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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Berg

Alp­nach­stad (464 m) – Pila­tus Kulm (2132 m)

Landschaft

Blick vom Pila­tus auf den Vierwaldstättersee

Ein hei­ßer Som­mer­tag im Juli, was liegt näher als den Pila­tus zu bezwin­gen und anschlie­ßend im Vier­wald­stät­ter­see schwim­men zu gehen? Gesagt, getan. Wir ent­schie­den uns für die „Rück­seite” des Pila­tus, wel­che ange­neh­mer zu wan­dern und weni­ger began­gen ist. Von Alp­nach­stad aus wan­der­ten wir ent­lang der Stre­cke der welt­weit steils­ten Zahn­rad­bahn hoch auf den Pila­tus. Am Anfang spen­de­ten uns Wäl­der aus­rei­chend Schat­ten, unge­fähr ab der Mit­tel­sta­tion hörte das auf und wir waren der sen­gen­den Sonne direkt ausgeliefert.

Silhouetten

Eine Bank lädt zum Ras­ten ein

Wei­ter oben erin­nerte ich mich auch an eine Nacht­wan­de­rung, bei der wir zwar von woan­ders gestar­tet waren aber dann letzt­end­lich auf dem glei­chen Weg zum Gip­fel taps­ten. Der Anblick des Gip­fels mit Hotels, Gas­tro­no­mie und Groß­bau­stelle für noch mehr Beton, Stahl und Glas wirkte dann wie so oft ver­stö­rend. Über­ge­wich­tige Ame­ri­ka­ner las­sen sich in die roten Lie­ge­stühle plump­sen, Inder knip­sen wild in alle Rich­tun­gen, am Selbst­be­die­nungs­re­stau­rant stehe ich eine gefühlte Stunde in der Schlange – es muss noch andere Gip­fel geben mit weni­ger Kom­fort und mehr gleich­ge­sinn­ten Wan­de­ren­thu­si­as­ten. Dafür konn­ten wir uns den beschwer­li­chen Abstieg erspa­ren und fuh­ren mit der Zahn­rad­bahn zurück nach Alpnachstad.

Nahaufnahme

Far­ben­pracht auf der Bergwiese

Alles hatte ich pro­biert: Snow­board, Abfahrt­ski, Schnee­schuh­lau­fen, Lang­lauf, mal mehr, öfter weni­ger erfolg­reich. Aber eine Win­ter­sport­art fehlte mir noch in mei­ner Erfah­rungs­samm­lung – Ski­tou­ren. In den Pro­spek­ten stel­len sich Ski­tou­ren immer als ein­same Auf­stiege und rasante Abfahr­ten durch unbe­rühr­ten Pul­ver­schnee dar, bei­des natür­lich unter strahlend-​​blauem Himmel.

Skitour
Im Gän­se­marsch zum Gip­fel.

In der brei­ten Palette der Win­ter­sport­ar­ten kann man Ski­tou­ren irgendwo zwi­schen Abfahrt und Schnee­schuh­lau­fen ein­ord­nen. Die ver­wen­de­ten Skier sehen unge­fähr so aus wie Abfahrs­skier, jedoch sind sie meist leich­ter. Die Bin­dun­gen erlau­ben die beid­sei­tige Fixie­rung des Ski­schuhs zur Abfahrt oder die ein­sei­tige Fixie­rung vorn zum Auf­stieg. Zusätz­lich klebt man beim Auf­stieg noch Steig­hil­fen (Felle) dran. Dafür gibt es an den Fel­len eine Leim­schicht und Ein­häng­bü­gel. Mit die­sen Vor­rich­tun­gen kann man pro­blem­los Hänge hoch­lau­fen, die Rutsch­fä­hig­keit hält sich aber stark in Grenzen.

Winterlandschaft
Blick zurück ins Safi­en­tal.

Am letz­ten Wochen­ende war ich zum ers­ten Mal auf einer Ski­tour dabei, orga­ni­siert von Höhen­fie­ber. Im Safi­en­tal waren wir unter­wegs, der Höhe­punkt war die Bezwin­gung des Strät­scher­horns (2575 m) am Sams­tag. Die Bedin­gun­gen waren alles andere als opti­mal. Die Lawi­nen­warn­stufe war erheb­lich, eine Woche zuvor waren sogar im glei­chen Tal zwei Tou­ren­gän­ger bei einem Lawi­nen­un­fall ums Leben gekom­men. Der Fön wehte sehr stark und es war an den Vor­ta­gen recht warm gewe­sen, wodurch sich an eini­gen Stel­len eine harte Schnee­schicht bil­dete. Dar­auf ließ sich schlecht abfah­ren, im Falle eines Fal­les sank man tief ein und musste sich müh­sam befreien. Mir ging das recht häu­fig so, ich war auch eine Weile nicht mehr Abfahrts­ski gefah­ren. Manch­mal ver­schwand eine Ski­spitze auch unter der har­ten Harsch­schicht, dann musste ich den Ski mühe­voll hang­auf­wärts raus­zie­hen. Aber am Ende war es ein span­nen­des Erleb­nis und alle kamen heil unten an.

