Ein paar Gedan­ken zum Buch, inspi­riert durch die Kri­tik im Deutsch­land­funk, durch eine Sen­dung im DLF wurde ich auch auf das Werk aufmerksam.

Die erste Frage wäre die nach Assi­zia­tio­nen zum Titel, Kali. Kalium-​​Salz ist eine Mischung ver­schie­de­ner kali­um­hal­ti­ger Salz­ver­bin­dun­gen, Haupt­ver­ar­bei­tung erfolgt zu Dün­ger. In der Geschichte ist der weiße Salz­berg das Ziel der Reise der Prot­ago­nis­tin, sym­bol­haft steht das Salz für Reich­tum (Arbeits­plätze, Geruch­lo­sig­keit) und Zer­stö­rung (Gemälde in der Kir­che lei­den, gerö­tete Augen) zugleich. Die hin­du­is­ti­sche „schwarze” Göt­tin Kali von Tod und Zer­stö­rung zielt eher auf die weib­li­che Haupt­fi­gur ab. Sän­ge­rin und Ver­füh­re­rin der Mas­sen, bringt sie Tod all denen, die sich mit ihr ein­las­sen. Aber Kali ist auch eine phil­ip­pi­ni­sche Kampf­sport­art, bei wel­cher die Abwehr von Angrif­fen mit Stock und Mes­ser im Vor­der­grund steht. Die­ses Motiv wird durch den Vor­win­ter­wind im Buch auf­ge­grif­fen, wel­cher die töd­li­che Gefahr abwen­det. Schon der Titel ist viel­deu­tig, und die­ses Vage, Unbe­stimmte zieht sich durchs ganze Buch.

Eine Schlüs­sel­stelle ist die, wo eine Pfar­re­rin gegen die Gleich­gül­tig­keit wet­tert, mit der heute Böses geschieht. Die Stelle ist des­halb wich­tig, weil da viel von Handke selbst mit­schwingt, dem ent­täusch­ten 68er. Von die­ser Resi­gna­tion ist ein gro­ßer Teil des Buches betrof­fen, unaus­weich­lich nähert sich die Prot­ago­nis­tin dem wei­ßen Salz­berg und damit ihrem Tod. Denn so hat sie es ein­mal aus­ge­spro­chen, also muss es auch so gesche­hen. Doch es kommt anders, die Ret­tung vor die­sem tris­ten Ende weht in Form des Vor­win­ter­win­des heran, der vom Salz­herrn gehört und ver­stan­den wird. Dem­ent­spre­chend ist das Ende des Buches dann hoff­nungs­voll, die Welt wird geret­tet, das ver­misste Kind von der Frau gefun­den, ein Fest gefei­ert mit allem, was dazu gehört.