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mathias wellner

klar träumen, klar denken

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Tag: Henri Cartier-Bresson

Es ist immer wie­der schön, wenn sich Kreise schlie­ßen. Wenn Ver­bin­dun­gen zwi­schen Künst­ler­per­sön­lich­kei­ten offen­bar wer­den und man vom ande­ren schon was gehört hat!

Das Museum für Gestal­tung stellt zur Zeit das Lebens­werk des in Zürich gebo­re­nen Foto­gra­fen Rene Burri aus. Ich habe dar­über sogar schon einen Arti­kel in der AVETH-​​News geschrie­ben, und nach­dem ich wahr­schein­lich auf die­sem Weg schon Dut­zende Dok­to­ran­den in diese Aus­stel­lung geschickt habe, musste ich mir auch selbst ein Bild machen.

Ich war beein­druckt, schöne, jour­na­lis­ti­sche, ästhe­ti­sche Schwarz-​​Weiß-​​Fotos. Und eben ein paar andere Foto­gra­fen, wel­che ich schon kannte. Zum einen natür­lich Henri Cartier-​​Bresson, von ihm sah ich eine Aus­stel­lung in Ber­lin, kurz nach sei­nem Tod 2004. Dann aber auch Robert Frank, von dem wir eine Aus­stel­lung mit dem Insti­tut (IfA) anschau­ten. Es gibt also doch nur eine begrenzte Gilde von extrem wich­ti­gen Foto­gra­fen, so dass man nach einer gewis­sen Ein­ar­bei­tungs­zeit rasch wie­der Ver­trau­tes sieht.

Henri Cartier-​​Bresson — ich liebe die­sen Namen. Und neben­bei war er auch noch Foto­graf, in der gan­zen Welt unter­wegs, um den ent­schei­den­den Augen­blick ein­zu­fan­gen. La moment decisive. Es reg­nete spä­ter, also hatte wohl auch ich den pas­sen­den Moment gewählt, um dem trü­ben Sonn­tag doch noch etwas abzu­ge­win­nen. Sport und Kul­tur, denn ich fuhr mit dem Fahr­rad, und rückzu heißt es immer, sich die­sen stei­len Berg hoch­schin­den, mein ganz per­sön­li­ches Tour-​​de-​​France-​​Erlebnis heute.

Henri Cartier-​​Bresson war auch Fran­zose, und Foto­graf, aber das sagte ich schon. Im Kunst­haus Zürich schaute ich mir eine Aus­stel­lung an, über Bres­son und den Bild­hauer Alberto Gia­co­metti. Sie kann­ten sich, waren zweit­weise Weg­ge­fähr­ten. Bres­son machte irgend­wann ein Por­trät des Bild­hau­ers, wun­der­volle Schwarz-​​Weiß-​​Aufnahmen, sie hin­gen gleich links nach dem Ein­gang. Ein Gesicht, so mar­kant. Dunkle Augen, vol­ler Kraft bli­cken sie einen an. Ein Archetyp.

Die Berüh­rungs­punkte zwi­schen den bei­den waren wenige, das ange­spro­chene Por­trait, Skiz­zen in Paris, einige Doku­mente. Des­halb erhielt jeder der bei­den noch einen eige­nen Bereich, in dem er mit sei­nem Haupt­werk ver­tre­ten war. Bres­son mit eini­gen sei­ner bekann­tes­ten Foto­gra­fien, Gia­co­metto mit die­sen sur­rea­lis­ti­schen Sta­tuen, Men­schen redu­ziert auf einen Strich mit rie­si­gen Füßen und mar­kan­tem Kopf. Ist schlecht zu beschrei­ben, war mir auch etwas zu abs­trakt. Bres­son — immer wie­der staune ich über die Kom­po­si­tion, alles Schwarz-​​Weiß, Licht und Schat­ten, For­men, Men­schen, Gesich­ter — es passt ein­fach immer.

Vori­ges Jahr im August fuhr ich nach Ber­lin, um eine Aus­stel­lung anzu­se­hen, die aus­schließ­lich Bres­son gewid­met war. Kurz zuvor war er gestor­ben, was die mediale Auf­merk­sam­keit für einen kur­zen Moment auf die­sen Foto­gra­fen lenkte. Mat­thias war gerade in Ber­lin, danach leg­ten wir uns den Tier­gar­ten und penn­ten. Es war ein­fach ein zu drü­cken­der Tag, die kurze Anstren­gung der Aus­stel­lung mit ziem­lich vie­len Besu­chern gab uns den Rest. Wir lagen da und schlie­fen, die Bil­der gin­gen mir durch den Kopf, alles Schwarz-​​Weiß, Komposition.