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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Engelberg

Ganz in der Nähe von Engel­berg befin­den sich einige Klet­ter­steige. Das schöne Sonn­tags­wet­ter nutzte ich, um gleich zwei kür­zere Klet­ter­steige zu bewäl­ti­gen – den recht ein­fa­chen Brunnistöckli-​​Klettersteig und danach den deut­lich anstren­gen­de­ren, weil über­hän­gen­den Zittergrat.

Ein­hän­dig auf dem Weg nach oben

Nah­auf­nahme auf einer Klettersteig-​​Leiter

Fas­zi­na­tion Klet­ter­steig — an einer stei­len Wand hän­gen, sichere Tritte und Griffe, die schiere Höhe über­win­den. Mit Mat­thias gönnte ich mir Ende Juni einen als „her­aus­for­dernd” und „nichts für Anfän­ger” ein­ge­stuf­ten Klet­ter­steig in der Nähe von Engelberg.

Stairway to Heaven

Stair­way to Hea­ven by well­n­air

Kletterwand Engelberg

Jul 16
Allgemein

Schwarz-​​weiß gestreift erhebt sich die Klet­ter­wand vor mir. Über­all tur­nen win­zige Gestal­ten herum, hän­gen in akro­ba­ti­schen Stel­lun­gen an der Wand. Die Wand hängt über­all, ganz oben ist ein Dach. Es gibt hier keine leich­ten Wege. Fran­zö­si­sche Skala, die Wege klin­gen leich­ter. Eine fran­zö­si­sche 6a ist eine säch­si­sche 7c. Wir klet­tern im hohen 6er-​​Bereich. Zu schwer für mich.

Ich rut­sche, falle wie­der ins Seil. Ver­dammt. Wie machen das die ande­ren? Ich habe keine Kraft. Und zu große Klet­ter­schuhe, kann auf die­sem Gestein ein­fach nicht ste­hen. Es ist so glit­schig, ohne Magne­sia kommt man über­haupt nicht voran. Alle haben diese Beu­tel am Gurt hän­gen. Und lan­gen gele­gent­lich mit so einer aus­ho­len­den, ele­gan­ten Bewe­gung hin­ein. Hän­gen am lan­gen Arm, um den Stoff, abge­packt in durch­sich­ti­gen Plas­tik­beu­teln wie Heroin, zu krie­gen. Sie sind abhän­gig, hän­gen mit Magne­sia am Griff.

Ver­bo­ten. Im Elb­sand­stein ist Magne­sia ver­bo­ten. Und man legt Schlin­gen. Eine andere Art zu klet­tern. Irgend­wie net­ter, ursprüng­li­cher. Sand­stein ist empfindlich.

Meine Fin­ger tun weh. Zum drit­ten Mal ver­su­che ich mein Glück. Wie­der die­ser an sich nette Griff, wie­der die glei­che Stelle an den Fin­gern, in die sich die scharfe Kante ein­drückt. Wie­der komme ich vor­bei, zum nächs­ten Griff und schei­tere dann erneut bei dem Ver­such, mich an die­sem klei­nen Griff hoch­zu­zie­hen. Ich gebe eine trau­rige Figur. Kein schö­ner Anblick.

Ich foto­gra­fiere. Leute am Fels, sie bil­den gerade ein schö­nes Vier­eck. Der obere ruht sich aus,
seine Beine sind abge­spreizt, die Arme hän­gen her­un­ter. Die ande­ren klet­tern. Licht von der Seite. Kom­po­si­tion beach­ten. Fal­sches Objek­tiv, wech­seln. Leute am Fels, absei­lende Leute, eine Blume, ein Hund.

Ein gro­ßer Hund kommt mit einem Stock im Maul ange­rannt. Er knurrt. Eine Frau neben mir meint im schöns­ten Schwei­zer­deutsch, der Hund sei ganz lieb. Ich glaube ihr nicht, zeige aber meine Angst nicht. Ich bin ent­spannt, oder tue ich nur so? Manch­mal kann ich keine klare Grenze fin­den, Spiel oder Rea­li­tät. Maske der Ent­spannt­heit, sie sitzt gut, wirkt nach innen. Sitzt wie ange­gos­sen, passt sich an die Erhö­hun­gen und Ver­tie­fun­gen an.

Ein schö­nes Tal. Wir fah­ren seit einer reich­li­chen Stunde, Berge links und rechts. Müdig­keit. Ich werde meis­tens müde im Auto, mein Gehirn schal­tet ein­fach ab, wenn es eine Weile nichts zu tun hat. Aber schöne Land­schaft. Wir fah­ren durch Dör­fer. Immer wie­der Kreisverkehre.

Raphi rutscht ab, er pen­delt raus, in meine Rich­tung, dreht einen Kreis um mich. Ich finde das lus­tig. Er weni­ger, er meint, ich soll end­lich Seil nach­las­sen, damit er auf den Boden kommt. Über­haupt, immer diese Top-​​Rope-​​Sicherung. Ich bin das nicht gewöhnt, im Säch­si­schen ist das Blas­phe­mie, zer­stört den Fels. Sand­stein ist empfindlich.

Ich habe Hun­ger. Was, wenn ich ein­fach nichts esse? Den Hun­ger wach­sen lasse, bis er mich ganz erfüllt. Von ihm erfasst werde, zum Kühl­schrank gezo­gen werde mit rie­si­ger Kraft. Etwas Süßes esse. Viel­leicht die Tafel Scho­ko­lade, oder einen Joghurt.