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mathias wellner

klar träumen, klar denken

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Tag: Bewegung

Thea­ter spie­len heißt etwas tun und dabei den gesam­ten Kör­per ein­zu­set­zen. Eine Thea­ter­probe muss unbe­dingt kör­per­li­che Akti­vi­tä­ten ent­hal­ten, sonst wird Thea­ter zu einer rein geis­ti­gen Übung ohne phy­si­sche Wahr­heit. Ich möchte einige Übun­gen vor­stel­len, um Bewe­gung in die Thea­ter­probe einzubauen.

Iso­la­ti­ons­übung (zu Musik)

Man nutzt den gan­zen Kör­per, kon­zen­triert sich nach­ein­an­der auf Fuß­ge­lenke, Knie, Hüfte, Ober­kör­per, Schul­tern, Kopf, Ell­bo­gen, Hand­ge­lenke und schließ­lich die Fin­ger­spit­zen. Danach kann man noch frei kom­bi­nie­ren, rich­tig Gas geben und schließ­lich wie­der run­ter kommen.

Lauf­übun­gen

Lau­fen ist etwas extrem Ele­men­ta­res. Eine Übung besteht darin, dass alle durch den Raum lau­fen und der Lei­ter die Stim­mung vor­gibt. Bei Bedarf kann man noch gele­gent­lich ein­frie­ren und einige Leute zum Anschauen befreien. Bei einer ande­ren Vari­ante der Lauf­übung gibt der Lei­ter das Tempo in Abstu­fun­gen von 1 bis 10 vor.

Fol­gen

Alle lau­fen herum und fol­gen einer Per­son, machen also genau das Glei­che. Die Leit­per­son kann das Tempo ver­än­dern, Sprünge ein­bauen, was immer ihr einfällt.

Au ja!

Alle sind auf der Bühne. Einer schlägt laut etwas vor, zum Bei­spiel auf den Boden legen oder an eine Wand gehen. Dann rufen alle „Au ja!” und füh­ren die Hand­lung aus.

Gruppen-​​Einfrieren

Die Gruppe bewegt sich im Raum. Einer friert ein, alle ande­ren fol­gen so schnell wie mög­lich. Jemand anders fängt wie­der an mit bewe­gen. Wie­der fol­gen alle ande­ren. Es funk­tio­niert tat­säch­lich und gibt ein unheim­li­ches Gruppengefühl.

Ein inter­es­san­tes Stück, zuge­schnit­ten auf die Haupt­fi­gur des ver­geb­lich ster­ben wol­len­den Literatur-​​Nobelpreisträgers Wolf­gang Schwit­ter. Die­ser, eigent­lich schon für tot erkla­ert, flieht aus dem Kran­ken­haus in sein altes Ate­lier, um dort in Ruhe zu ster­ben. Doch dar­aus wird nichts, statt­des­sen zieht er alle Besu­cher und Umste­hen­den ins Ver­der­ben, sie ster­ben in sei­ner Anwe­sen­heit oder erle­ben, dass ihre Leben zu einem Trüm­mer­hau­fen werden.

Ich habe mich vor allem auf die Art der Umset­zung kon­zen­triert, wel­che mich nicht so über­zeugte. Aber da wir auch gerade pro­ben, bin ich wohl recht sen­si­bel für Dyna­mik und Glaub­haf­tig­keit der Dar­stel­lung. Und in bei­den Punk­ten konnte das Stück des Zür­cher Stu­den­ten­thea­ters nicht so wirk­lich über­zeu­gen. Die Bewe­gungs­ab­läufe wirk­ten höl­zern, die Über­gänge zu schnell, zu cho­reo­gra­fiert, der Schluss­dia­log mit der Schwie­ger­mut­ter zu lang­at­mig und sta­tisch. Inter­es­sant ist nur, wie kri­tisch ich durch eigene Erfah­rung gewor­den bin. Doch es bleibt abzu­war­ten, ob wir es tat­säch­lich bes­ser hin­krie­gen mit unse­rer Lästerschule.

Wich­tigs­tes Kri­te­rium beim Zuschauen ist die Glaub­wür­dig­keit von Bewe­gun­gen und Gefüh­len. Man muss sich all­mäh­lich hin­ein­stei­gern, an den rich­ti­gen Stel­len war­ten (bestimmte Ant­wor­ten gibt man nicht sofort, da man etwas nach­den­ken muss), Bewe­gun­gen ziel­ge­rich­tet und zum Inhalt pas­send gestal­ten. Somit war das noch­mal ein recht gut pas­sen­des Bei­spiel zur Sen­si­bi­li­sie­rung und zur Selbstreflexion.

Ende vori­gen Jah­res ver­an­stal­tete die Kul­tur­stelle der ETH Zürich ein drei­tä­gi­ges Kul­tur­fes­ti­val, damals anläss­lich des 150-​​jährigen ETH-​​Bestehens. Damals las ich den Kon­tra­bass und war auch kur­zer­hand bei der Literatur-​​Jury eingeplant.

Um es kurz zu machen: die­ses Jahr war es genau so. Ein Unter­schied ist der Name der Ver­an­stal­tung, sie heißt jetzt Salon des Arts. Mit dem Bro­cken­haus konnte ein Spon­sor für die salon­mä­ßige Aus­stat­tung des Haupt­raums gefun­den wer­den. Und so bot sich dem Besu­cher beim Ein­tre­ten in besag­ten Raum der Anblick zahl­rei­cher Couch– und Ses­sel­ecken, in denen sich Leute unter­hiel­ten oder vor sich hin dämmerten.

Der zweite Unter­schied war das von mir gele­sene Buch. Nach dem Kon­tra­bass (Patrick Süß­kind) vori­ges Jahr die­ses Mal „Mein Name sei Gan­ten­bein” von Max Frisch. Habe ich in Dres­den auch schon zwei Mal gele­sen, also nichts wirk­lich Neues. Lei­der waren auch nur fünf unmit­tel­bare und wei­tere sie­ben bis zehn im gro­ßen Raum ver­streute Zuhö­rer zuge­gen. Den­noch, ein klei­ner Bei­trag zur Salon-​​Stimmung war getan.

Heute waren dann wohl die meis­ten Zuschauer da, als etli­che Tanz­auf­füh­run­gen am Abend statt­fan­den. Ich kam lei­der etwas zu spät, konnte aber doch noch einige Fotos machen. Ich habe mit Langzeit-​​Belichtung expe­ri­men­tiert, um die Tanz­be­we­gun­gen zumin­dest eini­ger­ma­ßen ein­zu­fan­gen. Aber seht selbst: