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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Foto

Was tun an einem reg­ne­ri­schen Janu­ar­sams­tag? Raus­ge­hen und fotografieren!

Regen­trop­fen auf Tisch, Niederdorfstrasse

Ori­gi­nel­les Stadt­fahr­rad, Grossmünsterplatz

Bel­le­vue

Nächt­li­ches Lich­ter­spiel, Niederdorfstrasse

Ich friere. Trotz Thermo-​​Unterwäsche. Aber ich bin nun­mal hier am Rhein­fall, zusam­men mit ande­ren Foto­gra­fen, die ich größ­ten­teils zum ers­ten Mal sehe. Kame­ras, Objek­tive, Sta­tive – das Arse­nal ist beacht­lich, mit dem wir auf die Welt los­ge­hen, um sie fest­zu­hal­ten, redu­ziert auf eine ästhe­tisch anmu­tende Essenz. Und wir frie­ren alle und sind doch wild ent­schlos­sen, noch ein paar Auf­nah­men zu machen. Bei Was­ser­fäl­len emp­feh­len sich lange Belich­tungs­zei­ten, das Resul­tat sind mär­chen­hafte Bil­der, in denen das spru­delnde Was­ser aus­sieht wie Milch.

rheinfall bei nacht

Lang­zeit­be­lich­tung am Rhein­fall bei Schaffhausen

Und an die­sen Ort knüpft sich noch eine Erin­ne­rung, eine VDE-​​Exkursion zu Dresd­ner Stu­di­en­zei­ten brachte mich zum ers­ten Mal in die Schweiz, vor unge­fähr zehn Jah­ren. Wir besuch­ten das ABB-​​Forschungszentrum in Baden-​​Dättwil und eben den Rhein­fall. Ich nahm sehr posi­tive Ein­drü­cke mit nach Hause, die Schweiz gefiel mir.

In drei Wochen haben wir Pre­miere, so lang­sam beginnt der End­spurt. Die meis­ten Sachen sind geklärt, jetzt müs­sen wir uns noch darum küm­mern, dass auch tat­säch­lich Leute kom­men. Eine erste Maß­nahme war die Gestal­tung eines pas­sen­den Pla­kats, wie letz­tes Jahr hat­ten wir erst in der Gruppe Ideen gesam­melt, dann eine aus­ge­wählt und foto­gra­fisch umge­setzt. Am Ende setzte sich das Duell-​​Motiv durch, bei dem sich ein männ­li­ches Mit­glied der alten Zeit mit Stein­schloss­pis­tole und ein weib­li­ches der neuen Zeit mit Lap­top Rücken an Rücken gegen­über ste­hen. Den Hin­ter­grund bil­det ein Fraktal.

Foto­gra­fisch war das eine anspruchs­volle Auf­gabe, denn ich musste ja die Leute frei­stel­len, also den Foto-​​Hintergrund ent­fer­nen. Folg­lich brauchte ich einen farb­lich deut­lich ver­schie­de­nen Hin­ter­grund beim Foto­gra­fie­ren, denn dann kann man die­sen Bereich leicht aus­wäh­len (Pho­to­shop hat da so ein prak­ti­sches Werk­zeug Farb­be­reich aus­wäh­len). Um volle Kon­trolle über das Licht zu haben, lieh ich eine Blitz­an­lage beim Foto­la­bor des VSETH aus. In Ver­bin­dung mit einem blauen Hin­ter­grund ent­stan­den so schließ­lich die Fotos, wel­che als Grund­lage für das Pla­kat­mo­tiv dienten.

Der erste Durch­lauf lief auch ganz gut, ich war aber pri­mär mit Foto­gra­fie­ren beschäf­tigt. Des­halb haben wir schon jetzt extrem viele Bil­der und man kann sich das Stück wie im Dau­men­kino anschauen. Falls ihr mich auf den Bil­dern sucht, es gibt nicht so viele Auf­tritte mei­ner­seits in die­sem Jahr. Ich bin dies­mal mehr so schmü­cken­des Bei­werk. Obwohl, zumin­dest habe ich den letz­ten und quasi stü­ck­ent­schei­den­den Auf­tritt und ich darf Kla­vier spielen.

Drei Tage durch­at­men, Thea­ter­be­such, Käse­fon­due, Pila­tus, Fla­nie­ren am See — Besu­che sind eine her­vor­ra­gende Erfin­dung. Noch dazu so nette wie Kris­tina, die ich schon seit der Schule kenne. Gemein­sam ver­brach­ten wir drei wun­der­volle, ent­spannte, ereig­nis­rei­che Tage. Das war für mich wie ein Kurz­ur­laub, andere Gedan­ken, Natur, Sonne ins Gesicht schei­nen las­sen. Aber der für Mitt­woch geplante Dreh­ter­min fürs Schwei­zer Fern­se­hen warf seine Schat­ten vor­aus, auf dem Pila­tus ereilte mich ein Anruf, dass die von mir pro­gram­mier­ten Klänge zur fal­schen Zeit kämen. Und außer­dem wäre noch drin­gend abzu­klä­ren, ob nicht die Vor­hänge doch schon bis zum nächs­ten Mitt­woch ange­bracht sein könn­ten. Aber abge­se­hen von die­sem Schat­ten waren es son­nige Tage.

Cha­rak­te­ris­tisch dafür ist die­ses Bild, auf­ge­nom­men am See­ufer am Züri­horn. Manch­mal ist es eine ein­fa­che Geste, die einen schö­nen Blick kre­iert. Noch dazu im grel­len Tages­licht, wel­ches sonst für zusam­men­ge­knif­fene Augen und damit einen leicht ange­spann­ten Aus­druck sorgte. Und der passte ein­fach nicht zur ent­spann­ten Som­mer­stim­mung am See.

Am Don­ners­tag Abend besuch­ten wir noch Wer hat Angst vor Vir­gi­nia Woolf? im Schau­spiel­haus Zürich. In letz­ter Zeit mag ich Stü­cke in klei­ner Beset­zung viel lie­ber, die sind ein­fach inten­si­ver und man erlebt mehr Facet­ten der Schau­spie­ler. In die­sem Stück waren es ledig­lich zwei Paare, die uns für immer­hin zwei Stun­den vor­treff­lich unter­hiel­ten. Es gab schon auch ein paar Län­gen, aber ins­ge­samt waren wir begeis­tert. Es war eine Reise in die ehe­li­chen Abgründe vor allem des älte­ren Paa­res, sie nutz­ten die Anwe­sen­heit der bei­den jün­ge­ren Gäste als Gele­gen­heit zum gegen­sei­ti­gen Ver­let­zen. Und das taten sie recht aus­gie­big, neben­bei wur­den auch ein gutes Dut­zend Drinks geleert. Es ist halt immer noch am bes­ten, mit mensch­li­chen Abgrün­den einen Abend zu fül­len, Har­mo­nie lässt sich meist nicht so lang aus­deh­nen. In die­sem Sinne komme ich auch zum Schluss die­ser har­mo­ni­schen, aber kur­zen Beschrei­bung des letz­ten, ver­län­ger­ten Wochen­en­des. Zum Abschluss noch ein Kon­trast­bild zur som­mer­li­chen See­stim­mung in Zürich — die schnee­be­deck­ten Alpen­gip­fel, auf­ge­nom­men auf dem Pila­tus bei Luzern.

Pro­ben ist vor allem War­ten. Man steht rum. War­tet auf sei­nen Ein­satz. Nicht auf­fal­len, damit nichts von den gerade im Mit­tel­punkt des Inter­es­ses Ste­hen­den ablenkt. Und dann kommt der Ein­satz. Man sagt die­sen einen Satz, läuft dabei nach vorn, zieht Auf­merk­sam­keit auf sich, han­delt, inter­agiert, wirft Sei­ten­bli­cke, vari­iert die Ton­lage und das Tempo. Dann zieht man sich unauf­fäl­lig zurück, über­lässt wie­der den ande­ren die Bühne.

Pas­send zum Kriminal-​​Thema habe ich noch Por­trait­fo­tos von allen Schau­spie­lern und unse­rem Regis­seur gemacht. Jeder sollte so aus­se­hen, als käme er als Täter in Frage. Des­halb ein dunk­ler Hin­ter­grund und Blitz von der Seite.