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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Laientheater

Elf Schau­spie­ler, ein Regis­seur, sechs Fla­schen Wein, ein Kof­fer­raum voll Ess­wa­ren, ein Haus in Frau­en­feld — das waren die Zuta­ten für das erste Pro­be­wo­chen­ende der lau­fen­den aki­tiv–Pro­duk­tion „Arka­dien” (Tom Stop­pard). Abge­schie­den vom Lärm der Groß­stadt kon­zen­trier­ten wir uns auf das Stel­len von Sze­nen. Wobei eigent­lich immer nur ein Teil der Leute mit Pro­ben direkt beschäf­tigt war, die ande­ren lern­ten Text, koch­ten oder jon­glier­ten mit Mandarinen.

An die­sem frü­hen Sta­dium der Pro­duk­tion kom­men eigent­lich alle Sze­nen mal dran und wer­den gestellt. Das Ziel ist dabei, dass jedem klar ist, wann er wo sein muss. Manch­mal schreibt der Text diese Dinge schon recht genau vor, aber sehr oft hat man da gro­ßen Frei­raum oder merkt, dass die Anga­ben im Text nicht funk­tio­nie­ren. Meis­tens fängt man irgend­wie an, pro­biert ein paar Kon­stel­la­tio­nen aus und merkt dann recht schnell, was am bes­ten aus­sieht und von den Schau­spie­lern als natür­lich emp­fun­den wird. Im Prin­zip beginnt schon an die­ser Stelle der Pro­zess des Recht­fer­ti­gens, jede Bewe­gung, jeder Auf– und Abgang wol­len begrün­det sein. Es ist viel ein­fa­cher, sich ein gerecht­fer­tig­tes Ziel für eine Bewe­gung auf der Bühne zu set­zen als ein­fach mal nach rechts zu gehen, weil als nächs­tes jemand von links kommt, den man sonst ver­deckt. Der Regis­seur ach­tet aufs Gesamt­bild, der Schau­spie­ler muss für sich seine Hand­lun­gen recht­fer­ti­gen. Als erfah­re­ner Schau­spie­ler kann man sich an die­ser Stelle auch schon sehr stark ein­brin­gen und dafür sor­gen, dass keine total komi­schen Bewe­gun­gen ste­hen blei­ben. Je mehr Leute auf der Bühne sind, desto schwie­ri­ger. Des­halb sind die dyna­mi­schen Mas­sen­sze­nen so schwie­rig zum Inszenieren.

Wenn jedem Schau­spie­ler seine Posi­tion klar ist, kann man dann wei­ter arbei­ten, zum Bei­spiel am grund­sätz­li­chen Cha­rak­ter, der auch ins Gesamt­bild pas­sen muss. Auch damit haben wir zum Teil schon begon­nen, meine Rolle des Land­schafts­ar­chi­tek­ten wird jetzt sehr in Rich­tung clow­nes­ker Visio­när gehen, um in diese Szene etwas Schwung zu bringen.

Ein inter­es­san­tes Stück, zuge­schnit­ten auf die Haupt­fi­gur des ver­geb­lich ster­ben wol­len­den Literatur-​​Nobelpreisträgers Wolf­gang Schwit­ter. Die­ser, eigent­lich schon für tot erkla­ert, flieht aus dem Kran­ken­haus in sein altes Ate­lier, um dort in Ruhe zu ster­ben. Doch dar­aus wird nichts, statt­des­sen zieht er alle Besu­cher und Umste­hen­den ins Ver­der­ben, sie ster­ben in sei­ner Anwe­sen­heit oder erle­ben, dass ihre Leben zu einem Trüm­mer­hau­fen werden.

Ich habe mich vor allem auf die Art der Umset­zung kon­zen­triert, wel­che mich nicht so über­zeugte. Aber da wir auch gerade pro­ben, bin ich wohl recht sen­si­bel für Dyna­mik und Glaub­haf­tig­keit der Dar­stel­lung. Und in bei­den Punk­ten konnte das Stück des Zür­cher Stu­den­ten­thea­ters nicht so wirk­lich über­zeu­gen. Die Bewe­gungs­ab­läufe wirk­ten höl­zern, die Über­gänge zu schnell, zu cho­reo­gra­fiert, der Schluss­dia­log mit der Schwie­ger­mut­ter zu lang­at­mig und sta­tisch. Inter­es­sant ist nur, wie kri­tisch ich durch eigene Erfah­rung gewor­den bin. Doch es bleibt abzu­war­ten, ob wir es tat­säch­lich bes­ser hin­krie­gen mit unse­rer Lästerschule.

Wich­tigs­tes Kri­te­rium beim Zuschauen ist die Glaub­wür­dig­keit von Bewe­gun­gen und Gefüh­len. Man muss sich all­mäh­lich hin­ein­stei­gern, an den rich­ti­gen Stel­len war­ten (bestimmte Ant­wor­ten gibt man nicht sofort, da man etwas nach­den­ken muss), Bewe­gun­gen ziel­ge­rich­tet und zum Inhalt pas­send gestal­ten. Somit war das noch­mal ein recht gut pas­sen­des Bei­spiel zur Sen­si­bi­li­sie­rung und zur Selbstreflexion.