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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Museum

Was macht der kul­ti­vierte Stadt­zür­cher an einem regnerisch-​​kalten Sonn­tag­nach­mit­tag? Er setzt sich ins Tram Num­mer Sie­ben und fährt in den Süden der Stadt, vor­bei am Bahn­hof Enge zum Museum Riet­berg. Am höchs­ten Punkt einer beschau­li­chen Park­an­lage mit alten Vil­len befin­det sich der Muse­ums­neu­bau. Ober­ir­disch ist nur der Emp­fangs­be­reich und das Muse­ums­ge­schäft in einem qua­der­för­mi­gen Glas­ge­bäude mit mar­kan­ter Mus­te­rung, Sma­ragd genannt. Die Aus­stel­lun­gen ver­ber­gen sich in zwei Unter­ge­schos­sen, wel­che den Ober­bau flä­chen­mä­ßig weit über­tref­fen. Wie in ein Höh­len­sys­tem dringt man immer tie­fer ins Innere der Erde vor und sieht Expo­nate außer­eu­ro­päi­scher Kulturen.

Rietberg-Regenschirme

Regen­schirme waren die ein­zi­gen Farb­tup­fer an die­sem reg­ne­ri­schen Sonntagnachmittag.

Mein Ziel war die Bhutan-​​Ausstellung mit zahl­rei­chen bud­dhis­ti­schen Figu­ren und Wand­tep­pi­chen. Die meis­ten Sachen sind Leih­ga­ben aus Tem­peln, zwei Mön­che zele­brie­ren zwei­mal täg­lich ein Ver­eh­rungs­ri­tual. Sie sit­zen da und mur­meln unver­ständ­li­che Gebets­verse. Es herrscht eine fei­er­li­che Stim­mung, ich stehe da, ver­su­che einen Blick auf die Prot­ago­nis­ten zu erha­schen, und habe kei­nen Schim­mer, was das alles bedeu­tet. Auch bei den Aus­stel­lungs­ge­gen­stän­den fällt es mir schwer, mich in die­sen völ­lig frem­den Kos­mos hin­ein­zu­ver­set­zen. Eine Figur mit vier Gesich­tern, ein mit Blut gefüll­ter Toten­schä­del, Ritual­dol­che – irgend­wie span­nend aber eine völ­lig andere Welt. Nach zwei Stun­den habe ich Gewiss­heit, ich habe keine Ahnung von Bud­dhis­mus. Medi­ta­tion und Erleuch­tung sind nicht alles, Hesse hat mit Sid­dharta auch nur an der Ober­flä­che gekratzt. Gelobt sei das Chris­ten­tum mit dem letz­ten Abend­mal, dem Kreuz und der Auf­er­ste­hung, da ver­stehe ich wenigs­tens, worum es geht und kann mich auf die ästhe­ti­schen Aspekte der Kunst­werke konzentrieren.

Ich kehre zurück an die Ober­flä­che, bewun­dere erneut die streng-​​geometrische Mus­te­rung des Glas­baus. Ein kur­zer Aus­flug in die Tie­fen ande­rer Kul­tu­ren, der Hang spült mich zurück in den grauen Zür­cher All­tag, ich sprinte zur Hal­te­stelle, will schließ­lich keine Zeit ver­lie­ren an die­sem ent­spann­ten Sonntag.

Archi­tek­tur und Kunst in Bilbao

Städte, immer wie­der Städte. Klein und ver­träumt, groß und laut, modern und künst­le­risch, es gibt viele Kom­bi­na­tio­nen und Nord­spa­nien hat zwei­fel­los einige schöne Städte zu bie­ten. Die Mil­lio­nen­me­tro­po­len Madrid und Bar­ce­lona lie­gen wei­ter süd­lich, hier oben ist Bil­bao die größte Stadt und wegen des ent­spre­chen­den Ange­bots an Flü­gen auch Start– und Ziel­ort unse­rer Rund­reise. Bekannt ist die ehe­mals triste Indus­trie­stadt vor allem wegen des Guggenheim-​​Museums, wel­ches 1997 erbaut wurde.

