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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Lesen

Es geht ohne Ver­zug wei­ter, nach sechs Lek­tio­nen Grund­kurs schließt sich jetzt naht­los der Auf­bau­kurs des Zen­trums für Ent­wick­lung im Schau­spiel an. Es begann wie immer mit den bekann­ten Ele­men­ten Auf­wär­men und Sin­ne­ser­in­ne­rung. Dann arbei­te­ten wir mit einem Text, mit Hilfe von ver­schie­de­nen Lese­tech­ni­ken näher­ten wir uns einer Szene.

Auf­wär­men, Sinneserinnerung

Wie immer began­nen wir mit dem kör­per­li­chen Auf­wär­men und der Sin­ne­ser­in­ne­rung. Das Wie­der­er­le­ben der Juckreiz-​​Übung gelang mir, wobei ich tat­säch­lich wie­der Juck­reiz ver­spürte, an den glei­chen und auch ganz neuen Stel­len wie beim ursprüng­li­chen Üben. So ganz habe ich es aber wohl noch nicht gemeis­tert, es sollte am Ende am gan­zen Kör­per jucken.

Text­ar­beit

Das Stück, mit dem wir uns den gan­zen Auf­bau­kurs beschäf­ti­gen wer­den, ist ein zeit­ge­nös­si­sches Stück mit drei Rol­len. Mein ers­ter Ein­druck beim Lesen war, dass alle drei ein wenig durch­ge­knallt sind, halt diese typi­schen moder­nen, wur­zel­lo­sen, sich selbst zer­flei­schen­den, lie­bes­un­fä­hi­gen Cha­rak­tere. Sie reden in kur­zen Sät­zen und oft anein­an­der vor­bei. Und es geht um Organ­spende, Tod, Liebe, Sex, Schuld, Ent­frem­dung, Ver­ant­wor­tung und Sehn­sucht. Der Bogen ist also weit gespannt und man kann aus die­sem Text viel machen.

Vera und Mia sind Schwes­tern, ihre Mut­ter ist durch einen Auto­un­fall ein Pfle­ge­fall und geht ihnen daheim auf die Ner­ven. Sie braucht eine Spen­der­niere, sonst wird sie bald ster­ben. Der Auto­fah­rer, der sie anfuhr, beging Fah­rer­flucht. Mia irrt durch den Bahn­hof und starrt alle Pas­san­ten an, um den Schul­di­gen zu fin­den. Sie begeg­net Achim, den ihr Schick­sal rührt und der ihr hel­fen will, natür­lich nicht ganz unei­gen­nüt­zig. Er besorgt im Aus­land eine Spen­der­niere, aber ein Happy-​​End ist bei die­ser Art Stück natür­lich nicht drin.

Inter­es­sant war die Her­an­ge­hens­weise an den Text. Wir teil­ten uns in Zwei­er­grup­pen auf und lasen den Text zuerst mit ver­teil­ten Rol­len. Danach, beim ana­ly­ti­schen Lesen, lie­ßen wir uns bei jedem Satz soviel Zeit, ihn und sei­nen Sub­text zu ver­ste­hen, dann spra­chen wir unser Gegen­über direkt an. Als dritte Vari­ante wie­der­hol­ten wir jeden Satz so lange, bis wir mit dem Ergeb­nis zufrie­den waren. Auf diese Art konn­ten wir den Text wesent­lich tie­fer ver­ste­hen als bei einer rei­nen Lesung mit ver­teil­ten Rollen.

Haus­auf­ga­ben

  1. Extreme Kälte
  2. Rol­len­pro­fil Achim, prä­gende Erlebnisse

Am Frei­tag, 23. Okto­ber um 19:00 lesen wir bei mir „The Import­ance of Being Ear­nest” von Oscar Wilde. Es wird die eng­li­sche Ori­gi­nal­ver­sion sein und wir lesen mit ver­teil­ten Rol­len. Falls ihr dabei sein wollt, nehmt bitte Kon­takt mit mir auf.

Noch immer lese ich an die­sem Buch, eigent­lich wollte ich (das war so gegen Anfang Sep­tem­ber) bloß schnell diese bei­den schma­len Büch­lein — von Chris­tina aus­ge­lie­hen — durch­le­sen, um mich dann wie­der der Ent­de­ckung des Him­mels zu wid­men. Ges­tern habe ich wie­der einige Sei­ten geschafft und war begeistert.

Mulisch beschäf­tigt sich mit der Erschaf­fung von Leben und tut das in meh­re­ren Ebe­nen. Zum einen schreibt er am Anfang über das Schrei­ben an sich, über die Erschaf­fung von lite­ra­ri­schem Leben also. Es folgt die krasse Beschrei­bung einer Geburt, ein Aus­flug ins mit­tel­al­ter­li­che Prag um der Erschaf­fung des Golem durch Rabbi Löw bei­zu­woh­nen, momen­tan schreibt ein berühm­ter For­scher über die che­mi­sche Erzeu­gung einer sich selbst repro­du­zier­ba­ren „Zelle”. Ich bin gebannt und werde hof­fent­lich bald fer­tig mit dem Buch.

Heute hatte ich mit Mario das erste Arbeits­tref­fen zur Abschieds­le­sung von Nove­cento. Wir haben das Buch durch­ge­ar­bei­tet und über­legt, wer wel­che Abschnitte liest. Das ist wirk­lich Arbeit, da man viele Ent­schei­dun­gen tref­fen muss und die Lesung quasi schon vor dem inne­ren Auge vor­weg­ge­nom­men wird. Das hat dann auch so an die drei Stun­den gedau­ert, wobei wir auch zwi­schen­durch ein paar Pau­sen gemacht haben. Aber wir sind bis zum Ende gekom­men. Die wei­te­ren Fra­gen (wie wer­den ein­zelne Sze­nen am bes­ten umge­setzt oder gar schau­spie­le­risch insze­niert) wer­den wir beim nächs­ten Tref­fen klären.

Der Ter­min steht lei­der noch nicht fest, es gab da Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­bleme mit den ver­ant­wort­li­chen Leu­ten. Am Mon­tag wird sich das Ganze hof­fent­lich klä­ren. Meine Prä­fe­renz liegt auf dem 15. Juni — alter­na­tiv nannte ich den 07. Juni. Hof­fent­lich klappt das noch…

An Requi­si­ten werde ich die fol­gen­den Sachen brau­chen, falls ihr was habt, mel­det euch bitte:

  • Musik: kur­zes, jaz­zi­ges Trom­pe­ten­stück oder jemand, der das halt macht
  • Goldzahn-​​Attrappe
  • Musik: Dixieland-​​Musik
  • Uni­form eines Schiffsmusikers
  • Dynamit-​​Kiste
  • rech­ter Arm (von Schaufenster-​​Puppe)
  • Sound: Unwet­ter, Orkan, tosen­des Meer
  • Kamelhaar-​​Mantel
  • Hut