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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Film

Ein wun­der­ba­rer Film, den ich wärms­tens emp­feh­len kann. John Cusack spielt Rob Gor­don, den Inha­ber eines her­un­ter­ge­kom­me­nen Plat­ten­la­dens. Schau­spie­le­risch span­nend ist das Dar­stel­len eines selbst­be­zo­ge­nen Ego­is­ten, der im Laufe des Films lang­sam dazu­lernt. Denn Rob ist wahr­lich kein Engel, erst durch die Tren­nung von sei­ner Freun­din Laura ver­ar­bei­tet er seine Feh­ler und kann ein wenig über sei­nen Schat­ten sprin­gen. Und genau das ist schwie­rig als Schau­spie­ler, eine Figur mit all ihren Feh­lern und Schwä­chen zu ver­kör­pern. John Cusack ist das her­vor­ra­gend gelun­gen. Aber auch sei­nen bei­den unglei­chen Aus­hil­fen im Plat­ten­la­den ver­kör­pern Selbst­herr­lich­keit und fra­gile Schüch­tern­heit hervorragend.

Über­haupt ist die fil­mi­sche Umset­zung der Buch­vor­lage her­vor­ra­gend gelun­gen. Ste­phen Frears ist ein span­nen­der Regis­seur, der immer wie­der mit neuen Gen­res expe­ri­men­tiert. Im Inter­view sagte er ein­mal, dass ihn eher die aus­sichts­lo­sen Pro­jekte rei­zen als die ver­meint­lich siche­ren Erfolge. Und so konnte er zahl­rei­che Erfolge feiern.

Heute fand die erste Lek­tion des ZES-​​Kameratrainings statt. Ich habe mich für drei Lek­tio­nen ange­mel­det, wir sind zu dritt. Die heu­tige Auf­takt­ver­an­stal­tung nutzte Marco Hausammann-​​Gilardi für eine Ein­füh­rung in das Thema Film­schau­spiel. Denn wir alle hat­ten bis­her eher Thea­ter­er­fah­rung gesam­melt und die Gesetz­mä­ßig­kei­ten und Gepflo­gen­hei­ten der Film­bran­che waren für uns neu.

Weni­ger ist mehr

Die Unter­schiede zwi­schen Thea­ter und Film erge­ben sich aus der kom­plett ver­schie­de­nen Zuschau­er­per­spek­tive. Beim Thea­ter sit­zen die Leute im Zuschau­er­raum und sehen stets die gesamte Bühne. Da sich alles unmit­tel­bar vor ihren Augen abspielt, kön­nen sie selbst ent­schei­den, wohin sie schauen. Eine gute Insze­nie­rung wird natür­lich ver­su­chen, den Fokus auf eine bestimmte Hand­lung zu len­ken und durch Licht­tech­nik kön­nen Teile der Bühne aus­ge­blen­det wer­den, aber letzt­end­lich ent­schei­det jeder Zuschauer selbst, was ihm im Moment gerade wich­tig ist. Beim Film wird diese Ent­schei­dung durch die Wahl des Bild­aus­schnitts gefällt. Die Zuschauer sehen einen Fern­se­her oder eine Kino­lein­wand mit einem bestimm­ten Aus­schnitt und einem genau defi­nier­ten Fokus. Bei einer Nahein­stel­lung im Film sieht man einen Teil des Gesichts, typi­scher­weise Augen und Mund­par­tie. Der Zuschauer ist also viel näher dran als beim Thea­ter und nimmt jede Zuckung und jede Schweiß­perle wahr.

Ein klas­si­sches Bei­spiel für Gesichts-​​Nahaufnahmen ist Spiel mir das Lied vom Tod von Ser­gio Leone.

Aus die­sem Unter­schied in der Dis­tanz und Wahr­neh­mung resul­tiert ein deut­lich redu­zier­tes Spiel vor der Kamera. Man spielt weni­ger stark, muss aber trotz­dem extrem prä­sent und prä­zise sein.

Action!

