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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Inszenierung

Der erste Höhe­punkt bei den Aarauer Thea­ter­ta­gen war Yas­mina Reza’s Stück Kunst. Phil­ipp Lenz insze­nierte das Stück mit dem Thea­ter Mun­ta­nellas bereits 2010.

Es geht um drei Her­ren, deren lang­jäh­rige Freund­schaft durch den Kauf eines sehr teu­ren wei­ßen Gemäl­des auf die Probe gestellt wird. Serge hat 200 000 für weiße Strei­fen auf wei­ßem Unter­grund bezahlt und ist stolz dar­auf. Marc hält das Gemälde für eine „Scheiße” und sagt das Serge ins Gesicht. Yvan, der gut­mü­tige, erfolg­lose, bald ver­hei­ra­tete Papier­wa­ren­ver­tre­ter gerät zwi­schen die Fron­ten und ver­sucht zwi­schen den bei­den Prin­zi­pi­en­rei­tern zu ver­mit­teln. Es ent­wi­ckelt sich eine sprach­ge­wal­tige Eska­la­tion, die aber bald wie­der ver­söhn­li­cher wird.

Das Stück ist sehr sprach­las­tig, Marc und Serge sind Bil­dungs­bür­ger und wer­fen mit Zita­ten um sich. Und auch ihre Art sich aus­zu­drü­cken ist kom­plex und gesto­chen. Da muss ich den bei­den Schau­spie­lern Tri­but zol­len, sie haben es größ­ten­teils geschafft, die gesto­chene Spra­che des Stücks zu ihrer eige­nen zu machen. Ver­ein­zelt klappte es nicht ganz und man hörte her­aus, dass es Schwei­zer sind. Yvan ist da ein­fa­cher gestrickt. Dafür hat er einen sen­sa­tio­nel­len Mono­log, als er ver­spä­tet zu einer Ver­ab­re­dung kommt und von einem dra­ma­ti­schen Streit wegen sei­ner Hoch­zeits­ein­la­dun­gen berichtet.

Vor vie­len Jah­ren sah ich das Stück in Dres­den, und an die­sen Mono­log kann ich mich noch jetzt gut erin­nern. Ich fand den Mono­log damals in Dres­den authen­ti­scher gespielt. Der Dresd­ner Yvan kam völ­lig atem­los rein und es brach wie ein Was­ser­fall aus ihm her­aus, er holte keine Luft. In Aarau spürte ich mehr Dis­tanz, Yvan wech­selte die Posi­tion, deu­tete Tele­fon­hö­rer an, er war kon­trol­lier­ter und sprach mit Pausen.

Das Büh­nen­bild war sehr ein­fach gehal­ten, schwarze Wände und ein paar Stühle. Aber das ist durch das Stück gar nicht anders mög­lich, das weiße Bild muss im Zen­trum ste­hen. Und zuviel Deko­ra­tion würde die Auf­merk­sam­keit vom Bild ablen­ken. Drei Men­schen und ein wei­ßes Bild von 120×90. Das genügt für Theater.

Alles in allem eine sehr gelun­gene Insze­nie­rung, die ich mit gro­ßer Anteil­nahme mit­er­lebt habe. Das Stück selbst gefällt mir sogar noch bes­ser als Der Gott des Gemet­zels.

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Schön, Thea­ter mal wie­der pas­siv zu erle­ben, ein­fach dasit­zen und genie­ßen. Das Schau­spiel­haus spielte Die Panne von Fried­rich Dürrenmatt.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Der Geschäfts­mann Alfred Traps hat eine Panne und stran­det in einem klei­nen Dorf. Da alle loka­len Gast­häu­ser durch ein Tref­fen des Kleintierzüchter-​​Vereins besetzt sind, emp­fiehlt man ihm das Haus eines pen­sio­nier­ten Rich­ters. Dort wird er herz­lich emp­fan­gen, der Haus­herr hat zudem noch ein paar eben­falls pen­sio­nierte Kol­le­gen zu Besuch. Der Gast soll an einem Spiel teil­neh­men, die alten Her­ren insze­nie­ren eine Gerichts­ver­hand­lung in ihren alten Rol­len. Traps steht als Ange­klag­ter im Mit­tel­punkt der Ver­hand­lung. Das Ver­bre­chen ist eben­falls rasch gefun­den, sein ehe­ma­li­ger Chef starb an einem Herz­in­farkt, woran Traps durch eine Affäre mit der Frau des Chefs einen gewis­sen Anteil hatte. Am Anfang noch von sei­ner Unschuld über­zeugt, hält sich Traps nach dem Ver­hör des gewief­ten Staats­an­walts schließ­lich für schul­dig und erhängt sich nachts in sei­nem Zimmer.

