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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Deutschland

Wenn ihr, so wie ich, im Aus­land lebende Deut­sche seid, soll­tet ihr dem­nächst euren Wahl­schein bean­tra­gen. Der Stich­tag ist der 6. Sep­tem­ber, bis dahin muss der Antrag bei der Gemeinde ein­ge­hen, wo ihr zuletzt gewohnt habt. Vor­aus­set­zung ist natür­lich, dass ihr kei­nen Wohn­sitz mehr in Deutsch­land habt, sonst gehen die Wahl­un­ter­la­gen ohne­hin an diese Adresse.

Den not­wen­di­gen Antrag gibt es auf der Seite des Bun­des­wahl­lei­ters, genauer auf der Seite Aus­füll­hin­weise und Antrag für Aus­lands­deut­sche. Also ein­fach aus­fül­len und zur Gemein­de­ver­wal­tung schicken.

Diese Pro­ze­dur mag etwas kom­pli­ziert klin­gen, aber es muss ja alles über­prüft wer­den, damit nie­mand seine Stimme dop­pelt abgibt. Die viel kom­pli­zier­tere Frage ist aber, wel­che Par­tei man wäh­len soll. Der Sach­zwang einer ekla­tan­ten Neu­ver­schul­dung zur Ret­tung insol­ven­ter Ban­ken lässt wenig Hand­lungs­spiel­raum für Poli­tik. Die Pro­file der Par­teien ähneln sich immer mehr, die Kanz­le­rin mei­det jeg­li­che Kon­fron­ta­tion und kon­krete Äuße­rung, die SPD liegt am Boden, die Grü­nen haben koali­ti­ons­tech­nisch wenig Chan­cen, die Linke kann ohne­hin nicht mit­re­gie­ren, die FDP träumt von der Macht in einer schwarz-​​gelben Koali­tion — es ent­wi­ckelt sich ein läh­men­des Viel­par­tei­en­sys­tem mit immer weni­ger schlag­kräf­ti­gen Koali­ti­ons­op­tio­nen. Der Sieg der CDU scheint schon fest­zu­ste­hen, stellt sich eigent­lich nur noch die Frage nach dem Juni­or­part­ner. Den­noch, eine hohe Wahl­be­tei­li­gung ist wich­tig, nutzt also euer Wahlrecht!

Die ZEIT beschäf­tigt sich in ihrer aktu­el­len Aus­gabe mit dem Thema Rechts­ex­tre­mis­mus in Deutsch­land. Im Unter­schied zum Links­ex­tre­mis­mus tei­len große Teile der Bevöl­ke­rung rechte Posi­tio­nen, wie eine Stu­die der Friedrich-​​Ebert-​​Stiftung her­aus­fand. Dadurch ergibt sich eine wesent­lich grö­ßere Bedro­hung des demo­kra­ti­schen Sys­tems. Der Nähr­bo­den für diese bedroh­li­che Ent­wick­lung ist die Angst vor dem wirt­schaft­li­chen Abstieg, die in gro­ßen Bevöl­ke­rungs­schich­ten um sich greift. Die Glo­ba­li­sie­rung und ein­ge­wan­derte Aus­län­der sind schnell als S&uum;ndenböcke aus­fin­dig gemacht, ein­fa­che Ant­wor­ten sug­ge­rie­ren einen Aus­weg aus der Misere. Der moderne Rechts­ex­tre­mis­mus setzt auf zwei Stra­te­gien, neben den bru­ta­len Überg­rif­fen auf Aus­län­der, Linke und Anders­den­kende ver­sucht man mit Unter­schrif­ten­ak­tio­nen gegen Sozi­al­ab­bau, Hüpf­bur­gen und Schü­ler­zei­tun­gen das Ver­trauen der Bevöl­ke­rung zu gewin­nen. Den Erfolg die­ser Dop­pel­stra­te­gie konnte man wohl am bes­ten 2004 in Sach­sen beob­ach­ten, als die NPD mit einem fast aus­schließ­lich auf Hartz IV–Pro­test aus­ge­rich­te­ten Wahl­kampf den Sprung ins Lan­des­par­la­ment schaffte.

