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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: dresden

Dresden

Mrz 20
Allgemein

Ich fahre wie­der in die Stadt, die einst meine Hei­mat war. Dies­mal spon­tan und heim­lich, mit­ten in der Nacht legen wir die weite Stre­cke zurück. Ein Kol­lege von mir fährt hin und ich möchte auch mal wie­der unter­wegs sein. Ich habe keine Ner­ven, vier Tage an einem Ort zu hocken, noch dazu bei schlech­tem Wet­ter. Dann lie­ber in Dres­den bei schlech­tem Wet­ter hocken und die alten Freund­schaf­ten pfle­gen. Haupt­sa­che unter­wegs und in Bewe­gung blei­ben. Leute tref­fen, Zeit zum Lesen haben, aus­schla­fen, die Rück­reise dann am Mon­tag. Wird Stress, sie­ben Stun­den im klei­nen Auto. Mein Kol­lege hat mich gewarnt, ent­we­der ich brächte eigene CDs oder es gäbe aus­schließ­lich Coun­try und Hip Hop zu hören. Ich habe keine eige­nen CDs dabei. Haupt­sa­che wach blei­ben beim Fah­ren. Mun­ter die Auto­bah­nen ent­lang sau­sen. Irgend­wo­hin, weg von mir, wie ich bin.

Es ist schon eine Weile her, dass ich Tho­mas Rosen­lö­cher (Wikipedia-​​Eintrag) bei uns in der Schule zum ers­ten Mal sah. Er saß vor der teil­weise ver­sam­mel­ten Schü­ler– und Leh­rer­schaft in der Aula und las aus einem sei­ner Bücher. Ich weiß gar nicht mehr, wel­ches es war, viel­leicht Ost­ge­ze­ter. Das könnte auch vom Erschei­nungs­jahr 1997 gut hin­kom­men. Ein bär­ti­ger, gut­mü­ti­ger, leicht kau­zi­ger Mann mit Brille — und ein Dresd­ner Schrift­stel­ler. Wenn ich ehr­lich bin, ist es der ein­zige noch lebende Dresd­ner Schrift­stel­ler, den ich kenne. So viele bekannte gibt es ja auch nicht.

Und natür­lich darf diese ursäch­si­sche Stimme nicht feh­len, wenn es um die geplante Wald­schlöss­chen­brü­cke geht. Sein in der ZEIT erschie­ne­ner Bei­trag „Ihr zer­sägt eure Enkel!” ist schön zum Lesen und spie­gelt die Mei­nung vie­ler besorg­ter Dresd­ner wie­der, lei­der aber nicht der abstim­mungs­be­rech­tig­ten und auto­fah­ren­den Mehr­heit. Und so wer­den jetzt jeden Tag Bäume gefällt und wei­tere Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten erle­digt. Der ein­zige Sil­ber­strei­fen am Hori­zont ist die gras­sie­rende Stahl­knapp­heit, aber auch die wird das Pro­jekt nicht auf ewig aufhalten.

Frauenkirchen-​​Mania

Nov 2
Allgemein

Über­all stößt man dar­auf, auf diese große Kup­pel im Her­zen von Dres­den. Ich fühle mich als Dresd­ner da schon irgend­wie betrof­fen, schließ­lich bin ich oft an der Bau­stelle vor­bei gelau­fen. Und als im letz­ten Win­ter die Aus­sichts­platt­form frei­ge­ge­ben wurde, zahlte ich die 5 Euro und sah mir Dres­den von die­sem ganz beson­de­ren Ort aus an. Schöne Fotos machte ich, der Elb­bo­gen links und der Elb­bo­gen rechts. Links stand noch ein ande­rer Foto­graf im Weg, wes­halb ich den rech­ten Elb­bo­gen mehr mag.

Construction Site Neumarkt

Bau­stelle am Neumarkt

Aber den­noch, irgend­wann reicht’s ein­fach. Und was bei der Eröff­nung abging, grenzt schon an einen Kult, wie er bis­her nur beim Lenin-​​Mausoleum in Mos­kau oder den Uffi­zien in Flo­renz anzu­tref­fen war. Tau­sende Men­schen ste­hen an, neh­men Stun­den in der Kälte auf sich, um einen Blick ins Kir­chen­in­nere wer­fen zu dürfen.