Der Regis­seur setzte zur Umset­zung die­ses hand­lungs­ar­men Stü­ckes auf Rituale und Wie­der­ho­lun­gen, musi­ka­li­sche Ein­la­gen und ein bom­bas­ti­sches Büh­nen­bild mit ver­tä­fel­ten Wän­den, Par­kett­bo­den und sich absen­ken­den Lam­pen. Es war schön zu sehen, wie wenig es manch­mal braucht. Die Panne stellte der Dar­stel­ler des Geschäfts­man­nes vor schwar­zem Vor­hang durch Mund­ge­räu­sche dar. Dafür war das Ansto­ßen bei den gefühl­ten zwan­zig Gän­gen durch ein ein­ge­spiel­tes Geräusch rea­li­siert, wohl aus Zeit– und Klang­grün­den. Es zog sich schon etwas, die Stühle um mich knarr­ten immer mehr. Den­noch, eine gelun­gene Insze­nie­rung des Klas­si­kers, wel­che die The­men Schuld und Sühne in den Mit­tel­punkt stellte.

Im Rah­men des Zür­cher Thea­ter­spek­ta­kels besuchte ich heute die Römi­schen Tra­gö­dien der hol­län­di­schen Gruppe Toneel­groep Ams­ter­dam. Aus­gangs­punkt der ambi­tio­nier­ten Pro­duk­tion waren die drei Shakespeare-​​Tragödien Corio­la­nus, Julius Cae­sar, and Ant­ony and Cleo­pa­tra. Die Insze­nie­rung nutzte eine moderne Über­set­zung ins Hol­län­di­sche (soweit ich das anhand der deut­schen Simul­tan­über­ti­tel beur­tei­len kann) und stellte alle wesent­li­chen Cha­rak­tere in Business-​​Kleidung dar. Ort war eben­falls eine Business-​​Lounge, als Zuschauer konnte man sich frei bewe­gen. Ich pro­bierte das auch aus, jedoch spiel­ten die meis­ten Sze­nen dann doch auf der Bühne zwi­schen Lounge und Zuschau­er­raum, so dass man vom nor­ma­len Sitz­platz den bes­ten Blick auf die Gescheh­nisse hatte. Kame­ras fin­gen das Gesche­hen ein und stell­ten es auf Bild­schir­men in der Lounge dar, ich fand das aber mit der Zeit etwas anstrengend.

Anstren­gend ist über­haupt ein gutes Wort, da ich Hol­län­disch nicht wirk­lich ver­stand, musste ich stän­dig auf die Titel schauen. Und diese Tren­nung zwi­schen Schau­spie­ler und Text ist ein­fach anstren­gend, auch wenn man sich ein wenig daran gewöhnt. Aber man kann dem Gesche­hen ein­fach nicht so unmit­tel­bar fol­gen wie bei einem Stück, des­sen Spra­che man versteht.

Der abso­lute Höhe­punkt war die Grab­rede von Mar­cus Anto­nius, der nach Mar­cus Iunius Bru­tus spricht und seine Rede mit den berühmt gewor­de­nen Wor­ten „Freunde, Römer, Lands­leute, leiht mir euer Ohr” ein­lei­tet. Nach­dem Bru­tus dem Volk gerade erklärt hat, dass Cäsar nach der Allein­herr­schaft gegrif­fen hatte und seine Ermor­dung im Inter­esse der Repu­blik gele­gen hatte, kann Anto­nius mit einer flam­men­den Rede das Volk gegen die Atten­tä­ter ein­neh­men. Es war wun­der­voll insze­niert, er schmiss sein Manu­skript weg, setzte sich vor das Red­ner­pult hin, den Trä­nen nahe und sprach frei von der Leber weg. Dann ging er auch in den Zuschau­er­raum hin­ein, um den wah­ren Erben Cäsars nahe zu sein. Es war bewegend.

