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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Blacksburg

Noch acht Tage bis zur Show! Lang­sam wird es ernst, Mike (Regis­seur) erin­nert gerade an wich­tige Dinge. Allem voran steht natür­lich das Ken­nen der eige­nen Zei­len. Aber auch Requi­si­ten, Kos­tüme und Öffent­lich­keits­ar­beit spricht er an, um den Erfolg der Auf­füh­run­gen zu gewähr­leis­ten. Nun wird es ernst, ein erneu­ter „full run” wird wohl in weni­gen Minu­ten beginnen.

Davor gibt es immer ein paar andäch­tige Minu­ten, Mike lei­tet uns durch eine Art Medi­ta­tion. Er sagt, dass wir die­sen Tag ver­ges­sen sol­len, die vie­len klei­nen Ärger­nisse und Pla­gen. Dann sol­len wir uns vor­stel­len, durch Raum und Zeit zurück­zu­ge­hen, in jene 50er Jahre, die den Hin­ter­grund des Stü­ckes dar­stel­len. Andere Sit­ten, andere Fri­su­ren, andere Autos, andere Träume und Sor­gen — wir strei­fen unser altes Ich ab und neh­men eine neue Iden­ti­tät an. Die­ser Wan­del ist für mich, zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht gerade schwie­rig, spiele ich doch nur einen anony­men Mann, der am Beginn zusam­men­ge­schla­gen wird, und spä­ter einen Poli­zis­ten. Trotz­dem, diese ruhi­gen, kon­tem­pla­ti­ven Minu­ten vor der eigent­li­chen Probe sind ange­nehm, sie ver­lei­hen die­sem Augen­blick Weihe. Sie las­sen all die pri­va­ten Gesprä­che ver­stum­men, die durch den Raum schwir­ren. Sie machen aus einem Hau­fen Leute eine Theatergruppe.

In ein­ge­spiel­ter Weise neh­men wir unsere Posi­tio­nen ein, ich stehe allein rechts auf der Bühne, wäh­rend sich die „Gang” links grup­piert. Auf der Bühne wird es dann völ­lig dun­kel sein, mein Pfei­fen wird das erste sein, was das Publi­kum ver­nimmt. Sodann nähere ich mich der Mitte, der ein­zig beleuch­te­ten Stelle zu die­sem Zeit­punkt. In die­sem Augen­blick kommt mir der Anfüh­rer der Gang (Buzz) ent­ge­gen und tritt eben­falls in den Licht­ke­gel. Ich ver­stumme. Dann for­dert er mich auf, mein Pfei­fen fort­zu­set­zen, wäh­rend die ande­ren Gang-​​Miglieder mich umzin­geln. Ich werde immer ner­vö­ser, Buzz fragt nach Ziga­ret­ten. Sicht­lich beängs­tigt suche ich wel­che her­aus, biete sie an. Aber er besteht dar­auf, dass ich selbst eine rau­che. Er würde sie mir sogar anzünden.

In dem Moment, als ich mich vor­beuge, trifft er mich mit der Faust in den Magen, ich äußere ein in die­ser Situa­tion ange­mes­se­nes Geräusch. Mein Ver­such, nach links zu ent­kom­men, wird von zwei grim­mi­gen Mit­men­schen ver­ei­telt, ich finde mich inmit­ten der Gruppe und auf dem Boden lie­gend wie­der. Dann tram­peln alle auf dem Boden in mei­ner Nähe herum und ich schreie. So, als würde ich gerade zusam­men­ge­tre­ten. Mit dem Schrei „Bas­tards!” krie­che ich in eine Rich­tung und hum­pele von dan­nen. Die Gang folgt mir.

Das war also mein glor­rei­cher ers­ter Auf­tritt. Nun ist’s eine lange Durst­stre­cke bis zum drit­ten Akt, mei­nem fina­len Auf­tritt als Poli­zist. Wäh­rend­des­sen sitze ich also herum und schreibe das hier. Die vie­len ande­ren Untä­ti­gen sit­zen eben­falls herum, man­che an ihren Lap­tops. Einige sind auch drau­ßen und erhö­hen ihre Chan­cen auf bestimmte Krankheiten.

Das Stück läuft unter­des­sen wei­ter, anschei­nend ohne grö­ßere Pro­bleme. Heute ist der erste Tag, an dem keine Zei­len mehr vor­ge­sagt wer­den. Aber bis­her gab es noch keine Hän­ger, das lässt hof­fen. Das Maß an Kon­zen­tra­tion und Pro­fes­sio­na­li­tät ist heute abend ziem­lich hoch, es ist fast schon erstaun­lich für diese Chaoten-​​Truppe.

Yes­ter­day we read the whole piece (Rebel Wit­hout a Cause), every one his role. I was Offi­cer 1, had not to say that much. But it was all right and I also have the glo­rious part of shoo­ting Plato, when he plays with his gun and doesn’t want to give it to somebody.

Then Mike came up to me and sug­gested me to per­form as the man of the opening scene. He basi­cally is bea­ten up and runs away. I agreed, thin­king that could not be too difficult.

Today we prac­ticed that very scene and some­thing more, where I have no part in. It tur­ned out to be a very dif­fi­cult part, as it invol­ved a lot of action. I enter the stage, whist­ling. Then Buzz con­fronts me, asking for a ciga­rette. Mean­while the other mem­bers of the gang cir­cle around me. Buzz insists on me smo­king a ciga­rette, offe­ring fire. In the very moment I lean for­ward he strikes me in my sto­mach. More­over, he pre­tends it, but it all has to look real. So I grunt and try to run away. But they get me and throw me on the ground. Now they are stam­ping on the ground and I am crying hell. And this is the tri­cky thing. To cry like hell, and this several times. In the end I crawl away and run. It’s not that much but to pre­tend to be bea­ten up really is tri­cky, I can tell you.

Impres­sive for me was the way Mike direc­ted the whole thing. In the begin­ning we gathe­red all on the stage and he asked us to close our eyes. He wal­ked around and told us to think about all that trou­ble of today, and to for­get it. Now we should ima­gine to go 50 years back, in a dif­fe­rent time, in dif­fe­rent cha­rac­ters. And then we were to open our eyes again and to start it. I liked it, this sug­ges­tive little show. And we concentrated.

Wie kann man sich den Cam­pus der Vir­gi­nia Tech vorstellen?

Stellt Euch vor, Ihr kommt von der „Main Street”, von Süden. Gerade habt Ihr den Downtown-​​Bereich hin­ter Euch gelas­sen und über seine lächer­li­che Länge von viel­leicht 200 Meter gewit­zelt. Sodann seht Ihr links, ein­ge­fasst von zwei run­den Mau­er­stü­cken, die Campus-​​Straße. Sie ist zwei­spu­rig, in der Mitte durch einen Gras­strei­fen getrennt. Rechts und links impo­sante Gebäude neue­ren Datums, vor Euch ein Brü­cken­bo­gen. Über­all die Auf­schrift „Vir­gi­nia Tech” und das Wappen.

Stellt Euch vor, die meis­ten die­ser Gebäude sind mit den glei­chen gro­ben, grau­gel­ben Stei­nen von außen ver­se­hen, Kalk­stein. Es ist eine selt­same Mischung aus moder­ner Archi­tek­tur und altem Anstrich. Von Ferne sehen einige die­ser Bau­ten fast mit­tel­al­ter­lich aus, mit Tür­men und Zin­nen. Und so bie­tet sich an vie­len Stel­len das glei­che grau­gelbe Bild, was die Ori­en­tie­rung auf dem doch sehr aus­ge­dehn­ten Cam­pus auch nicht gerade ein­fa­cher macht. Die Quelle die­ser grau­gel­ben Ein­heits­pracht ist ein Stein­bruch hier in Vir­gi­nia, der wahr­schein­lich ein aus­ge­klü­gel­tes Rabatt-​​System hat. Der andere Bau­stil besteht aus röt­li­chen Klinker-​​Steinen, erin­nert an Industrie-​​Gebäude, da er auch haupt­säch­lich an sehr unin­ter­es­san­ten, eckig-​​klotzigen Gebäu­den zu fin­den ist.

