Situa­tion wie ein kras­ser Über­hang aus, was Dra­ma­tik pur verkörpert.

Hand F

Kletterhand

Der klas­si­sche Sei­ten­griff, man beachte die her­vor­te­ten­den Armknochen.

Hand G

Kletterhand

Die Hand G besticht wie­der durch schöne Gesamt­kom­po­si­tion, sicht­bare Anspan­nung und schöne Unter­tei­lung in (unschar­fen) Vor­der­grund, (schar­fen) Mit­tel­grund und (wie­der unschar­fen) Hintergrund.

Hand H

Kletterhand

Ein span­nen­der klei­ner Knup­pel­griff erzeugt diese ganz beson­dere Hand­hal­tung. Die dia­go­nale Rich­tung der Fels­wand ist auch hervorzuheben.

Hand I

Kletterhand

Die letzte Hand die­ser Reihe ruht auf einem beson­ders gut sicht­bar struk­tu­rier­ten Fels. Man könnte sagen, dass dies von der Hand ablenkt, aber urteilt selbst!