Was tun? Als Ant­wort auf diese drän­gende Frage hat die ZEIT das Inter­net­por­tal Netz gegen Nazis ins Leben geru­fen. Mit­i­nia­to­ren sind der deut­sche Feu­er­wehr­ber­band, die Bun­des­liga, der deut­sche olym­pi­sche Sport­bund, das ZDF und auch die Online-​​Plattformen mit der Endung vz (schü­lervz, studivz, meinvz). Es ist nicht die erste Aktion die­ser Art, aber durch die Ein­be­zie­hung viel­fäl­ti­ger Part­ner und die jour­na­lis­ti­sche Kom­pe­tenz der ZEIT könnte eine viel­ge­nutzte Rat­ge­ber­platt­form ent­ste­hen, eine Anlauf­stelle für alle, die mit Rechts­ex­tre­mis­mus kon­fron­tiert sind.

netz gegen nazis

Um in öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen mit rech­ten Argu­men­ten mit­hal­ten zu kön­nen, emp­fiehlt sich eine Aus­ein­an­der­set­zung mit die­ser Ideo­lo­gie. Der ZEIT-​​Artikel Neue Hei­den hat das Land ana­ly­siert das rechte Welt­bild treffend:

Die­ses Fun­da­ment ist seit eh und je ein extre­mer Bio­lo­gis­mus, also die Ansicht, Men­schen seien von Natur aus ungleich und unter­teil­ten sich in höher– und min­der­wer­tige Wesen, in Her­ren und Knechte, Füh­rer und Geführte. Des­halb ver­ach­ten rechte Den­ker die Idee der Men­schen­rechte zutiefst. Dass jeder Mensch ein Recht dar­auf hat, Rechte zu haben, ist für sie ein töd­li­ches Gift im »Volks­kör­per«. Es lähme die natür­li­che Aus­lese von Star­ken und Schwa­chen und ver­hin­dere das Ent­ste­hen von Füh­rungs­eli­ten. Anders gesagt: Ohne Lebens­kampf ent­arte die Gesell­schaft, und plötz­lich gäben Para­si­ten und volks­fremde Ele­mente den Ton an. Nicht ein­mal große Kunst­werke bräch­ten diese Kre­tins zustande. Höchs­tens Kuckucks­uh­ren, wie die Schweizer.

Inter­es­sant für mich als Wahl­schwei­zer ist die Frage nach der hie­si­gen Situa­tion. Aber im Gegen­satz zu ande­ren euro­päi­schen Staa­ten gibt es in der Schweiz keine star­ken links– oder rechts­ex­tre­men Par­teien (siehe Schwei­zer Par­tei­en­land­schaft von 1993). Die am rech­ten Rand des Par­tei­en­spek­trums ste­hende SVP kann bes­ten­falls als rechts­po­pu­lis­tisch, nicht jedoch als rechts­ex­trem ein­ge­stuft wer­den. Sie bekennt sich zu christ­li­chen, demo­kra­ti­schen Wer­ten, was rechts­ex­treme Par­teien nicht tun. Auf den Sei­ten der deut­schen NPD konnte ich nichts der­ar­ti­ges fin­den, statt­des­sen zeigt sich unter Par­tei und Unter­glie­de­run­gen eine Karte von Deutsch­land, eben­falls ein­ge­zeich­net sind die 1945 an Polen und Tsche­chien abge­tre­te­nen Ost­ge­biete und Öster­reich, anschei­nend sol­len dort auch NPD-​​Ableger ent­ste­hen. Aber zurück zur Schwei­zer SVP. So wenig ich per­sön­lich die Asyl­miss­brauchs– und sons­ti­gen Kam­pa­gnen mag, sie erfül­len in der Par­tei­en­land­schaft die wich­tige Funk­tion, rechts von der SVP keine Par­teien mehr zuzu­las­sen. Denn es gibt da schon noch wel­che (z.B. die Par­tei Natio­nal Ori­en­tier­ter Schwei­zer, deren Par­tei­pro­gramm ist eine unge­wollt lus­tige Lek­türe), die aber weder regio­nal noch natio­nal eine Rolle spielen.