Der zweite Unter­schied besteht darin, dass bei einer Film­pro­duk­tion extrem viele Leute am Dreh­ort mit den tech­ni­schen Aspek­ten der Auf­nahme und Beleuch­tung beschäf­tigt sind. Wenn das Licht auf­ge­baut ist, die Schie­nen und Kräne für die Kame­ra­fahr­ten ein­ge­rich­tet sind und das magi­sche Wort Action erklingt, muss der Schau­spie­ler seine Leis­tung brin­gen. Da jede Minute Geld kos­tet und die Zeit sehr genau ein­ge­teilt ist, bedeu­tet jede zusätz­li­che Auf­nahme eine Ver­zö­ge­rung und damit Zusatzkosten.

Und viel Zeit für Pro­ben gibt es nicht, als Schau­spie­ler muss man sehr gut vor­be­rei­tet an die Probe kom­men. Es gibt vor jeder Szene eine kurze Bespre­chung für alle Betei­lig­ten, zu denen auch die Schau­spie­ler gehö­ren, danach gibt es einige Pro­be­durch­läufe und dann wird die Szene mehr­mals mit ver­schie­de­nen Kame­ra­ein­stel­lun­gen gedreht. Je nach Regis­seur wer­den alle Ein­stel­lun­gen gemacht oder nur bestimmte, es muss aber immer genau gleich aus­se­hen, damit man dann auch schnei­den kann.

Tricks

Des­wei­te­ren gibt es etli­che Tricks, um Sze­nen fil­misch gut aus­se­hen zu las­sen, die aber ein unna­tür­li­ches Ver­hal­ten erfor­dern. Ein Bei­spiel ist Nähe. Nor­ma­ler­weise wür­den zwei Men­schen, die sich unter­hal­ten, in einem Abstand von viel­leicht einem Meter sit­zen. Fil­misch sieht das nicht wirk­lich gut aus, wenn man beide Köpfe im Bild haben möchte. Des­halb ver­rin­gert man den Abstand auf eine sehr nahe Dis­tanz, dann sieht das Bild bes­ser aus, die Köpfe neh­men einen grö­ße­ren Anteil des Bil­des ein und die Gesich­ter sind auch bes­ser erkennbar.

Fazit

Für mich klang das alles doch sehr abschre­ckend, da lobe ich mir doch die Thea­ter­welt, wo sich alles um die Schau­spie­ler dreht und die Tech­nik eine unter­ge­ord­nete Rolle spielt. Und außer­dem bin ich nicht wirk­lich sicher, ob mich die Kamera mag. Nächste Woche legen wir dann end­lich los mit dem Dre­hen, eine kurze Szene wird am Ende eine Film­mi­nute erge­ben. Ich bin gespannt.

Michael Caine: Weni­ger ist mehr. Klei­nes Hand­buch für Filmschauspieler

Der Film Brook über Brook (Brook by Brook) beginnt mit Kla­vier­mu­sik, Peter Brook spielt auf einem Leip­zi­ger Blüth­ner–Kla­vier. Der Mann ist mir sympathisch.

Das Por­trät des Soh­nes zeigt einen ruhe­lo­sen, viel­sei­ti­gen, undog­ma­ti­schen, expe­ri­men­tier­freu­di­gen Thea­ter– und Film­re­gis­seur. Immer wie­der ließ er alte Gewohn­hei­ten zurück, um neue Dinge aus­zu­pro­bie­ren. Ein­drück­lich die Zeit im Wan­der­thea­ter, mit dem er in Afrika haupt­säch­lich Impro­vi­sa­ti­ons­sze­nen kre­ierte. Ein Paar Schuhe reichte aus, um wun­der­bare, lus­tige Geschich­ten zu erfin­den. Die Tier­sze­nen waren auch sehr ein­drück­lich und erin­ner­ten mich ans Impro-​​Theater.

Die Übung mit der Schale wie­derum weckte Erin­ne­run­gen an meine Kurz­szene. Das über­ra­schende Fal­len­las­sen des Bechers war da ja das Pro­blem gewe­sen. Peter Brook lässt drei Schau­spie­ler eine ein­fa­che Übung machen, sie sol­len sich vor­stel­len, eine Schale zu tra­gen. Danach eine gefüllte Schale, auch das eine ein­fa­che Sache. Aber dann kam die Stei­ge­rung, wel­che den Profi vom Laien unter­schei­det, die Schale sollte fal­len­ge­las­sen wer­den. Über­ra­schung zu spie­len ist schwierig.