Es ist ein Meis­ter­werk moder­ner Archi­tek­tur. Es gibt keine gera­den Linien an die­sem Gebäude, ein paar Schritte wei­ter offen­bart sich eine völ­lig neue Per­spek­tive. Und auch innen hat das Museum eini­ges zu bie­ten. Im Erd­ge­schoss war­ten Video– und Raum­in­stal­la­tio­nen auf die Besu­cher. Von Richard Serra stam­men rie­sige geo­me­tri­sche Gebilde aus Stahl, in die man hin­ein­ge­hen konnte. Die Wände neig­ten sich in ver­schie­dene Rich­tun­gen beim Fort­schrei­ten zum Mit­tel­punkt oder Aus­gang. Nun gut, so rich­tig umge­hauen hat mich das alles nicht. Wesent­lich span­nen­der waren die Bil­der aus dem frü­hen 20. Jahr­hun­dert, eins von Marc Cha­gall hing dort, ein paar kleine Picas­sos und — mein per­sön­li­cher Favo­rit — Die gelbe Kuh von Franz Marc.

El Bierzo

Allen, die abseits der aus­ge­tre­te­nen Pfade eine schöne Wan­de­run­gen erle­ben möch­ten, sei diese Gegend wärms­tens emp­foh­len. Sie liegt nord­west­lich von Leon am Rand der gleich­na­mi­gen Pro­vinz. Wir wähl­ten uns das Städt­chen Vega de Espi­na­reda als Basis. Im örtli­chen Tou­ris­mus­büro erhiel­ten wir neben Hotel­tipps auch drei selbst­ge­machte Wan­der­kar­ten für Tou­ren in der Umge­bung. Mit die­sen Schatz­kar­ten mach­ten wir uns dann auch auf den Weg.

Die längste Tour begann im beschau­li­chen Dorf Bur­bia. Wir park­ten unser Auto im Dorf und zogen mit der Schatz­karte los. Noch im Dorf gesell­ten sich zwei kleine Hunde zu uns, die uns fast auf der gesam­ten Wan­de­rung beglei­ten soll­ten. Unser Ziel waren die Seen auf einer Hoch­ebene und gele­gent­lich gab es sogar Weg­wei­ser dahin. Aber mit Schwei­ze­ri­schen Ver­hält­nis­sen war die Aus­schil­de­rung kei­nes­wegs zu ver­glei­chen, gele­gent­lich musste man mit gesun­dem Men­schen­ver­stand ent­schei­den. Die Faust­re­gel ist, lie­ber nicht abbie­gen. Denn die meis­ten Irr­tü­mer beim Wan­dern ent­ste­hen durch zu zei­ti­ges Abbiegen.

Die zweite von uns in Angriff genom­mene Wan­de­rung begann am Pass Puerto des Anca­res auf 1648 m. Die Wol­ken zogen von Nor­den direkt über den Pass, wir hat­ten aber Glück mit dem Wet­ter, es reg­nete nicht. Gegen Ende der Wan­de­rung zog es aber immer mehr zu und so ganz ohne Fern­sicht macht das Wan­dern dann halt doch wenig Spaß.

Picos de Europa

Aber unser eigent­li­ches Wan­der­ziel war der Natio­nal­park Picos de Europa gewe­sen, dafür hat­ten wir sogar einen Wan­der­füh­rer mit 50 Rou­ten. Unsere kühne Fahrt aus dem ver­reg­ne­ten Gali­zien zum Natio­nal­park wurde mit wun­der­schö­nem Wan­der­wet­ter belohnt. Schon vom Zelt­platz aus bot sich uns ein erhe­ben­der Anblick, der mein Berg­stei­ger­herz höher schla­gen ließ.

Die drei Tages­wan­de­run­gen in den Picos erfüll­ten alle unsere Erwar­tun­gen, sie waren abwechs­lungs­reich, anstren­gend, und hat­ten sogar teil­weise alpi­nen Cha­rak­ter. Unser höchs­ter Punkt war eine Schutz­hütte auf unge­fähr 2300 m. Auf dem Rück­weg zur Seil­bahn ver­stell­ten uns Berg­zie­gen den Weg.