Zum Inhalt springen

mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Lesung

Für die im Juli star­tende Pro­duk­tion des Gess­ne­ral­lee Back­stage­pro­gramms sol­len alle Inter­es­sier­ten ein Moti­va­ti­ons­schrei­ben ein­rei­chen. Nur dann winkt ein Platz in der Kern­gruppe, dem Ensem­ble.

Die Teil­nah­me­kon­di­tio­nen sind recht hart for­mu­liert, neben dem Spie­len ist das Über­neh­men eines Res­sorts Pflicht, so dass die anfal­len­den Auf­ga­ben bei Finan­zen, Büh­nen­bau, Tech­nik, Orga­ni­sa­tion und Öffent­lich­keits­ar­beit auf viele Schul­tern ver­teilt wer­den. Im Grunde haben wir das beim aki­tiv auch immer so gehand­habt, jedoch die Leute zu Beginn keine der­ar­tige Ver­ein­ba­rung unter­schrei­ben las­sen. Es geht nicht anders, wenn man keine pro­fes­sio­nelle Infra­struk­tur im Rücken hat, und außer­dem sol­len alle Leute abge­schreckt wer­den, die nur mal eben die gro­ßen Stars sein wol­len. Dann lie­ber eine kleine Pro­duk­tion mit weni­gen Leu­ten, die auch mit anpacken.

Aber zurück zu mei­nem Moti­va­ti­ons­schrei­ben, zu den Din­gen, die mich am Thea­ter rei­zen. Eigent­lich ist es ganz ein­fach — man stellt sich vor andere Leute und tut etwas. Aber die­ser Druck der vie­len beob­ach­ten­den Augen schafft eine para­doxe Situa­tion. Man ver­lernt unter die­sen Umstän­den sein nor­ma­les Ver­hal­ten und wird ange­spannt und künst­lich. Genau so, als wenn man sich auf sei­nen eige­nen Atem kon­zen­triert und den­noch ganz natür­lich ein– und aus­at­men möchte. Es funk­tio­niert nicht mehr, man muss alles neu lernen.

Als Freund der Lite­ra­tur bin ich anspruchs­vol­len Stof­fen und Tex­ten ohne­hin zuge­neigt und habe schon viele Dra­men als Buch ver­schlun­gen. Die Namen der Auto­ren und ihre Werke sind jener uner­schöpf­li­che Kos­mos, in dem ich mich gern auf­halte, um Neues zu ent­de­cken und Ver­bin­dun­gen zu Beste­hen­dem her­zu­stel­len. Es rei­zen mich die gro­ßen Namen wie Wil­liam Shake­speare, Fried­rich Schil­ler, Fried­rich Dür­ren­matt oder Ten­nes­see Wil­liams. Es rei­zen mich die gro­ßen The­men wie Ent­frem­dung, Eifer­sucht, Zunei­gung und Macht. Es reizt mich die Aus­ein­an­der­set­zung mit ver­gan­ge­nen Zei­ten und mensch­li­chen Schick­sa­len. Es ist letzt­lich diese Freude an Lite­ra­tur und die vie­len Ver­bin­dun­gen zur Bühne, die mich in die Fänge des Thea­ters trieb.

Am Beginn mei­nes Stu­di­ums (2000) begann ich mit Lesun­gen von Büchern im Freun­des­kreis. Mir war der Der Kon­tra­bass von Patrick Süs­kind in die Fin­ger gera­ten, ein Buch, wel­ches nach sei­ner direk­ten Büh­nen­um­set­zung gera­dezu schreit. Ich beschäf­tigte mich im Vor­feld auch ein biss­chen mit Stimm­übun­gen, um mich opti­mal auf diese erste Lesung vor­zu­be­rei­ten. Die große Her­aus­for­de­rung beim Lesen eines Buches ist das direkte Anspre­chen der Zuhö­rer durch mög­lichst inten­si­ven Blick­kon­takt, man muss den Text sehr schnell auf­neh­men, zwi­schen­spei­chern, um sich dann wie­der ganz dem Publi­kum wid­men zu kön­nen. Ich las sehr betont, um den Text mög­lichst span­nend wie­der­zu­ge­ben, ihn mit Leben zu fül­len, ihn zu inter­pre­tie­ren. Zusätz­lich ver­suchte ich auch stets, spie­le­ri­sche Ele­mente ein­zu­bauen, um ein wenig Abwechs­lung hin­ein­zu­brin­gen. Wei­tere Lesun­gen folg­ten, Das Gespenst von Can­ter­ville (Oscar Wilde), Der Sand­mann (Ernst Theo­dor Ama­deus Hof­mann), Mein Name sei Gan­ten­bein (Max Frisch), Die Schach­no­velle (Ste­fan Zweig), Publi­kums­be­schimp­fung (Peter Handke), Seide (Ales­san­dro Baricco) und Nove­cento (Ales­san­dro Baricco), man­che Lesun­gen hielt ich auch mehrmals.