Morgenstimmung
Auf­bruch im Mor­gen­grauen vom Tur­ra­hus.

Einen Ver­lust musste ich jedoch ver­kraf­ten – meine heiß­ge­liebte Ther­mos­fla­sche blieb am Berg, bei der Abfahrt vom Strät­scher­horn und einem mei­ner zahl­rei­chen Stürze muss ich sie ver­lo­ren haben. Ich hätte sie nicht außen am Ruck­sack anbrin­gen sol­len. Jetzt liegt sie irgendwo unter einer dich­ten Schnee­de­cke, es müsste sich sogar noch der Auf­kle­ber mit „mathias” dar­auf befin­den, ihn hatte ich am Vor­tag ange­bracht, zur Unter­schei­dung von Dut­zen­den ande­ren Ther­mos­kan­nen im bis auf den letz­ten Platz gefüll­ten Tur­ra­hus.

Die wesent­li­chen Weg­punkte unse­rer Wan­de­rung waren

  1. Schwan­den, Gla­rus, 520 m, 8:30
  2. Schwändi, 701 m
  3. Sien­en­to­bel
  4. Furggle, 2086 m
  5. Vor­de­rer Glär­nisch, 2327 m, 14:30
  6. Vor­de­res Schlattalpli
  7. Rho­dan­nen­berg am Klön­ta­ler See, 851 m, 17:00

Es war die bis­lang anstren­gendste Berg­wan­de­rung. Von Schwan­den aus bestie­gen wir den Vor­de­ren Glär­nisch und anschlie­ßend ging es run­ter zum Klön­ta­ler See, also 1800 Meter rauf und 1500 Meter run­ter. Der Auf­stieg war zudem kein gut mar­kier­ter Wan­der­weg, stel­len­weise gab es zwar Weg­zei­chen und einen aus­ge­tre­te­nen Pfad, aber an ande­ren Stel­len muss­ten wir uns selbst einen Weg durchs knie­tiefe Gras oder über rut­schige Geröll­hal­den bah­nen. Ein­mal haben wir uns sogar ver­lau­fen und muss­ten zurück. Höhe­punkt des Auf­stie­ges war sicher­lich die Chirchli-​​Felsgruppe.

Was macht man an einem grauen Sams­tag? Was tun mit einem Tag, an dem früh der Blick aus dem Fens­ter schon nach hun­dert Metern ste­cken bleibt im dich­ten Nebel? Kein Üetli­berg zu sehen gegen­über. Eine leise Hoff­nung und ein spon­ta­ner Ent­schluss am Vor­abend lässt mich um neun am Bahn­hof ste­hen. Mit einem Kol­le­gen fahre ich nach Hin­wil, um den dor­ti­gen Aus­flugs­hü­gel Bach­tel zu erklimmen.

Oben ange­kom­men, bot sich uns dann fol­gen­des Bild beim Aussichtsturm.

Wir haben es dann unter­las­sen, die vie­len Stu­fen zu erklim­men, um oben voll­ends von der wei­ßen Suppe umge­ben zu sein. Eigent­lich sieht man von hier aus den Züri-​​See, viele andere schöne Berge und sogar die fer­nen Alpen­rie­sen. Heute war damit nichts. Aber zumin­dest etwas Bewegung.

Das nach­mit­täg­li­che schöne Wet­ter nutzte ich für die erste Rennrad-​​Tour in die­sem Jahr. Die Sonne schien zeit­weise und weckte in mir den Drang nach fri­scher Luft. Genug vom Rum­sit­zen! Also schwang ich mich aufs grüne Radl und machte mich auf den Weg.

So ziem­lich alle Wege aus Dres­den hin­aus füh­ren bergan, so auch mei­ner. Also kann man sich schon am Anfang ver­aus­ga­ben und am Ende geht’s dann auf jeden Fall bergab. Die Tour war ziem­lich lang und trai­nings­tech­nisch sicher­lich sub­op­ti­mal. Man soll ja sei­nen Puls immer unten hal­ten und sich nicht zu sehr anstren­gen. Aber die letz­ten Kilo­me­ter waren defi­ni­tiv sehr anstren­gend. Es ging noch mal steil berg­auf, durch eine wun­der­schöne Land­schaft, ich keuchte ganz schön. Und der Berg wurde immer stei­ler! Aber ich dachte mir, jetzt noch­mal alles geben und dann rich­tig erschöpft sein. Bes­ser als nur halb erschöpft sein. Oder irgend­wie so.

War auf jeden Fall wun­der­bar, wie­der mal den Kör­per zu for­dern. Nur jetzt ist er ziem­lich erschöpft. Meine Sätze sind auch so kurz und meine Wort­wahl so ein­fach, weil ich ein­fach nicht mehr men­tale Kapa­zi­tät habe. Naja, mor­gen wieder…

PS: Die Links haben kei­nen wirk­li­chen Sinn. Aber Web­logs müs­sen Links haben, sonst ste­hen sie so alleine im Netz herum. Man kann die­sen Ein­trag also auch als Mani­fest gegen die Ver­lin­kungs­wut sehen.