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mathias wellner

klar träumen, klar denken

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Tag: laufen

Sonn­tag Mor­gen, Kir­chen­glo­cken läu­ten, ein paar Wol­ken zie­hen am Him­mel, end­lich Son­nen­schein nach so viel Regen. Eigent­lich wollte ich im Enga­din sein, aber ges­tern sah es dort trübe aus, eine frus­trierte SMS erreichte mich am frü­hen Mor­gen. Schon wie­der abge­sagt, auf­ge­scho­ben die Tour, im Sep­tem­ber viel­leicht. Ist der Som­mer schon vor­bei? Ich machte Mut, der Som­mer kommt bestimmt noch­mal zurück.

Ich gehe ohne Früh­stück spa­zie­ren heute, möchte die Sinne ganz öffnen. Nehme die Seil­bahn zum Rigi­blick, die Wol­ken hän­gen tief über Zürich, aber im Wes­ten strahlt blauer Him­mel. Ein­fach rein in den Wald, rechts vom Thea­ter­ge­bäude, gran­diose Lage, dort müsste man mal spie­len. Aber los­las­sen, alle Gedan­ken bei­seite schie­ben, im Jetzt sein, atmen, hören, sehen, riechen.

Eine ver­brannte Brat­wurst liegt noch auf dem Grill mit­ten im Wald, es riecht ver­brannt, sie waren wohl unter dem run­den Dach, durch­sich­tige Plas­tik­be­cher ste­hen herum, ein Papp­tel­ler liegt gefal­tet am Boden. Auf der Heim­fahrt betrete ich ein mit getrock­ne­tem Schlamm arg mit­ge­nom­me­nes Tram, Kopf­schüt­teln ringsum, was ist gesche­hen, ein Open-​​Air-​​Konzert im Schlamm, was sollte der Fah­rer machen? Ver­ant­wor­tungs­los, aus­ba­den müs­sen es andere, Zür­cher sind nicht ordent­li­cher als andere, eher schlim­mer, da alles rasch besei­tigt wird.

Spiegelung

Was­ser­spie­ge­lung

Ein aus­ge­höhl­ter Baum­stamm als Was­ser­trog, es spru­delt unauf­hör­lich. Die grü­nen Blät­ter spie­geln sich im Was­ser, das sieht man nur von der dem Weg abge­wand­ten Seite, Gegen­licht ist meist span­nen­der für Fotos. Breit­bei­nig stehe ich über dem Rinn­sal im Halb­matsch, beuge mich run­ter, um die­ses Foto zu machen.

Es ist weit­ge­hend ruhig, zumin­dest denkt man das. Ein­mal bleibe ich ste­hen, so viele Vögel um mich herum, flie­gen von Ast zu Ast, jagen sich, picken irgend­was, Kohl­mei­sen. In einem Holz­sta­pel spä­ter sehe ich zwei Rot­kehl­chen, die sich ver­ste­cken, vor­sich­tig spä­hen, weg­flie­gen. Noch bin ich zu jung und unge­dul­dig, um Orni­tho­loge zu sein, ich gehe wei­ter. Bis Stett­bach, quer über den bewal­de­ten Hügel.

Blätter

Blät­ter in der Morgensonne

Bau­stelle am Bahn­hof, nackte Stahl­ske­lette recken sich in den Him­mel, Hin­weis­schil­der zu den Glei­sen und zum schein­bar ver­las­se­nen Kiosk. Die Sie­ben fährt ein und dreht eine Schlaufe, wo hält sie? Ich gehe quer durch die Bau­stelle, geführt von Bau­stel­len­ab­gren­zun­gen und errei­che das Tram.

Pan­the­is­mus, Natur­er­leb­nis oder ein­fach ent­span­nen, lang­sam und bewusst gehen, die Sinne öffnen. Einen Jog­ger höre ich schon von Wei­tem, seine Schritte trom­meln auf dem Kies­bo­den. Nor­dic wal­king ist noch lau­ter, die spit­zen Sto­cken­den knal­len in den Boden. Eine Jog­ge­rin redet mit ihrer Kol­le­gin, ohne Pro­bleme und ohne abzu­set­zen, ein Mann hechelt hin­ter­her. Ich gehe lang­sam, halte manch­mal an, höre, sehe, rieche.

Thea­ter spie­len heißt etwas tun und dabei den gesam­ten Kör­per ein­zu­set­zen. Eine Thea­ter­probe muss unbe­dingt kör­per­li­che Akti­vi­tä­ten ent­hal­ten, sonst wird Thea­ter zu einer rein geis­ti­gen Übung ohne phy­si­sche Wahr­heit. Ich möchte einige Übun­gen vor­stel­len, um Bewe­gung in die Thea­ter­probe einzubauen.

Iso­la­ti­ons­übung (zu Musik)

Man nutzt den gan­zen Kör­per, kon­zen­triert sich nach­ein­an­der auf Fuß­ge­lenke, Knie, Hüfte, Ober­kör­per, Schul­tern, Kopf, Ell­bo­gen, Hand­ge­lenke und schließ­lich die Fin­ger­spit­zen. Danach kann man noch frei kom­bi­nie­ren, rich­tig Gas geben und schließ­lich wie­der run­ter kommen.

Lauf­übun­gen

Lau­fen ist etwas extrem Ele­men­ta­res. Eine Übung besteht darin, dass alle durch den Raum lau­fen und der Lei­ter die Stim­mung vor­gibt. Bei Bedarf kann man noch gele­gent­lich ein­frie­ren und einige Leute zum Anschauen befreien. Bei einer ande­ren Vari­ante der Lauf­übung gibt der Lei­ter das Tempo in Abstu­fun­gen von 1 bis 10 vor.

Fol­gen

Alle lau­fen herum und fol­gen einer Per­son, machen also genau das Glei­che. Die Leit­per­son kann das Tempo ver­än­dern, Sprünge ein­bauen, was immer ihr einfällt.

Au ja!

Alle sind auf der Bühne. Einer schlägt laut etwas vor, zum Bei­spiel auf den Boden legen oder an eine Wand gehen. Dann rufen alle „Au ja!” und füh­ren die Hand­lung aus.

Gruppen-​​Einfrieren

Die Gruppe bewegt sich im Raum. Einer friert ein, alle ande­ren fol­gen so schnell wie mög­lich. Jemand anders fängt wie­der an mit bewe­gen. Wie­der fol­gen alle ande­ren. Es funk­tio­niert tat­säch­lich und gibt ein unheim­li­ches Gruppengefühl.

Heute nutzte ich den wun­der­schö­nen Tag, um Zürich zu Fuß zu erkun­den. Ich lief an der Lim­mat ent­lang zum Bahn­hof, danach zum nahe gele­ge­nen Üetli­berg. Die Hänge die­ses Ber­ges sind von Bäu­men bewach­sen, sorg­fäl­tig ange­legte Wege füh­ren durch einen Hang­park. Eigent­lich gibt es auch gar nicht so viele Wege nach oben. Doch irgend­wie habe ich es dann doch geschafft, vom rech­ten Wege abzu­kom­men und mich am Fuß des Ber­ges wiederzufinden. Today I used that magni­fi­cent day to explore Zurich by foot. I wal­ked along the Lim­mat to the main sta­tion and from there to nearby Üetli­berg. The slopes of that hill are grown with trees, care­fully instal­led trails lead through a hill park. Actually there aren’t that many ways up. But for some rea­son I mana­ged to loose my way and find mys­elf back at the bot­tom of the hill.