Das kür­zeste Ein­stel­lungs­ge­spräch, das man sich vor­stel­len kann: „Wol­len Sie auch rich­tig mit anpa­cken?” — „Klar.” — „Gut, Sie haben den Job.”


„Gut, Sie haben den Job.„

Es ist ein spe­zi­el­ler Job, ein geäch­te­ter, auf den sich der junge Prot­ago­nist da ein­lässt. Er berei­tet kürz­lich Ver­stor­bene auf die letzte Reise vor, nach einem ural­ten japa­ni­schen Ritual. Der Leich­nam wird gewa­schen, erhält ein schö­nes Gewand und wird zuletzt noch geschminkt. Das alles geschieht mit lang­sa­men, abge­mes­se­nen Bewe­gun­gen, wäh­rend die Trau­ern­den zuschauen. Es ist ein wich­ti­ger Moment, der meist sehr emo­tio­nal für alle Betei­lig­ten ist. Der Film zeigt die ver­schie­de­nen Aus­prä­gun­gen, von aus­bre­chen­den fami­liä­ren Kon­flik­ten zu lie­be­vol­len Abschieds­sze­nen — es ist alles dabei. Des­halb stellt sich die Frage, warum die­ser zutiefst mensch­li­che Beruf so geäch­tet ist.

Der japa­ni­sche Film Nokan — Die Kunst des Aus­klangs nähert sich dem Thema Ster­ben auf sen­si­ble und zugleich humo­ris­ti­sche Weise und ehrt einen ver­ach­te­ten und doch sehr not­wen­di­gen Beruf. Der Film hat auch ein paar Schwä­chen, am Ende ist er zu kit­schig, als der Prot­ago­nist sich auch noch mit sei­nem ver­stor­be­nen Vater ver­söhnt und aus sei­nen Hän­den jenen klei­nen Stein löst, den er ihm einst am Fluss gege­ben hat. Aber die Idee und Umset­zung sind ein­fach genial und ich kann den Film sehr empfehlen.

Das Bedürf­nis, wür­de­voll Abschied zu neh­men, ist über­all gleich, nur der Rah­men unter­schei­det sich. Bei der Bei­set­zung mei­nes Groß­va­ters saßen wir uns in einem Fried­hofs­häus­chen gegen­über. Ein trau­ri­ges Lied wurde gespielt, als wir den Raum betra­ten. In der Mitte des kar­gen Raums lagen auf einer Platte unsere Blu­men, etwas erhöht stand die schwarze Urne. Ein altes Bild von ihm in Uni­form schaute uns an und weckte Erin­ne­run­gen. Eine Frau sprach zu uns, erzählte von sei­nem lan­gen Leben. Ein Mensch, ein Leben, und vor uns ein Häuf­chen Asche in einer schwar­zen Urne. Die Trä­nen kamen wie von selbst. Für ihn als Athe­is­ten gibt es kei­nen Trost auf ein Leben im Jen­seits, das ein­zige Wei­ter­le­ben ist das in unse­rer Erin­ne­rung. Die Mol­dau von Bedřich Sme­tana, ein Fluss bahnt sich sei­nen Weg und mün­det schließ­lich ins Meer. Danach haben wir die Urne auf ihrem letz­ten Weg beglei­tet, sie wurde ins Grab abge­senkt, jeder konnte etwas Sand streuen und die Blu­men able­gen, dann war die kurze Zere­mo­nie been­det. Und am Abend lief wie­der die Bun­des­liga — der All­tag kam schnell zurück.

Ich will defi­ni­tiv andere Musik zu mei­ner Beer­di­gung, hier mal eine Auswahl.

