Was tun an einem regnerischen Januarsamstag? Rausgehen und fotografieren!
Regentropfen auf Tisch, Niederdorfstrasse
Originelles Stadtfahrrad, Grossmünsterplatz
Bellevue
Nächtliches Lichterspiel, Niederdorfstrasse
Was tun an einem regnerischen Januarsamstag? Rausgehen und fotografieren!
Regentropfen auf Tisch, Niederdorfstrasse
Originelles Stadtfahrrad, Grossmünsterplatz
Bellevue
Nächtliches Lichterspiel, Niederdorfstrasse
Ich friere. Trotz Thermo-Unterwäsche. Aber ich bin nunmal hier am Rheinfall, zusammen mit anderen Fotografen, die ich größtenteils zum ersten Mal sehe. Kameras, Objektive, Stative – das Arsenal ist beachtlich, mit dem wir auf die Welt losgehen, um sie festzuhalten, reduziert auf eine ästhetisch anmutende Essenz. Und wir frieren alle und sind doch wild entschlossen, noch ein paar Aufnahmen zu machen. Bei Wasserfällen empfehlen sich lange Belichtungszeiten, das Resultat sind märchenhafte Bilder, in denen das sprudelnde Wasser aussieht wie Milch.
Und an diesen Ort knüpft sich noch eine Erinnerung, eine VDE-Exkursion zu Dresdner Studienzeiten brachte mich zum ersten Mal in die Schweiz, vor ungefähr zehn Jahren. Wir besuchten das ABB-Forschungszentrum in Baden-Dättwil und eben den Rheinfall. Ich nahm sehr positive Eindrücke mit nach Hause, die Schweiz gefiel mir.
In drei Wochen haben wir Premiere, so langsam beginnt der Endspurt. Die meisten Sachen sind geklärt, jetzt müssen wir uns noch darum kümmern, dass auch tatsächlich Leute kommen. Eine erste Maßnahme war die Gestaltung eines passenden Plakats, wie letztes Jahr hatten wir erst in der Gruppe Ideen gesammelt, dann eine ausgewählt und fotografisch umgesetzt. Am Ende setzte sich das Duell-Motiv durch, bei dem sich ein männliches Mitglied der alten Zeit mit Steinschlosspistole und ein weibliches der neuen Zeit mit Laptop Rücken an Rücken gegenüber stehen. Den Hintergrund bildet ein Fraktal.
Fotografisch war das eine anspruchsvolle Aufgabe, denn ich musste ja die Leute freistellen, also den Foto-Hintergrund entfernen. Folglich brauchte ich einen farblich deutlich verschiedenen Hintergrund beim Fotografieren, denn dann kann man diesen Bereich leicht auswählen (Photoshop hat da so ein praktisches Werkzeug Farbbereich auswählen). Um volle Kontrolle über das Licht zu haben, lieh ich eine Blitzanlage beim Fotolabor des VSETH aus. In Verbindung mit einem blauen Hintergrund entstanden so schließlich die Fotos, welche als Grundlage für das Plakatmotiv dienten.
Der erste Durchlauf lief auch ganz gut, ich war aber primär mit Fotografieren beschäftigt. Deshalb haben wir schon jetzt extrem viele Bilder und man kann sich das Stück wie im Daumenkino anschauen. Falls ihr mich auf den Bildern sucht, es gibt nicht so viele Auftritte meinerseits in diesem Jahr. Ich bin diesmal mehr so schmückendes Beiwerk. Obwohl, zumindest habe ich den letzten und quasi stückentscheidenden Auftritt und ich darf Klavier spielen.
Drei Tage durchatmen, Theaterbesuch, Käsefondue, Pilatus, Flanieren am See — Besuche sind eine hervorragende Erfindung. Noch dazu so nette wie Kristina, die ich schon seit der Schule kenne. Gemeinsam verbrachten wir drei wundervolle, entspannte, ereignisreiche Tage. Das war für mich wie ein Kurzurlaub, andere Gedanken, Natur, Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Aber der für Mittwoch geplante Drehtermin fürs Schweizer Fernsehen warf seine Schatten voraus, auf dem Pilatus ereilte mich ein Anruf, dass die von mir programmierten Klänge zur falschen Zeit kämen. Und außerdem wäre noch dringend abzuklären, ob nicht die Vorhänge doch schon bis zum nächsten Mittwoch angebracht sein könnten. Aber abgesehen von diesem Schatten waren es sonnige Tage.
Charakteristisch dafür ist dieses Bild, aufgenommen am Seeufer am Zürihorn. Manchmal ist es eine einfache Geste, die einen schönen Blick kreiert. Noch dazu im grellen Tageslicht, welches sonst für zusammengekniffene Augen und damit einen leicht angespannten Ausdruck sorgte. Und der passte einfach nicht zur entspannten Sommerstimmung am See.
Am Donnerstag Abend besuchten wir noch Wer hat Angst vor Virginia Woolf? im Schauspielhaus Zürich. In letzter Zeit mag ich Stücke in kleiner Besetzung viel lieber, die sind einfach intensiver und man erlebt mehr Facetten der Schauspieler. In diesem Stück waren es lediglich zwei Paare, die uns für immerhin zwei Stunden vortrefflich unterhielten. Es gab schon auch ein paar Längen, aber insgesamt waren wir begeistert. Es war eine Reise in die ehelichen Abgründe vor allem des älteren Paares, sie nutzten die Anwesenheit der beiden jüngeren Gäste als Gelegenheit zum gegenseitigen Verletzen. Und das taten sie recht ausgiebig, nebenbei wurden auch ein gutes Dutzend Drinks geleert. Es ist halt immer noch am besten, mit menschlichen Abgründen einen Abend zu füllen, Harmonie lässt sich meist nicht so lang ausdehnen. In diesem Sinne komme ich auch zum Schluss dieser harmonischen, aber kurzen Beschreibung des letzten, verlängerten Wochenendes. Zum Abschluss noch ein Kontrastbild zur sommerlichen Seestimmung in Zürich — die schneebedeckten Alpengipfel, aufgenommen auf dem Pilatus bei Luzern.
Proben ist vor allem Warten. Man steht rum. Wartet auf seinen Einsatz. Nicht auffallen, damit nichts von den gerade im Mittelpunkt des Interesses Stehenden ablenkt. Und dann kommt der Einsatz. Man sagt diesen einen Satz, läuft dabei nach vorn, zieht Aufmerksamkeit auf sich, handelt, interagiert, wirft Seitenblicke, variiert die Tonlage und das Tempo. Dann zieht man sich unauffällig zurück, überlässt wieder den anderen die Bühne.
Passend zum Kriminal-Thema habe ich noch Portraitfotos von allen Schauspielern und unserem Regisseur gemacht. Jeder sollte so aussehen, als käme er als Täter in Frage. Deshalb ein dunkler Hintergrund und Blitz von der Seite.