Stellt Euch vor, es ist ver­dammt heiß. Natür­lich nur drau­ßen, sobald Ihr das Innere eines Gebäu­des betre­tet, weht Euch ein kal­ter Wind ent­ge­gen. Das Innere ist dann auch wie­der — von eini­gen Aus­nah­men abge­se­hen — fast mit hie­si­gen Ver­hält­nis­sen zu ver­glei­chen. Der ver­traute Charme der Kor­ri­dore und Trep­pen­häu­ser lässt ein dezen­tes Heimat-​​Gefühl auf­kom­men, der Mierdel-​​Bau lässt grüßen.

Stellt Euch vor, es gibt wirk­lich fast nur Fast-​​Food. Und der Grund ist auch sofort ein­leuch­tend: alles andere ist viel teu­rer. Und so sind die meis­ten Plätze zur Nah­rungs­auf­nahme auch im klas­si­schen „All Ame­ri­can Food”-Stil gehal­ten. Der Pizza-​​Mensch dane­ben ist eine will­kom­mene Abwechs­lung. Aber es soll auch andere Loka­li­tä­ten geben, sogar von einer Salat-​​Theke habe ich gehört. (Anmer­kung des Autors: diese ande­ren Orte exis­tier­ten zwar, waren aber wirk­lich sau­teuer — da kocht man doch lie­ber selbst.)

Stellt Euch vor, in der Mitte die­ses aus­ge­dehn­ten, groß­zü­gig gestal­te­ten Kom­ple­xes befin­det sich ein „Drill Field”, wo gele­gent­lich Sol­da­ten antre­ten und Zuschauer gebe­ten wer­den, doch bitte beim Anblick der Flagge mit die Hand aufs Herz zu legen.

Today, I visi­ted a speech given by a Bud­dhist monk on mind­ful­ness. He was a lank per­son with bushy fair eye brows. He wore the tra­di­tio­nal orange gar­ment and he was shaven-​​headed. Born in Cali­for­nia he expe­ri­en­ced the Viet­nam war in a state of sto­ned­ness far off the battle fields. On a sub­se­quent jour­ney he tra­vel­led to Asia and deci­ded after a while to join Buddhism.

His way of tal­king was deli­be­rate and calm, his hands res­ted on his lap for the whole time. Only his deep eyes were wan­de­ring through the room, fixing many per­sons for a while before wan­de­ring to the next. He explai­ned the bases of Bud­dhism, in rela­tion to Ame­ri­can ever­y­day life. Many things I knew alre­ady, but I had for­got­ten them and was deligh­ted to see them restrengt­he­ned. I was thin­king mainly on Erich Fromms „The Art of Loving”, espe­cially the final chap­ter when Fromm gave some advise on per­so­nal advancement.

The main aspect was the awa­ren­ess of the pre­sent. Not to sway into future or past with their many grie­van­ces, hopes and anxie­ties. Just be (in con­traste to the popu­lar shoe slo­gan). An inte­res­ting com­pa­ri­son was that of the very word „human being”. With todays fast-​​paced life, humans tend to become „human doings”, mea­ning that their mind is always focus­sed on doing some­thing, and not on the moment. In order to train this kind of awa­ren­ess, he sug­gested meditation.

Tomor­row there will be a whole day of mind­ful­ness, mea­ning three medi­ta­tion and dis­cus­sion ses­si­ons with him. The first one starts at eight in the morning, so for the first time since our home vol­ley­ball tour­na­ment I will have to get up early. I am really loo­king for­ward to the whole thing, since I am fee­ling a little bit unba­lan­ced in the last weeks.