  1. Pink Floyd — Shine On You Crazy Dia­mond (Part One)
  2. Norah Jones — The Long Day Is Over
  3. Keith Jar­ret — Ritooria
  4. Queen — The Show Must Go On

Und eigent­lich will ich auch eine andere Stim­mung: Trau­ert nicht um den Ver­lust, son­dern fei­ert ein zu Ende gegan­ge­nes Leben!

Der öster­rei­chi­sche Fil­me­ma­cher Erwin Wagen­ho­fer wagte sich in sei­nem neu­es­ten Film Let’s Make Money an ein Thema, das durch die Finanz­krise eine unge­heure Aktua­li­tät hat: Wie arbei­tet Geld und wohin fließt es? Nach­dem er sich in We Feed the World (2007) mit den Absur­di­tä­ten der Nah­rungs­mit­tel­er­zeu­gung und –ver­tei­lung beschäf­tigte, hat er nun mit dem glo­ba­len Finanz­sys­tem ein weit­aus kom­ple­xe­res Thema ange­packt. Im Gegen­satz zum zur­zeit viel­leicht bekann­tes­ten Doku­men­tar­fil­mer Michael Moore hält er sich kom­plett aus sei­nem Fil­men her­aus und somit an die klas­si­sche Lehre des Doku­men­tar­fil­mens. Damit erreicht er zwar kein Mil­lio­nen­pu­bli­kum wie Moo­res Filme, aber eine höhere Glaubwürdigkeit.

Ich finde die­sen Film abso­lut sehens­wert und kann ihm jeden ans Herz legen. In Zürich läuft er der­zeit im Arthouse Alba. Auf der gut gemach­ten Film­seite könnt ihr auch einen Trai­ler anschauen, der die wich­tigs­ten The­men anreißt.

Ver­ant­wor­tung

Für mich ist eine zen­trale Frage des Films die nach der Ver­ant­wor­tung für die bekann­ten unmensch­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen und Umwelt­zer­stö­run­gen in Län­dern wie Indien und China. So rich­tig mag die Ver­ant­wor­tung kei­ner über­neh­men. Die Fertigungs-​​Manager vor Ort sind durch Wett­be­wer­ber und ihre Inves­to­ren gezwun­gen, die nied­ri­gen Löhne zu zah­len und die schlud­rige Umwelt­ge­setz­ge­bung aus­zu­nut­zen. Die Inves­to­ren, im Film wird ein Fonds­ma­na­ger für Emer­ging Mar­kets inter­viewt, leh­nen die Ver­ant­wor­tung ebenso ab. Sie bekä­men schließ­lich Kapi­tal, um es gewinn­brin­gend ein­zu­set­zen. Der nächste Schritt sind die Eig­ner des Fonds, also zum Bei­spiel Ren­ten­ver­si­che­run­gen oder auch Pri­vat­per­so­nen. Und die legen ja nur Geld an und las­sen es arbei­ten, womit die Ver­ant­wor­tung am Ende nir­gendwo hän­gen bleibt.

Mich erin­nert diese Frage an einen Vor­trag, den ich wäh­rend mei­nes Aus­lands­stu­di­ums an der Vir­gi­nia Tech in den USA hörte. Der Vor­tra­gende unter­schied den Bereich, in wel­chem unser Han­deln wirkt und den Bereich, für den wir uns ver­ant­wort­lich füh­len. His­to­risch gese­hen hatte per­sön­li­ches Han­deln nur lokale Aus­wir­kun­gen und man fühlte sich auch nur für das Wohl­er­ge­hen der unmit­tel­ba­ren Umge­bung ver­ant­wort­lich. Somit waren beide Berei­che aus­ge­gli­chen. Das Leben in unse­rer moder­nen Gesell­schaft hat jedoch glo­bale Aus­wir­kun­gen, das Ben­zin kommt aus Russ­land, das T-​​Shirt aus Indien, die Ste­reo­an­lage aus China, der Strom wird mit nige­ria­ni­schem Uran her­ge­stellt, mein Ren­ten­fonds inves­tiert in Schwel­len­län­der. Die Schluss­fol­ge­rung dar­aus wäre nun, dass damit auch unser Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein glo­bal sein müsste, um mit den Aus­wir­kun­gen unse­res Han­delns Schritt zu hal­ten. Prin­zi­pi­ell gibt es nun zwei Mög­lich­kei­ten, wie man beide Berei­che in Ein­klang brin­gen kann. Zum einen sollte man den Bereich ver­klei­nern, in dem sein Han­deln wirkt. Die Extrem­form davon wäre ein Bauer, der sich kom­plett selbst ver­sorgt. Etwas mil­der aus­ge­drückt kann man ver­su­chen, nur regio­nale Waren ein­zu­kau­fen und seine Auto­fahr­ten und Flug­rei­sen ein­zu­schrän­ken. Zusätz­lich kann man auch sein Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein aus­deh­nen und inter­na­tio­nal tätige Orga­ni­sa­tio­nen unter­stüt­zen. Ich fand die­ses Modell sehr intui­tiv und nütz­lich, mei­nen eige­nen Kom­pro­miss zu finden.