Somit unter­schei­det sich die Situa­tion in Deutsch­land und der Schweiz wesent­lich, was die Par­tei­en­land­schaft angeht. Aber auch in der Schweiz gibt es rechts­ex­treme Grup­pen und es kommt zu Überg­rif­fen. Im natio­na­len For­schungs­schwer­punkt zum Thema Rechts­ex­tre­mis­mus — Ursa­chen und Gegen­mass­nah­men (offi­zi­elle Web­seite) wur­den Jugend­li­che als Haupt­op­fer­gruppe rechts­ex­tre­mer Überg­riffe aus­ge­macht. Jeder 10. Jugend­li­cher würde wäh­rende sei­nes Her­an­wach­sens bedroht oder ange­grif­fen. Von daher ist die­ses Thema hier genau so aktu­ell wie in Deutsch­land, erhält jedoch auf­grund gerin­ge­rer Vor­falls­zah­len und der ande­ren Geschichte wesent­lich weni­ger öffent­li­che Wahrnehmung.

Einen sehr lesens­wer­ten Arti­kel über die Wahl in Deutsch­land fand ich in der ZEIT, geschrie­ben vom Gegen­warts­au­tor Wla­di­mir Kami­ner (Wikipedia-​​Eintrag). Er war die­ses Jahr zum ers­ten Mal wäh­len und hat einen lus­ti­gen Vor­schlag für die nächste Wahl: Wie bei alle wich­ti­gen Posi­tio­nen sollte es eine inter­na­tio­nale Aus­schrei­bung geben.

Letz­ten Sonn­tag fand in Wro­claw die Aus­stel­lungs­er­öff­nung des Jugend­aus­tausch­pro­jek­tes statt. Nach ins­ge­samt vier Tref­fen im Zeit­raum eines reich­li­chen Jah­res waren dies also die — zuge­ge­be­ner­ma­ßen — etwas mage­ren Ergeb­nisse. Die Aus­stel­lung besteht aus Personen-​​Rahmen von unge­fähr 20 Teil­neh­mern, zusätz­lich gibt es noch einige Stadt-​​Rahmen und ein paar erklä­rende Texte. Last sun­day the exhi­bi­tion opening of the youth exch­ange pro­ject took place in Wro­claw. After four mee­tings wit­hin a years time this was the — admit­tedly — some­what skinny result. The exhi­bi­tion was com­po­sed of per­so­nal frames of about 20 par­ti­ci­pants, addi­tio­nally there were some city frames and some expla­natory texts.
On the one hand side I am happy that these results tur­ned out, after all those dis­cus­sions. But in my opi­nion the pro­ject would have had much more poten­tial. Espe­cially the idea to look at people wit­hin their environ­ment from an out­ward per­spec­tive see­med gor­guous to me. But it wasn’t pro­mo­ted fur­ther, lea­ding to ever­y­body making his or her own frame. Einer­seits freue ich mich, dass nach all den Dis­kus­sio­nen nun doch einige Ergeb­nisse her­aus­ge­kom­men sind, jedoch hätte die­ses Pro­jekt deut­lich mehr Poten­zial gehabt. Gerade die Idee, Leute auch von außen zu betrach­ten, also in ihrer Umge­bung wahr­zu­neh­men, fand ich ziem­lich toll. Doch so rich­tig wurde nichts draus, so dass letzt­lich jeder auf eigene Faust einen Rah­men zusam­men stellte.
Aber ich möchte nicht aus­schließ­lich die nega­ti­ven Aspekte her­vor­he­ben. Die Tref­fen mit den Leu­ten haben auch gro­ßen Spaß gemacht, beson­ders am Anfang. Mit den Tref­fen in Wro­claw habe ich erst­mals so rich­tig pol­ni­schen Boden betre­ten und konnte auch einige nette Polen und Polin­nen ken­nen ler­nen. Somit ver­binde ich jetzt unser Nach­bar­land im Osten vor allem mit Gesich­tern und Stim­men der Jugendaustausch-​​Teilnehmer. But I don’t want to accen­tuate only the nega­tive aspects. The mee­tings with all those guys and girls were a lot of fun, espe­cially in the begin­ning. The mee­tings in Wro­claw were the first time I set my feet on Polish ground for a lon­ger time and I got to know some nice people from there. So whe­ne­ver I’ll be thin­king of Poland, I will asso­ciate the faces and voices of the youth exch­ange participants.