Bei einem Tele­fo­nat mit Kris­tina erfuhr ich noch ein paar wei­tere scho­ckie­rende Ein­zel­hei­ten. In der Eröff­nungs­nacht harr­ten Hun­derte Leute in Schlaf­sä­cken aus, um dann die Ers­ten zu sein. Eine bunte Samm­lung von Globetrotter-​​Mumien pflas­terte den Weg zum neuen säch­si­schen Hei­lig­tum. Und ich bin hier in Zürich, weit weg von die­sem gan­zen Rummel.

Aber das ist viel­leicht ganz gut so, sol­che tou­ris­ti­schen Attrak­tio­nen sind ohne­hin nicht für Anwoh­ner gedacht, eher für Bus­la­dun­gen von ergrif­fe­nen Tou­ris­ten aus aller Welt, die sich — noch immer ergrif­fen — ein Frauenkirchen-​​Shirt oder eine Frauenkirchen-​​Tasse oder was auch immer kau­fen. Als Erin­ne­rung. Kris­tina meinte, die Frau­en­kir­che wäre ein Pop-​​Denkmal (oder so ähnlich), und das passt schon ganz gut. Aber im Grunde war das doch klar, die Wand­lung des dunk­len Trüm­mer­ber­ges, des absto­ßen­den Mahn­mals zum lich­te­ren Wohlfühl-​​Ort, an dem nur gefal­tete Bro­schü­ren in 27 Spra­chen an die Grauen jener Bom­ben­nächte erin­nern. Und das auch nur ganz kurz und dezent zum Beginn, um dann auf die Ver­söh­nung, die Spen­den­be­reit­schaft aus aller Welt und die paar übrig­ge­blie­be­nen dunk­len Steine in der sand­stein­lich­ten Wand zu verweisen.

Aber ein biss­chen ergrif­fen bin ich doch. Ist ja schließ­lich meine Stadt, die da in aller Munde ist. So ein klei­ner loka­ler säch­si­scher Stolz glüht dann doch auf und viel­leicht wird ja auch alles gar nicht so schlimm, viel­leicht kann ja auch ich mal einen Blick in die Kir­che wagen, der tol­len Orgel zuhö­ren und ein­fach nur ergrif­fen sein.

Rundgang durch Dresden

Sep 29
Allgemein

Einen wun­der­ba­ren Rund­gang durch Dres­den beschreibt der ZEIT-​​Artikel „Die Macht des Schick­sals”. Die ver­schie­de­nen Sei­ten der Innen­stadt (Pra­ger Straße, Alt­markt, Wilsd­ruf­fer Straße, Alt­stadt, Brühl­sche Ter­asse, Neu­stadt) wer­den ein­fühl­sam und mit Gespür für die wech­sel­hafte Geschichte beschrie­ben. Ich fand’s nett und emp­fehle es allen Dresd­nern, spe­zi­ell, wenn sie mal Besuch haben. Man kann man sich daran ganz gut orientieren.

Vor­bei! Nach zwei Tagen vol­ler inten­si­ver, anstren­gen­der, span­nen­der Gesprä­che über das Netz, Web­logs, Sicher­heit und viele andere Dinge ver­su­che ich jetzt, die vie­len Ein­drü­cke zu ord­nen und das mich inter­es­sie­rende fest­zu­hal­ten. Die Haupt­sa­che waren natür­lich die Leute mit ihren unter­schied­li­chen Cha­rak­te­ren und Hin­ter­grün­den. Vom Abitu­ri­en­ten, der sich Anre­gun­gen für seine Berufs­wahl erhoffte bis zum alt­ein­ge­ses­se­nen alten Hasen war alles dabei, gemein­sam das Inter­esse für Web­logs, Social Soft­ware und die Zukunft die­ser Dinge.

