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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: aveth

Um mich herum ste­hen orange geklei­dete Leute mit oran­gen Hel­men und Schutz­bril­len. Ansons­ten ist da nur dunk­les Alp­ge­stein, abge­se­hen von eini­gen ver­gleichs­weise klei­nen Röh­ren, eine nach oben, die andere hori­zon­tal. Es herrscht ein ohren­be­täu­ben­der Lärm hier unten, aber dafür ist es ganz­jäh­rig warm. Den­noch, es ist kein schö­ner Ort, zum Glück fah­ren die Züge dann spä­ter mit mehr als 200 km/​h vor­bei ohne anzu­hal­ten. Zürich-​​Mailand in 2 h 40 min, dafür lohnt es schon, 18 Jahre zu boh­ren und zu spren­gen, etli­che Mil­li­ar­den Fran­ken aus­zu­ge­ben und dann – wenn nicht die Japa­ner schnel­ler sind – den mit 57 km längs­ten Eisen­bahn­tun­nel der Welt zu haben. Es ist ein ambi­tio­nier­tes Pro­jekt, an dem wohl Alfred Escher seine wahre Freude gehabt hätte.

Unser eben­falls ganz in Orange geklei­de­ter und behelm­ter Füh­rer hat sei­nen Vor­satz, hoch­deutsch zu spre­chen, inzwi­schen ver­ges­sen und erklärt im brei­ten Bünd­ner Dia­lekt, wie hier das Gestein abtrans­por­tiert wird, alles muss mit dem Auf­zug nach oben. Um Bau­zeit zu spa­ren, hat man in der Mitte der Stre­cke bei Sedrun einen senk­rech­ten Tun­nel ins Innere der Alpen gebohrt, von des­sen tiefs­tem Punkt sprengt man sich seit­her unauf­halt­sam in beide Rich­tun­gen. Auf jeden Fall ist er begeis­tert, das Pro­jekt sei gut für die Region. Auch für die Porta Alpina ver­sucht er uns zu erwär­men, jenen unter­ir­di­schen Bahn­hof 800 Meter unter­halb von Sedrun.

In den Bara­cken legen wir unsere orange Besu­cher­kluft wie­der ab und ver­wan­deln uns in ETH-​​Mittelbauer zurück. So schnell nach Mai­land fah­ren wäre schön, aber bis 2017 müs­sen wir uns noch gedulden.

Die erste kom­plette Arbeits­wo­che im neuen Jahr ist vor­über. Mit Schwung habe ich auch viele neue Dinge begon­nen und einige alte abge­schlos­sen. Wir hat­ten die erste aki­tiv–Thea­ter­probe des neuen Jah­res und an die­sem Tag auch den Rück­zug eines Schau­spie­lers zu bekla­gen. Ich brau­che ein Rol­len­pro­fil, einen Lebens­lauf, eine genaue Vor­stel­lung, wie die­ser Staats­an­walt tickt. Die neue AVETH–News ver­langte eini­ges an Zeit zum Arti­kel­schrei­ben und Kor­rek­tur­le­sen. Da kommt in den nächs­ten zwei Wochen noch eini­ges auf uns Redak­teure zu. Der erste Tan­go­kurs des Fort­set­zungs­kur­ses fand eben­falls statt, es macht noch immer Spaß, und einige der Figu­ren klapp­ten sogar noch. Nur das Ein­dre­hen beim Seit­schritt hatte ich ver­drängt. Heute Abend stellte ich dann beim Vol­ley­ball­trai­nign fest, dass ich kon­di­tio­nell nicht so gut drauf bin und ging lie­ber etwas frü­her. Da muss ich wohl mei­nen Kreis­lauf etwas mehr for­dern die­ses Jahr, sonst roste ich noch ein.

AVETH

Aug 31

Hin­ter die­sem Buch­sta­ben­sa­lat ver­birgt sich die Aka­de­mi­sche Ver­ei­ni­gung des Mit­tel­baus an der ETH Zürich. Die meis­ten akti­ven Mit­glie­der (das nennt sich dann Vor­stand) sind Dok­to­ran­den, Assis­ten­ten sucht man ver­geb­lich. Im Grunde kommt mir das Ganze wie ein Fach­schafts­rat für Dok­to­ran­den vor. Und als enga­gier­ter FSR-​​Mensch (man könnte auch von einer FSR-​​Schädigung spre­chen) suchte und fand ich natür­lich nach Mög­lich­kei­ten, den Dunst­kreis mei­nes Labors zu ver­las­sen und auch völ­lig andere (naja, fast völ­lig andere) Men­schen ken­nen zu lernen.

Die erste Vor­stands­sit­zung, bei der ich dabei war, liegt nun auch schon ein bis zwei Wochen zurück. Wir waren sie­ben Leute, also ein klei­ner Hau­fen unent­weg­ter Mittelbau-​​Vertreter. Der Prä­si­dent (Paolo) und noch jemand anders waren die ein­zi­gen Schwei­zer, alle ande­ren stam­men aus Deutsch­land, die meis­ten waren bei FSRs aktiv. Also immer wie­der ein ähnli­ches Mus­ter, das mit unbarm­her­zi­ger Härte zuschlägt. Ein­mal FSR, immer FSR.

Das Büro liegt im zen­tra­len ETH-​​Campus. Ähnlich wie beim ers­ten bonding-​​Büro ganz oben, unter dem Dach. Neben­bei bemerkt hat man eine vor­züg­li­che Aus­sicht über die Zür­cher Innen­stadt. Aber da sind wir wohl nur zu den Bespre­chun­gen, ansons­ten tref­fen sich die Arbeits­grup­pen spon­tan irgendwo. Ist schon was ande­res als FSR, das Ganze ist abs­trak­ter, da sich die Gemein­sam­kei­ten im Grunde auf das Ange­stell­ten­da­sein an der ETH und dem Woh­nen in oder bei Zürich beschränken.