Ange­kom­men in Zürich fand sich für meine Lesun­gen keine wirk­lich große Leser­schaft, ich schloss mich 2006 der Lai­en­gruppe aki­tiv an, die für ihre dama­lige Pro­duk­tion noch einen Schau­spie­ler suchte. So konnte ich mei­ner alten Lei­den­schaft auf neue Weise frö­nen. Im Laufe von vier Pro­duk­tio­nen lernte ich die Freu­den und Tücken des Thea­ters ken­nen. Wir spiel­ten Man kann nie wis­sen (George Ber­nard Shaw), Die Läs­ter­schule (George Brims­ley She­ridan), Da waren’s nur noch neun (Aga­tha Chris­tie) und Arka­dien (Tom Stop­pard). Meine vor­he­rige Beschäf­ti­gung mit Lesun­gen stellte sich dabei als hin­der­lich her­aus, denn über­trie­be­nes Beto­nen und Spie­len ist für die Bühne eher ungüns­tig. Dies wurde mir beson­ders bei unse­rer dies­jäh­ri­gen Pro­duk­tion bewusst, nach­dem ich im Vor­feld Bücher von Sta­nis­law­ski und Stella Adler gele­sen hatte. Diese bei­den Werke haben mir vor Augen geführt, wor­auf es wirk­lich ankommt beim Thea­ter, auf natür­li­ches Spiel und die authen­ti­sche Ver­kör­pe­rung der Rolle. Es sind die stil­len Momente, die mich im Thea­ter am meis­ten bewe­gen und die ich als Schau­spie­ler auch gern meis­tern möchte. Die lau­ten, pol­t­ri­gen Momente sind genauso not­wen­dig, denn erst der gekonnte Wech­sel zwi­schen bei­den Extre­men ver­mag jene Span­nung auf der Bühne zu schaf­fen, die eine gelun­gene Insze­nie­rung auszeichnet.

Ich mag Thea­ter. Es ist eine enorm viel­sei­tige Pas­sion, neben Lite­ra­tur kommt die Psy­cho­lo­gie beim Rol­len­ver­ständ­nis zum Ein­satz, die Geschichte klopft an, wenn der gewählte Stoff in ver­gan­ge­nen Zei­ten spielt, das Vor­stel­lungs­ver­mö­gen und die Phan­ta­sie sind stän­dig gefragt, doch zugleich ist Thea­ter­spie­len aber auch Hand­werk — kör­per­lich, denn am Ende steht man da auf der Bühne in sei­nem Kör­per und wird ange­schaut. Man muss ganz ent­spannt sein, ganz natürlich.

Salon des Arts

Dez 3
Allgemein

Ende vori­gen Jah­res ver­an­stal­tete die Kul­tur­stelle der ETH Zürich ein drei­tä­gi­ges Kul­tur­fes­ti­val, damals anläss­lich des 150-​​jährigen ETH-​​Bestehens. Damals las ich den Kon­tra­bass und war auch kur­zer­hand bei der Literatur-​​Jury eingeplant.