Irak-​​Krieg

Eine sehr auf­schluss­rei­che Erklä­rung der bei­den ame­ri­ka­ni­schen Kriege im Irak lie­fert John Per­kins, der sich als Eco­no­mic Hit Man bezeich­net (Wirt­schafts­kil­ler). Seine Auf­gabe war die Ein­fluss­nahme auf Ent­wick­lungs­län­der, um ame­ri­ka­ni­sche Inter­es­sen durchzusetzen.

Die dabei ange­wandte Metho­dik bezeich­net er im Film selbst als mafiös. Dem betref­fen­den Land wird mit Hilfe der ame­ri­ka­nisch domi­nier­ten Welt­bank ein groß­zü­gi­ger Kre­dit gewährt. Die Mit­tel wer­den für Indus­trie– oder Infra­struk­tur­pro­jekte ein­ge­setzt, bei denen bevor­zugt ame­ri­ka­ni­sche Fir­men zum Zug kom­men. Das Geld ver­lässt also die USA gar nicht, son­dern bleibt im Land. Von die­sen „Ent­wick­lungs­pro­jek­ten” pro­fi­tiert nur eine kleine Min­der­heit im auf­stre­ben­den Land, die Zin­sen für den Kre­dit dür­fen dann aber alle beglei­chen. Meist gerät das Land dann auch in Zah­lungs­not und muss sich ander­wei­tig erkennt­lich zei­gen, bei UN-​​Abstimmungen oder dem Bau von Mili­tär­stütz­punk­ten. Falls das Land jedoch nicht die groß­zü­gige Ent­wick­lungs­hilfe in Form von Kre­di­ten annimmt, folgt die zweite Eska­la­ti­ons­stufe. Durch ein­ge­schleuste Agen­ten wird ver­sucht, den Macht­ha­ber abzu­lö­sen oder gar umzu­brin­gen. Wenn selbst das nicht den gewünsch­ten Erfolg bringt, mar­schiert das Mili­tär ein.

Im Falle des Irak sah sich Ame­rika noch in einem wei­te­ren Punkt bedroht – die glo­bale Vor­macht­stel­lung des Dol­lar basiert auf des­sen Bin­dung ans Erdöl. Genauer gesagt wird sämt­li­ches Erdöl nur gegen Dol­lar ver­kauft. Laut John Per­kins hatte sich Sad­dam Hus­sein zum einen sper­rig bei der Ent­wick­lungs­hilfe gezeigt (ers­ter Irak­krieg) und zudem kurz vor dem zwei­ten Irak­krieg damit gedroht, Erdöl auch in ande­ren Wäh­run­gen zu verkaufen.

Ich möchte anmer­ken, dass ich den Wahr­heits­ge­halt die­ser Anschul­di­gun­gen nicht über­prü­fen kann. Es ist die Dar­stel­lung eines Ein­zel­nen, wel­che auch durch Eigen­in­ter­es­sen wie höhere Buchs­ver­kaufs­zah­len geprägt sein kann. Den­noch wirft diese Dar­stel­lung ein inter­es­san­tes Licht und erklärt sehr gut den plötz­li­chen Drang Ame­ri­kas zur mili­tä­ri­schen Inter­ven­tion sowie die wenig über­zeu­gende und has­tig vor­ge­brachte Begrün­dung (Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen bedro­hen den Weltfrieden).

