Zum Inhalt springen

mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Dialekt

In unse­rer Ruder­stu­die sind jetzt die ers­ten zehn Pro­ban­den durch, damit stellte sich auch die Frage, wie wir mit den freien Inter­views ver­fah­ren soll­ten. Die Leute konn­ten sich nach ihrem Expe­ri­ment recht frei dazu äußern, wie rea­lis­tisch sie unse­ren Ruder­si­mu­la­tor fan­den und was sie am Ver­such störte. Wir hat­ten uns ent­schlos­sen, das Inter­view auf Schwei­zer­deutsch durch­zu­füh­ren, damit die Leute freier spre­chen kön­nen. Dies war aber – im Rück­blick – keine gute Idee, der Dia­lekt ver­führt zu einer aus­schwei­fen­den, schwer zu erfas­sen­den Aus­drucks­weise. Das merkte ich, als ich die Inter­views ins Eng­li­sche über­trug. Jedoch ist nicht klar, ob dies bei Hoch­deutsch als Inter­viewspra­che wesent­lich bes­ser gewe­sen wäre. Gespro­chene Spra­che ist ein­fach anders als Schrift­spra­che, die Frage nach Dia­lekt oder Hoch­deutsch ist da wohl eher sekundär.

Im Laufe der Über­set­zung werde ich immer fau­ler und fasse mög­lichst viel zu einem prä­gnan­ten Satz zusam­men. Ich denke, dass dies gerecht­fer­tigt ist, schließ­lich geht es nicht um die Spra­che, son­dern nur um den Inhalt. Mit die­sen freien Inter­views woll­ten wir Dinge erfas­sen, die in einem Fra­ge­bo­gen unter­ge­hen wür­den. Des­halb sind die Leit­fra­gen auch rela­tiv offen for­mu­liert. „Wo sehen Sie Ver­bes­se­rungs­po­ten­zial beim Ruder­si­mu­la­tor?” – bei sol­chen Fra­gen kön­nen sich die Leute aus­to­ben. Aber für die Über­set­zung erge­ben sich damit sehr ent­spannte Anfor­de­run­gen an die Treue.

Mein abso­lu­ter Favo­rit heute war die Bemer­kung: „Vom Gefühl her fühlte es sich gut an.”

Aber span­nend wäre doch auch die Frage, wie man rea­lis­ti­sche wört­li­che Rede für ein Thea­ter­stück oder eine Geschichte schreibt. Schrift­spra­che ist ein­fach der­ma­ßen kom­pri­miert, dass man für wört­li­che Rede da deut­lich zurück­schrau­ben müsste. Spe­zi­ell für die Bühne. Ich denke jedoch, dass die meis­ten Schrift­stel­ler sich die­ses Umstan­des nur zum Teil bewusst sind. Oder sie wol­len ein­fach keine feh­ler­haf­ten Sätze schrei­ben und ein erzie­he­risch wir­ken. Denn in einer per­fek­ten Welt könnte man sich druck­reif unter­hal­ten. Ohne Wie­der­ho­lun­gen und Ähms und mit per­fek­ter Gram­ma­tik. Aber es wäre schon anstren­gend, so kom­pri­miert zu spre­chen und zuzuhören.

Grenze

Jan 1

Wo ist die Grenze zwi­schen Deutsch­land und der Schweiz? Für mich ist es der Moment, wenn ich zum ers­ten Mal jeman­den im Dia­lekt des Ziel­or­tes reden höre. Mit dem Zug ist das meist nach dem Umstei­gen in Frank­furt der Fall, plötz­lich redet jemand mit säch­si­schem Dia­lekt und ich weiß dann, wohin ich fahre. Der ver­traute Klang der Spra­che weckt dann die Erin­ne­run­gen an die alte oder neue Hei­mat. Rückzu war es dann ein Pär­chen, die sich auf Schei­zer­deutsch unter­hiel­ten, im ICE nach Basel weit vor der eigent­li­chen Grenze. Die tat­säch­li­che Grenze bemerkt man fast gar nicht, drau­ßen sah ich eine Zoll­sta­tion vor­bei huschen, zwei Zoll­be­amte gehen durch den Wagen, ent­spannt und mit des­in­ter­es­sier­tem Blick, die Wirk­lich­keit mit tau­sen­den Grenz­gän­gern pro Tag macht die Iso­la­tion der Schweiz zur Farce. Zumin­dest für Zug­rei­sende, wer Waren ein­füh­ren will, wird dann wahr­schein­lich mit einer ande­ren Grenze konfrontiert.