Um es kurz zu machen: die­ses Jahr war es genau so. Ein Unter­schied ist der Name der Ver­an­stal­tung, sie heißt jetzt Salon des Arts. Mit dem Bro­cken­haus konnte ein Spon­sor für die salon­mä­ßige Aus­stat­tung des Haupt­raums gefun­den wer­den. Und so bot sich dem Besu­cher beim Ein­tre­ten in besag­ten Raum der Anblick zahl­rei­cher Couch– und Ses­sel­ecken, in denen sich Leute unter­hiel­ten oder vor sich hin dämmerten.

Der zweite Unter­schied war das von mir gele­sene Buch. Nach dem Kon­tra­bass (Patrick Süß­kind) vori­ges Jahr die­ses Mal „Mein Name sei Gan­ten­bein” von Max Frisch. Habe ich in Dres­den auch schon zwei Mal gele­sen, also nichts wirk­lich Neues. Lei­der waren auch nur fünf unmit­tel­bare und wei­tere sie­ben bis zehn im gro­ßen Raum ver­streute Zuhö­rer zuge­gen. Den­noch, ein klei­ner Bei­trag zur Salon-​​Stimmung war getan.

Heute waren dann wohl die meis­ten Zuschauer da, als etli­che Tanz­auf­füh­run­gen am Abend statt­fan­den. Ich kam lei­der etwas zu spät, konnte aber doch noch einige Fotos machen. Ich habe mit Langzeit-​​Belichtung expe­ri­men­tiert, um die Tanz­be­we­gun­gen zumin­dest eini­ger­ma­ßen ein­zu­fan­gen. Aber seht selbst:

Hallo liebe Zür­cher! Über­mor­gen (also am 1.12.) lese ich im Rah­men des Salon des Arts Aus­züge aus Mein Name sei Gan­ten­bein von Max Frisch. Die Lesung star­tet um 17:00 im CAB-​​Gebäude (ETH Zen­trum). Kommt vor­bei, bringt Freunde mit und habt Spaß!

It’s his voice. He reads the book (The Great Gatsby, writ­ten by F. Scott Fitz­ge­rald), gets absor­bed in it. This Ame­ri­can voice, I somehow can still hear it. He car­ries the play, which lasts alto­ge­ther over 6 hours. I just saw the first half of it. He reads it all, every sin­gle word in it.

I know the book. I read it ear­lier this year and enjoyed the style. That is pro­bably the main rea­son why I chose to give this quite long play a chance. I could not moti­vate any­body to come with me, it seems a little bit too special.

This com­bi­na­tion of rea­ding and play is abso­lu­tely uni­que. I could not ima­gine a bet­ter way to do it. It never got boring, people ente­red the stage and went off, music play­ing, a wild party illus­tra­ted vividly and the cha­rac­ters just fit­ted. The group Ele­va­tor Repair Ser­vice is from New York and is one of the num­be­rous attrac­tions of the Thea­ter­spek­ta­kel in Zurich. Odd to men­tion, they were not allo­wed to play in New York, because ano­ther adapta­tion (2.5h, more like a musi­cal) got the exclu­sive licence.

After my first, more disap­poin­ting visit of a modern theatre piece at the Thea­ter­spek­ta­kel this one really was just great. I am loo­king for­ward to part two which will fol­low tomor­row afternoon.

Lesung „Novecento”

Apr 27
Allgemein

Ges­tern las ich zum zwei­ten Mal „Nove­cento — Die Legende vom Oze­an­pia­nis­ten”. Im Gegen­satz zur Dresd­ner Abschieds­le­sung war diese weni­ger dra­ma­tisch ange­haucht, und es kamen auch wesent­lich weni­ger Leute. Den­noch, es war ein schö­nes Ereig­nis, rou­ti­niert ließ ich meine Stimme im Raum schwe­ben und die begeis­ter­ten Bli­cke und der tosende Applaus am Ende waren wun­der­voll. Der Pia­nist hat lus­ti­ger­weise den glei­chen Vor­na­men wie ich, also auch mit nur einem T geschrie­ben. Die von ihm gewähl­ten Stü­cke pass­ten gut, wir wech­sel­ten uns vor­züg­lich ab. Es ist ein­fach schade, wie wenig Leute zu so einem Ereig­nis kom­men, dabei gab es ziem­lich viel Öffentlichkeitsarbeit.