Schwere Kost ist die­ser Stoff schon — der jüdi­sche Leh­rer Men­del Sin­ger ver­liert im Laufe der Geschichte so ziem­lich alles, seine bei­den älte­ren Söhne fal­len im Krieg, seine Frau nimmt sich das Leben, die Toch­ter wird wahn­sin­nig. Genau wie das alt­tes­ta­men­ta­ri­sche Vor­bild Hiob ver­flucht er schließ­lich Gott und will nur noch ster­ben. Doch das uner­war­tete Gesun­den sei­nes jüngs­ten Soh­nes ganz am Ende stimmt ihn ver­söhn­lich, er schläft ein.

Die Insze­nie­rung im Thea­ter Neu­markt hat mir extrem gut gefal­len, vor allem die ruhi­ge­ren Pas­sa­gen, die ver­zwei­fel­ten, ohn­mäch­ti­gen Momente haben mich sehr bewegt. Das ein­fa­che Büh­nen­bild, die klar gestal­te­ten Kos­tüme, die Dar­stel­ler — es war Thea­ter, wie ich es mir idea­ler­weise vor­stelle. Ledig­lich einige über­trie­bene Pas­sa­gen mit Schreien und viel Lärm trüb­ten das voll­en­dete Bild.

Ganz her­aus­ra­gend war die Dar­stel­lung des jüngs­ten Soh­nes, der anfangs an epe­lep­ti­schen Anfäl­len lei­det und nur ein undeut­lich arti­ku­lier­tes „Mama” her­aus­bringt. Mit ihm begann das Stück, er stand da, schwankte hin und her und fiel auf eine Matte, mit sei­ner Geburt stürzte die Fami­lie gleich­sam ins Unglück. Dann saß er mit irgend­wie ver­renk­ten Glie­dern und unbe­weg­tem Gesicht herum, teil­nahms­los, stö­rend, von sei­nen Geschwis­tern fast umge­bracht. Meine Rolle als Gus in „Arka­dien” ist ein biss­chen ähnlich ange­legt, wenn auch nicht ganz so krass. Gus ist ein­fach stumm und intro­ver­tiert, Epe­lep­sie ist da schon noch ein ande­res Kaliber.