Anto­nius: Mit­bür­ger! Freunde! Römer! hört mich an:
Begra­ben will ich Cäsarn, nicht ihn prei­sen.
Was Men­schen Übles tun, das über­lebt sie,
Das Gute wird mit ihnen oft begra­ben.
So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Bru­tus
Hat euch gesagt, daß er voll Herrsch­sucht war;
Und war er das, so war’s ein schwer Ver­ge­hen,
Und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt.
Hier, mit des Bru­tus Wil­len und der andern
(Denn Bru­tus ist ein ehren­wer­ter Mann,
Das sind sie alle, alle ehren­wert),
Komm ich, bei Cäsars Lei­chen­zug zu reden.
Er war mein Freund, war mir gerecht und treu;
Doch Bru­tus sagt, daß er voll Herrsch­sucht war,
Und Bru­tus ist ein ehren­wer­ter Mann.
Er brachte viel Gefangne heim nach Rom,
Wofür das Löse­geld den Schatz gefüllt.
Sah das der Herrsch­sucht wohl am Cäsar gleich?
Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Cäsar;
Die Herrsch­sucht sollt aus här­term Stoff bestehn.
Doch Bru­tus sagt, daß er voll Herrsch­sucht war,
Und Bru­tus ist ein ehren­wer­ter Mann.
Ihr alle saht, wie am Luper­cus­fest
Ich drei­mal ihm die Königs­krone bot,
Die drei­mal er gewei­gert. War das Herrsch­sucht?
Doch Bru­tus sagt, daß er voll Herrsch­sucht war,
Und ist gewiß ein ehren­wer­ter Mann.
Ich will, was Bru­tus sprach, nicht wider­le­gen;
Ich spre­che hier von dem nur, was ich weiß.
Ihr lieb­tet all ihn einst nicht ohne Grund;
Was für ein Grund wehrt euch, um ihn zu trau­ern?
O Urteil, du ent­flohst zum blö­den Vieh,
Der Mensch ward unver­nünf­tig! — Habt Geduld!
Mein Herz ist in dem Sarge hier beim Cäsar,
Und ich muß schwei­gen, bis es mir zurückkommt.

Aus­zug aus der Über­set­zung von August Wil­helm von Schle­gel

Was für ein Stück! Ich bin beein­druckt, schwelge immer noch in süßen Erin­ne­run­gen. Genial Tom Quaas als macht­be­ses­se­ner Tyrann, der für die Königs­krone über Lei­chen geht und dann, am Ziel sei­ner Träume, unfä­hig ist zu regie­ren. Seine Wand­lung vom eis­kal­ten Macht­men­schen zum wahn­sin­ni­gen, selbst­zer­stö­re­ri­schen Dik­ta­tor war wun­der­bar zu beobachten.

Was ich nicht ganz so toll fand, war die Büh­nen­tech­nik, die im Über­maß ein­ge­setzt wurde. Stän­dig drehte sich eine Wand oder ein Bogen im Kreise herum, diese Dreh­scheibe nahm einen Groß­teil der Bühne ein und zwang die Schau­spie­ler gele­gent­lich zu lus­tig anzu­schau­en­den Seit­wärts­schrit­ten, die so aus­se­hen soll­ten, als blie­ben sie am Fleck.

Zitate

Nun ward der Win­ter unsers Miß­ver­gnü­gens
Glor­rei­cher Som­mer durch die Sonne Yorks;
Die Wol­ken all, die unser Haus bedräut,
Sind in des Welt­meers tie­fem Schoß begraben.

Ein Pferd! ein Pferd! mein König­reich für ein Pferd!

Heute hatte ich mit Mario das erste Arbeits­tref­fen zur Abschieds­le­sung von Nove­cento. Wir haben das Buch durch­ge­ar­bei­tet und über­legt, wer wel­che Abschnitte liest. Das ist wirk­lich Arbeit, da man viele Ent­schei­dun­gen tref­fen muss und die Lesung quasi schon vor dem inne­ren Auge vor­weg­ge­nom­men wird. Das hat dann auch so an die drei Stun­den gedau­ert, wobei wir auch zwi­schen­durch ein paar Pau­sen gemacht haben. Aber wir sind bis zum Ende gekom­men. Die wei­te­ren Fra­gen (wie wer­den ein­zelne Sze­nen am bes­ten umge­setzt oder gar schau­spie­le­risch insze­niert) wer­den wir beim nächs­ten Tref­fen klären.

Der Ter­min steht lei­der noch nicht fest, es gab da Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­bleme mit den ver­ant­wort­li­chen Leu­ten. Am Mon­tag wird sich das Ganze hof­fent­lich klä­ren. Meine Prä­fe­renz liegt auf dem 15. Juni — alter­na­tiv nannte ich den 07. Juni. Hof­fent­lich klappt das noch…

An Requi­si­ten werde ich die fol­gen­den Sachen brau­chen, falls ihr was habt, mel­det euch bitte:

  • Musik: kur­zes, jaz­zi­ges Trom­pe­ten­stück oder jemand, der das halt macht
  • Goldzahn-​​Attrappe
  • Musik: Dixieland-​​Musik
  • Uni­form eines Schiffsmusikers
  • Dynamit-​​Kiste
  • rech­ter Arm (von Schaufenster-​​Puppe)
  • Sound: Unwet­ter, Orkan, tosen­des Meer
  • Kamelhaar-​​Mantel
  • Hut