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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Berlin

Meine zweite Kon­fe­renz die­ses Jahr führt mich wie­der nach Deutsch­land, die­ses Mal in die Haupt­stadt Ber­lin. Die Kon­fe­renz heisst Auto­ma­ti­sie­rungs­tech­ni­sche Ver­fah­ren in der Medi­zin, die meis­ten Teil­neh­mer stam­men aus Deutsch­land. Es ist eine kleine Kon­fe­renz, man kennt sich. Von unse­rer Gruppe sind sie­ben Leute da, aber nicht alle hal­ten einen Vor­trag. Meine Stunde schlägt mor­gen, ich stelle unser Labor und die bei­den Ruder­stu­dien kurz vor.

Es ist voll­bracht, der Vor­trag gehal­ten. Das Echo war über­wie­gend posi­tiv, es gab nur ein paar Fra­gen zu Details der Sze­na­rio­ge­stal­tung und Instruk­tion. Somit ist meine Pflicht getan und ich kann mich schon bald pri­va­ten Din­gen zuwenden.

Nach­trag: Ich belegte mit mei­nem Bei­trag den drit­ten Platz beim Wett­be­werb für Nach­wuchs­wis­sen­schaft­le­rIn­nen. Der Preis bestand aus einem Kom­pen­dium über das Feld der auto­ma­ti­sie­rungs­tech­ni­schen Metho­den in der Medi­zin und einer Fla­sche Cham­pa­gner (Moet & Chan­don), die Marke erin­nert mich an eine Zeile aus dem Lied Kil­ler Queen, dem ers­ten gros­sen Erfolg der Band Queen.

Berlin

Apr 4
Allgemein

Ein Wochen­ende in der haupt­städ­ti­schen Städ­te­wüste mit net­ten Leu­ten — so kann man mei­nen Berlin-​​Aufenthalt kurz umrei­ßen. Denn es ging mir in ers­ter Linie nicht um das Bestau­nen von Sehens­wür­dig­kei­ten, son­dern um das Wie­der­se­hen mit Freun­den und Ver­wand­ten. Den­noch durfte zumin­dest ein ambi­tio­nier­tes tou­ris­ti­sches Pro­jekt nicht feh­len, wir erklom­men die Sie­ges­säule. Oben konn­ten wir dann die gol­dene Nike bewun­dern, und einen Rund­um­blick auf ein wol­ken­ver­han­ge­nes und win­di­ges Ber­lin. Wit­zi­ger­weise ist rings um die Säule der Tier­park, die ers­ten Häu­ser fol­gen erst wei­ter weg.

Auf dem Weg zur Sie­ges­säule kamen wir noch an mei­nem zukünf­ti­gen Wohn­sitz vor­bei, dem Schloss Bel­le­vue. Es liegt recht idyl­lisch am Park und ist zumin­dest äusser­lich im tadel­lo­sen Zustand, ein gelang­weil­ter Sicher­heits­be­am­ter schreckt auch alle poten­zi­el­len Stö­ren­friede ab.

So ins­ge­samt war es ein ent­spann­tes Wochen­ende, wir schlie­fen recht lange und genos­sen das städ­ti­sche Trei­ben. Ein Höhe­punkt war noch der Kino­film Schmet­ter­ling und Tau­cher­glo­cke, es ging um einen Mann, der durch einen Schlag­an­fall nur noch sein lin­kes Augen­lid wil­lent­lich bewe­gen kann. Diese extreme Situa­tion war fil­misch sehr gelun­gen umge­setzt, auch der Umgang sei­ner Fami­lie und Freunde damit war durch­aus glaub­wür­dig. Er schaffte es noch, ein Buch über seine spe­zi­elle Erfah­rung zu dik­tie­ren, kurz nach dem Erschei­nen ver­starb er.

Henri Cartier-​​Bresson

Jul 24
Allgemein

Henri Cartier-​​Bresson — ich liebe die­sen Namen. Und neben­bei war er auch noch Foto­graf, in der gan­zen Welt unter­wegs, um den ent­schei­den­den Augen­blick ein­zu­fan­gen. La moment decisive. Es reg­nete spä­ter, also hatte wohl auch ich den pas­sen­den Moment gewählt, um dem trü­ben Sonn­tag doch noch etwas abzu­ge­win­nen. Sport und Kul­tur, denn ich fuhr mit dem Fahr­rad, und rückzu heißt es immer, sich die­sen stei­len Berg hoch­schin­den, mein ganz per­sön­li­ches Tour-​​de-​​France-​​Erlebnis heute.

Henri Cartier-​​Bresson war auch Fran­zose, und Foto­graf, aber das sagte ich schon. Im Kunst­haus Zürich schaute ich mir eine Aus­stel­lung an, über Bres­son und den Bild­hauer Alberto Gia­co­metti. Sie kann­ten sich, waren zweit­weise Weg­ge­fähr­ten. Bres­son machte irgend­wann ein Por­trät des Bild­hau­ers, wun­der­volle Schwarz-​​Weiß-​​Aufnahmen, sie hin­gen gleich links nach dem Ein­gang. Ein Gesicht, so mar­kant. Dunkle Augen, vol­ler Kraft bli­cken sie einen an. Ein Archetyp.

Die Berüh­rungs­punkte zwi­schen den bei­den waren wenige, das ange­spro­chene Por­trait, Skiz­zen in Paris, einige Doku­mente. Des­halb erhielt jeder der bei­den noch einen eige­nen Bereich, in dem er mit sei­nem Haupt­werk ver­tre­ten war. Bres­son mit eini­gen sei­ner bekann­tes­ten Foto­gra­fien, Gia­co­metto mit die­sen sur­rea­lis­ti­schen Sta­tuen, Men­schen redu­ziert auf einen Strich mit rie­si­gen Füßen und mar­kan­tem Kopf. Ist schlecht zu beschrei­ben, war mir auch etwas zu abs­trakt. Bres­son — immer wie­der staune ich über die Kom­po­si­tion, alles Schwarz-​​Weiß, Licht und Schat­ten, For­men, Men­schen, Gesich­ter — es passt ein­fach immer.

Vori­ges Jahr im August fuhr ich nach Ber­lin, um eine Aus­stel­lung anzu­se­hen, die aus­schließ­lich Bres­son gewid­met war. Kurz zuvor war er gestor­ben, was die mediale Auf­merk­sam­keit für einen kur­zen Moment auf die­sen Foto­gra­fen lenkte. Mat­thias war gerade in Ber­lin, danach leg­ten wir uns den Tier­gar­ten und penn­ten. Es war ein­fach ein zu drü­cken­der Tag, die kurze Anstren­gung der Aus­stel­lung mit ziem­lich vie­len Besu­chern gab uns den Rest. Wir lagen da und schlie­fen, die Bil­der gin­gen mir durch den Kopf, alles Schwarz-​​Weiß, Komposition.