Ich selbst konnte nicht wirk­lich viel bei­tra­gen, mein klei­nes Web­log erschien mir auf ein­mal sehr nied­lich im Ver­gleich zu den doch sehr gro­ßen und aus­ge­reif­ten Pro­jek­ten der ande­ren Teil­neh­mer. Ich kon­zen­trierte mich aufs Zuhö­ren, und da viele Leute gerne reden, war dies wohl auch wich­tig und not­wen­dig. Wie in allen Gebie­ten sind es vor allem die Begriffe, also die Fach­spra­che, wel­che die Gruppe der Blog­ger kenn­zeich­nen. Einige möchte ich etwas beleuch­ten, vor allem, da sie mir auch teil­weise neu waren. Aus­führ­li­cher hat Oli­verG, einer der Teil­neh­mer, das Gesche­hen in sei­nem Blog (wo sonst?) dokumentiert.

Social Soft­ware

Ober­be­griff für alle mög­li­chen Pro­gramme, die vir­tu­elle Grup­pen­pro­zesse ermög­li­chen. Wich­tig für sol­che Pro­zesse ist die Iden­ti­fi­ka­tion mit der Gruppe und aktive Mit­glie­der (Cha­rak­tere). Web­logs ermög­li­chen Grup­pen­pro­zesse, Zen­trum ist der Blog­ger, die Ver­net­zung mit ande­ren Blog­gern und gegen­sei­ti­ges Kom­men­tie­ren ermög­licht einen Grup­pen­pro­zess. Wei­tere Bei­spiele sind Wikis, Por­tale, Foren und auch Messaging-​​Programme.

Web­log

Was ihr gerade lest, ist ein Web­log. Im Grunde han­delt es sich um ein Sys­tem zur Ver­wal­tung von Ein­trä­gen, das Kom­men­tare und Ver­knüp­fun­gen (Links) zulässt. Wich­tig ist, dass man keine HTML-​​Kenntnisse benö­tigt, son­dern Ein­träge recht ein­fach erstel­len kann. Somit wird die Schwelle für das Publi­zie­ren der eige­nen Gedan­ken gesenkt. Web­logs in Ver­bin­dung mit Such­ma­schi­nen füh­ren dazu, dass sich Men­schen mit ähnli­chen Inter­es­sen fin­den können.

Wiki

Sys­tem zur Ver­wal­tung von Doku­men­ten, bei dem alle Teil­neh­mer beste­hende Doku­mente ver­än­dern kön­nen. Es gibt also auf jeder Seite eine „Editieren”-Schaltfläche, mit der man das Doku­ment ver­än­dern kann. Zur For­ma­tie­rung des Tex­tes (fett, kur­siv, Über­schrif­ten, Auf­zäh­lung…) gibt es eine Wiki-​​spezifische Syn­tax. Für Leute, die HTML oder LaTeX ken­nen, ist das abso­lut kein Pro­blem, andere müs­sen sich erst daran gewöhnen.

Tag­ging

Also den Begriff kannte ich vor­her echt nicht. Es gibt im Netz Platt­for­men, mit denen man seine Links spei­chert, z.B. del​.icio​.us. Nun wäre eine bloße Ansamm­lung von Links irgend­wie lang­wei­lig, wes­halb man diese Links noch Kate­go­rien und Beschrei­bun­gen zuord­net. Auf Eng­lisch wird dar­aus dann „Tag­ging”. Also im Grunde nicht so komplex.

Die Frage ist nun: Warum macht man das? Nun, eine sol­che Link­liste hat den Vor­teil, dass sie von Men­schen erstellt ist. Und somit kann man so wie­derum inter­es­sante Leute fin­den, die ähnli­che Sei­ten toll fin­den, was netz­werk­ähn­li­che Struk­tu­ren ermög­licht. Viel­leicht ist die Ansamm­lung von Links mit Beschrei­bun­gen und Kate­go­rien auch so eine Art Kon­zen­tra­tion des WWW, eine Essenz des mensch­li­chen, bewuss­ten Aktes der Verknüpfung.