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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: klettern

Der Herbst hat begon­nen, aber es gibt halt die­ses aller­letzte schöne Wochen­ende, das man noch nut­zen muss, ein biss­chen Sonne ein­fan­gen, drau­ßen sein, klet­tern. Und dann gibt es noch ein wirk­lich aller­letz­tes schö­nes Wochen­ende, und noch eins. Wird der Win­ter jemals kommen?

In der Nähe der Stadt Schwyz erhe­ben sich zwei male­ri­sche Fels­ke­gel über das Umland – die bei­den Mythen. Auf den Gro­ßen Mythen führt ein gut aus­ge­bau­ter Wan­der­weg, auf sei­nen klei­nen Bru­der ein alpi­ner Wan­der­weg für die Leute, die das wirk­lich wol­len. Wer es noch schwie­ri­ger mag, fin­det im Mythen-​​Gelände auch reine Klet­ter­rou­ten. Und eine sol­che knöpf­ten wir uns zu viert an die­sem son­ni­gen Sonn­tag vor.

Wir wähl­ten die ein­fachste Route zum Zwi­schen­pla­teau, wel­che im Klet­ter­füh­rer mit III+ aus­ge­wie­sen war. Trotz die­ser rela­tiv gerin­gen Schwie­rig­keit brauch­ten wir recht lange, an die vier Stun­den waren wir mit den elf Seil­län­gen beschäf­tigt. Wir ver­lo­ren Zeit vor allem beim Sichern und Nach­ho­len, außer­dem erwie­sen sich die engen Klet­ter­schuhe als unprak­tisch auf dem sehr gra­si­gen Auf­stieg. Wan­der­schuhe mit Pro­fil­sohle reich­ten völ­lig aus. Zusätz­lich star­te­ten hin­ter uns noch wei­tere Seil­schaf­ten, die wesent­lich erfah­re­ner und schnel­ler waren und unse­ren Weg teil­weise kreuz­ten. Den zwei­ten Abschnitt bestrit­ten wir dann auf einem schö­nen IIer Grat­weg. Es war ein sehr sch¨ner Auf­stieg, auf dem Gip­fel wur­den wir dann auch von den Wan­de­rern neu­gie­rig beäugt und nach Ein­zel­hei­ten des Weges aus­ge­fragt. Aber mit Helm und Son­nen­brille passte ich wohl in das Kli­schee des ver­we­ge­nen Klet­te­rers, wenn­gleich mir dies nach dem leich­ten IIer Auf­stieg etwas unpas­send vorkam.

Fas­zi­na­tion Klet­ter­steig — an einer stei­len Wand hän­gen, sichere Tritte und Griffe, die schiere Höhe über­win­den. Mit Mat­thias gönnte ich mir Ende Juni einen als „her­aus­for­dernd” und „nichts für Anfän­ger” ein­ge­stuf­ten Klet­ter­steig in der Nähe von Engelberg.

Stairway to Heaven

Stair­way to Hea­ven by well­n­air

In der Nähe von Zürich befin­det sich in einem aus­ge­dien­ten Gebäude des Gas­wer­kes eine rie­sige Klet­ter­halle (Web­seite), nach eige­nen Anga­ben das größte Indoor-​​Kletterzentrum der Welt. Es ist für jeden etwas dabei, die Schwie­rig­kei­ten sind breit gestreut. Die kras­ses­ten Wege sind eigent­lich nur gigan­ti­sche Über­hänge, abge­löst von nicht ganz so kras­sen Über­hän­gen. Naja, das ist momen­tan noch nichts für mich.

Ges­tern war mein schwie­rigs­ter Weg eine 5c+ (fran­zö­si­sche Skala), das ent­spricht einer säch­si­schen VIIa. War aber vor allem ein Ausdauer-​​Weg, jedoch sind das ja ohne­hin die meis­ten Wege in der Halle. Denn der Weg ist durch die far­bi­gen Griffe nicht wirk­lich schwie­rig zu fin­den, so dass die Schwie­rig­keit aus­schließ­lich durch Grif­f­ab­stand, Griff­be­schaf­fen­heit und Über­hang defi­niert wird.

Alex — der Wahl­pa­ri­ser — ist zur Zeit mal wie­der in Dres­den. Mit ihm und Arne unter­nahm ich heute einen klei­nen Klet­ter­aus­flug zur Gro­ßen Huns­kir­che. Die­ser Fel­sen ist wirk­lich eines der Wahr­zei­chen der Säch­si­schen Schweiz. Vom Tal her kom­mend, sieht man einen rie­si­gen Turm. Der Name kommt wohl daher, dass die Gip­fel­form an einen kau­ern­den Hund erin­nert, zusam­men mit der ein­drucks­vol­len Größe ent­stand wohl so der Begriff „Hunskirche”.

Abendstimmung
Abend­stim­mung am Pabststein, links ist die Sil­hou­ette der Gro­ßen Huns­kir­che zu erkennen

Wir mach­ten nur einen Weg. Aber die­ser hatte es dafür in sich, hin­ter dem lyri­schen Namen Voll­stän­dig Ver­lo­rene Illu­sion ver­barg sich eine VIIc. Einen so schwe­ren Weg bin ich noch nie geklet­tert. Der Name kommt wohl daher, dass man am Fuße des Weges noch die Illu­sion hat, so schwer würde es schon nicht wer­den. Und man sieht auch einige Griffe und Löcher an die­ser Wand, die eben­falls zur Illu­sion des ein­fach mach­ba­ren Weges bei­tra­gen. Doch schon am ers­ten Ring ist ein ziem­lich schwie­ri­ger Zug zu bewäl­ti­gen, und es kom­men dann noch ein paar mehr von dem Kali­ber. Meine Arme wurde immer schwe­rer, am Ende konnte ich auch große Griffe nicht mehr so rich­tig hal­ten. Den letz­ten schwie­ri­gen Zug schaffte ich dann auch ein­fach nicht, ich musste in den Ring grei­fen, habe den Weg also nur durch diese nicht erlaubte Hilfe (Spritze) geschafft. Im Prin­zip also nicht richtig.

Den­noch, es zeigte sich mal wie­der, wie wenig man braucht, um an einer Wand hoch­zu­kom­men. Stel­len­weise habe ich doch sehr gezwei­felt, aber es fand sich immer ein Griff oder ein Tritt um weiterzukommen.