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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Schweiz

Es ist kein Geheim­nis — viele Schwei­zer füh­len sich von der wach­sen­den Zahl der Deut­schen beun­ru­higt und fürch­ten eine Über­frem­dung. Nun hat die Schwei­zer Boulevard-​​Zeitung Blick eine Serie gestar­tet (Wie viele Deut­sche ver­trägt die Schweiz?), wel­che die Gemü­ter erre­gen soll. Als unmit­tel­bar Betrof­fe­ner werde ich aber trotz­dem meine media­len Gewohn­hei­ten nicht ändern und diese Zei­tung wei­ter­hin nicht kaufen.

Den­noch, wenn das Schwei­zer BILD-​​Äquivalent ein sol­ches Thema auf­greift und groß her­aus­bringt, lässt das schon einige Rück­schlüsse zu. Es gibt eine Abnei­gung gegen Deut­sche in der Schweiz. Die Schwei­zer, wel­che ich kenne, würde ich nicht als alle­ma­no­phob ein­schät­zen. Aber den­noch gibt es einige Kli­schees über Deut­sche, wel­che auch zum Teil begrün­det sind. Zum Ers­ten tre­ten Deut­sche meist selbst­be­wuss­ter auf und reden aggres­si­ver. Es geht schnel­ler, man neigt eher zum Unter­bre­chen des Gesprächs­part­ners und viele Wör­ter klin­gen in Schwei­zer Ohren recht hart. Dies über­rum­pelt viel Schwei­zer, aus deren Sicht die Deut­schen sich dann schlicht rüpel­haft auf­füh­ren. Ein wenig erin­nert mich diese Sicht an die Ost-​​West-​​Mentalitätsunterschiede, wenn­gleich die wenigs­ten Schwei­zer von die­ser inner­deut­schen Pro­ble­ma­tik wis­sen. Von daher schei­det die mir nahe lie­gende Mög­lich­keit einer Alli­anz von Ost­deut­schen und Schwei­zern gegen die Wes­sis lei­der aus. Bezie­hungs­weise die nahe lie­gende Ein­schrän­kung der bösen Kli­schees auf die Bewoh­ner der west­li­chen Bun­des­län­der. Somit bin auch ich gemeint, als ein Bewoh­ner des gro­ßen nörd­li­chen Nach­bar­kan­tons, wel­cher die Schweiz lang­sam unterwandert.

Fas­zi­na­tion Klet­ter­steig — an einer stei­len Wand hän­gen, sichere Tritte und Griffe, die schiere Höhe über­win­den. Mit Mat­thias gönnte ich mir Ende Juni einen als „her­aus­for­dernd” und „nichts für Anfän­ger” ein­ge­stuf­ten Klet­ter­steig in der Nähe von Engelberg.

Stairway to Heaven

Stair­way to Hea­ven by well­n­air

Weltwoche

Apr 7
Allgemein

War ich bis­lang der fast unum­stöß­li­chen Über­zeu­gung, dass es keine bes­sere (Wochen-)Zeitung als die ZEIT gäbe, muss ich dies jetzt revi­die­ren. Auch die Schweiz hat neben der all­seits bekann­ten Tages­zei­tung Neue Zür­cher Zei­tung (NZZ) eine gute Wochen­zei­tung zu bie­ten, näm­lich die Welt­wo­che. Dank mei­ner Lesung beim Kul­tur­fes­ti­val letz­ten Dezem­ber kam ich in den Genuss eines Jah­res­a­bos besag­ter Zei­tung. Erst jetzt habe ich das ein­ge­löst, vor­her hatte ich näm­lich noch ein Pro­be­abo der NZZ am Sonn­tag lau­fen. Nach­dem das abge­lau­fen war, war die Bahn frei für eine neue wöchent­li­che intel­lek­tu­elle Anre­gung print­tech­ni­scher Natur.

Mit der ers­ten Aus­gabe bin ich recht zufrie­den, die Arti­kel sind schön hin­ter­grün­dig, nur mit der opti­schen Auf­ma­chung der ZEIT kann sich die Welt­wo­che nicht so recht mes­sen. Auch die schöne Mög­lich­keit, auf Arti­kel zu ver­lin­ken, funk­tio­niert nicht, da die Inhalte aller Arti­kel nur den Abbo­nen­ten vor­be­hal­ten sind. Pro Aus­gabe gibt es den­noch einige frei zugäng­li­che Arti­kel, so dass man auch mal rein­schnup­pern kann.

Nach­trag (August 2009): Nach einem Jahr Weltwoche-​​Abo kehrte ich reu­mü­tig zur ZEIT zurück. Die popu­lis­ti­sche Mach­art der Welt­wo­che, vor allem das Leug­nen des vom Men­schen ver­ur­sach­ten Kli­ma­wan­dels, hat­ten auf Dauer abschre­ckend gewirkt.

Gott sei Dank! Ich kann erst­mal hier blei­ben. Die Abstim­mung zur Per­so­nen­frei­zü­gig­keit ergab ein uner­war­tet deut­li­ches JA (siehe Arti­kel der Neus­ten Zür­cher Zei­tung).

Heute fin­det in der Schweiz die Abstim­mung zur Per­so­nen­frei­zü­gig­keit der neuen EU-​​Beitrittsländer statt. Es ist eine wich­tige Abstim­mung, wie auch der ZEIT-​​Artikel Alpen­traum betont. Im Grunde geht es auch um die Zukunft der deut­schen Ein­wan­de­rer, von denen es in den letz­ten Jah­ren immer mehr gibt. Denn wenn die Schweiz mit Nein stimmt, könnte das die Bezie­hun­gen zur EU ver­schlech­tern und sämt­li­che bila­te­rale Abkom­men stün­den auf dem Prüfstand.