Zum Inhalt springen

mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Diplomarbeit

Diplomand

Okt 24
Allgemein

Heute fing ein Diplo­mand an, den ich betreue. Mein ers­ter. Er kam früh am Mor­gen und schaute mich mit fra­gen­den Augen an. Da war er also, bereit los­zu­le­gen, nach­dem ich ihm Instruk­tio­nen gege­ben hatte. Wir setz­ten uns also zusam­men und bespra­chen einige Rahmen-​​Sachen.

Gut erin­nere ich mich noch an den Okto­ber vori­gen Jah­res, als ich mit der Diplom­ar­beit begann. Ich saß gegen­über von Dr. Nor­kus, er erklärte mir eini­ges, wor­auf­hin ich dann los­legte. Ich denke, dass ich rela­tiv selb­stän­dig war, ich hatte viel Frei­heit und machte davon dann auch ent­spre­chend Gebrauch. Und nun also der Rol­len­wech­sel, jetzt bin ich der Betreuer, der die Linie vor­gibt, einige Dinge bremst, andere anschiebt.

Diplomverteidigung

Apr 20
Allgemein

Ich stehe auf und gehe nach vorn. Der Moment ist gekom­men, ein letz­ter Vor­trag, ein letz­tes Mal Fra­gen beant­wor­ten müs­sen, dann wird es vor­über sein. Ich schaue in die Runde. Prof. Ger­lach sitzt mir gegen­über in der Mitte, neben ihm Dr. Nor­kus im unge­wohn­ten Anzug. Einige Mit­ar­bei­ter des Insti­tuts haben sich zu so frü­her Stunde ein­ge­fun­den. Und zu bei­den Sei­ten sit­zen Freunde, die mich mit ihren freund­li­chen gespann­ten Mie­nen still anfeu­ern. Der Vor­trag beginnt, ich habe ihn nicht geübt, die Worte flie­ßen, erst etwas hol­pe­rig, dann immer besser.

Die letzte Nacht habe ich schlecht geschla­fen, mich stun­den­lang her­um­ge­wälzt. Es waren wahr­schein­lich nur wenige Stun­den Schlaf, die ich bekom­men habe. Die letzte Woche war ein wenig stres­sig gewe­sen, da ich noch ein Pos­ter anfer­ti­gen und die Prä­sen­ta­tion ver­be­rei­ten musste. Und zuvor hatte ich mich in der End­phase der Arbeit befun­den, Kor­rek­tu­ren ein­ge­baut, Gra­fi­ken neu gezeich­net, immer wie­der Sätze ver­än­dert, Absätze umfor­mu­liert, Glie­de­run­gen über­dacht. Es reicht jetzt. Nur noch die­sen Vor­trag, dann ist Schluss.

Wahr­schein­lich wirke ich ent­spannt und sou­ve­rän, zu oft habe ich Rhetorik-​​Trainings absol­viert, als dass man mir Auf­re­gung ansähe. Ich bin auf­ge­regt, inner­lich, aber irgend­wie auch müde und abge­spannt. Ich bin fer­tig mit die­sem Thema, die Arbeit ist geschrie­ben, die Anre­gun­gen und Fra­gen zwar nett und hilf­reich, aber zu spät. Eigent­lich stehe ich auch nicht selbst da vorn. Es ist jemand anders, den ich für sol­che Zwe­cke in der Hin­ter­hand habe. Ein Teil von mir, der sich durch Rhetorik-​​Seminare lang­sam ent­wi­ckelt hat. Auf jeden Fall kommt mir die Situa­tion nicht wirk­lich vor, ich stehe neben mir, wie in einem Traum.

Es ist vor­bei. Der Vor­trag kam gut an, die Fra­gen eini­ger­ma­ßen intel­li­gent beant­wor­tet, die Hände geschüt­telt, die Glück­wün­sche ent­ge­gen­ge­nom­men, gelä­chelt, gelä­chelt. Der Pro­fes­sor wünscht eine steile Kar­riere, ich weiß damit nichts so recht anzu­fan­gen. Mal wie­der bin ich über diese Wir­kung von mir erstaunt, dar­über, wie ent­schlos­sen und ziel­stre­big ich wirke. Aber so rich­tig Zeit zum Nach­den­ken bleibt nicht, schon in weni­gen Stun­den fahre ich los nach Wro­claw, die nächs­ten Wochen sind alle­samt ver­plant. Meine Zukunft liegt vor mir, ver­hei­ßungs­voll und doch ungewohnt.

Die Wür­fel sind gefal­len. Heute habe ich drei Exem­plare mei­ner Diplom­ar­beit abge­ge­ben. Damit geht nun auch das letzte Kapi­tel mei­nes Stu­di­ums zu Ende. Nächste Woche (20.04. — 8:00 im BAR I/​85) fin­det dann auch schon die Ver­tei­di­gung statt, wenig spä­ter (ich bin da mal opti­mis­tisch, was die Fähig­kei­ten unse­res Prü­fungs­am­tes angeht) werde ich das Diplom­zeug­nis in mei­nen Hän­den hal­ten. Und dann — war’s das.

Was bleibt, sind diese boh­ren­den Fra­gen. Was kann ich eigent­lich? Hätte ich nicht doch Kunst­ge­schichte und Phi­lo­so­phie stu­die­ren sol­len? Muss ich ab jetzt so rich­tig zei­tig aufstehen?

Fertig

Apr 10
Allgemein

Die Diplom­ar­beit ist fer­tig. Oder zumin­dest habe ich keine Lust mehr, ein wei­te­res Mal drü­ber zu schauen, noch­mal alle Abstände zu prü­fen, noch­mal die Anord­nung der Tabel­len und Abbil­dun­gen zu ändern — es reicht einfach.

Es ist erstaun­lich, dass auch nach sehr häu­fi­gem Kor­rek­tur­le­sen immer noch Tipp– und Gram­ma­tik­feh­ler in einem lan­gen Text­stück auf­tau­chen. Mar­tin und Netti fan­den noch so einige beim Durch­stö­bern der Diplom­ar­beit. Hier mal eine Auswahl:

  • Ent­fer­nungs­quo­ri­ent
  • Minu­mum
  • Aus­er­tung
  • ent­ps­re­chen­der
  • Int­ne­si­tät
  • Dif­fernz­wert

Aber alles in allem glaube ich jetzt, dass das Gros der Feh­ler besei­tigt ist. Muss es ja auch nach all den Tagen, die ich nur mit dem Suchen und Besei­ti­gen von Feh­lern und Unklar­hei­ten ver­bracht habe!