Spa­ni­sche Immobilienblase

Das dritte Thema, wel­ches ich an die­ser Stelle her­aus­grei­fen möchte, ist die spa­ni­sche Immo­bi­li­en­blase. Durch den stei­gen­den Wert von Immo­bi­lien, spe­zi­ell in Mee­res­nähe, kauf­ten zahl­rei­che Inves­to­ren Feri­en­woh­nun­gen. Dadurch stie­gen diese im Wert und die Blase blähte sich auf. Das Resul­tat sind hun­dert­tau­sende leer ste­hende Feri­en­woh­nun­gen und –häu­ser an der somit weit­ge­hend zube­to­nier­ten spa­ni­schen Mee­res­küste. Die spa­ni­schen Bau­fir­men konn­ten von die­sem Boom jah­re­lang pro­fi­tie­ren, jetzt ste­hen viele vor dem Aus. Ganz zu schwei­gen von den vie­len Pri­vat­an­le­gern, die sich ver­schul­de­ten, um sich eine sicher im Wert stei­gende Immo­bi­lie zu kaufen.

Kapi­tal­flucht und Steueroasen

Als Wahl­schwei­zer lebe ich in einem Land, des­sen Bank­ge­heim­nis welt­be­kannt ist. Kon­kret bedeu­tet dies, dass die Ban­ken Kun­den­da­ten nur bei Ver­dacht auf eine schwer­wie­gen­den Straf­tat her­aus­ge­ben. Jedoch zählt die Steu­er­hin­ter­zie­hung (Nicht­an­gabe von Ver­mö­gens­wer­ten und damit Zins­er­trä­gen) nicht dazu, so dass die Schweiz in die­sem Fall keine Rechts­hilfe leistet.

Ähnli­che Bestim­mun­gen haben noch viele wei­tere euro­päi­sche Staa­ten, der Film stat­tet der Kanal­in­sel Jer­sey einen Besuch ab. Somit ist es rela­tiv leicht, große Ver­mö­gen „arbei­ten zu las­sen” und die Ein­künfte steu­er­frei zu bezie­hen. Im Film wird geschätzt, dass bei nor­ma­ler Ver­steue­rung welt­weit jähr­lich 240 Mil­li­ar­den USD Steu­ern aus Kapi­tal­ein­künf­ten mehr zur Ver­fü­gung ste­hen könn­ten. Betrof­fen sind aber nicht nur die Indus­trie­na­tio­nen, son­dern auch viele Ent­wick­lungs­län­der, deren Eli­ten ihre Ver­mö­gen eben­falls ohne läs­tige Besteue­rung anlegen.

Ich kann aus die­ser Per­spek­tive das Behar­ren auf dem Schwei­zer Bank­ge­heim­nis nicht gutheißen.

Fazit

Der Film hat mir vor Augen geführt, zu wel­chen Exzes­sen unser Wirt­schafts­sys­tem fähig ist. Der Wohl­stand des Wes­tens basiert auf Aus­beu­tung und Umwelt­zer­stö­rung. Gewinne wer­den pri­va­ti­siert, Ver­luste ver­ge­sell­schaft­licht. Ich kann dies alles zwar nicht ändern, aber durch viele mei­ner Ent­schei­dun­gen beeinflussen.

Was kann man tun?

  1. Inves­tiere dein Geld in nach­hal­tige Anla­ge­for­men (siehe Geld­an­la­gen bei der Erklä­rung von Bern).
  2. Enga­giere dich in einer inter­na­tio­nal täti­gen Nicht-​​Regierungs-​​Organisation.
  3. Spende für eine inter­na­tio­nal tätige Nicht-​​Regierungs-​​Organisation.
  4. Kaufe regio­nale und sai­so­nale Lebensmittel.
  5. Mache Urlaub in der Nähe.
  6. Fahre mit dem Fahr­rad und öffent­li­chen Verkehrsmitteln.
  7. Ver­kaufe CDs mit Daten von Steu­er­flücht­lin­gen an deren Herkunftsland.