Zum Inhalt springen

mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: Nacht

Zum Glück gibt es die­sen Unter­stand. Nach einer hal­ben Stunde Wan­de­rung nahm der Regen immer stär­ker zu, da kam der Unter­stand wie geru­fen. Wir haben eine schöne Aus­sicht auf den Vier­wald­stät­ter See und den Zuger See, die Wol­ken zie­hen vor­über und der Tag geht lang­sam zuende. Den Son­nen­un­ter­gang wer­den wir bei die­sem Wet­ter ohne­hin nicht beob­ach­ten kön­nen. So war­ten wir also wei­ter im Regen.

Am Ende kom­men wir sogar oben an, der Regen ließ irgend­wann nach. Die nächt­li­che Aus­sicht war wun­der­bar und wech­selte durch die zie­hen­den Wol­ken­fel­der ständig.

Stre­cke: See­bo­den­alp (1030 m) – Düs­sen (1360 m) – Rigi Kulm (1800 m) – Seebodenalp

Es soll eine vor­be­rei­tete Theater-​​Kurzszene für eine Per­son wer­den, unge­fähr zwei Minu­ten lang. Ich darf spre­chen, aber han­deln und füh­len sind wich­ti­ger. Es soll schließ­lich keine Kabarett-​​Nummer wer­den. Nach­dem ich am letz­ten Mitt­woch eine wenig plau­si­ble Hand­lung gewählt hatte, soll mein Auf­tritt dies­mal glaub­wür­dig und mit­rei­ßend zugleich sein.

Im Laufe der letz­ten Tage dachte ich immer wie­der an die­sen Auf­tritt. Nach und nach setz­ten sich die ein­zel­nen Hand­lungs­ele­mente zusam­men, es fie­len mir immer bes­sere Begrün­dun­gen für meine Tätig­kei­ten ein. Warum ver­lasse ich den Raum? Das war die zen­trale Frage, erst dachte ich an einen feh­len­den Wecker, aber der Was­ser­be­cher ist wesent­lich dramatischer.

Ort

Schlaf­zim­mer oder Stu­dio, sicht­bar ist ein Bett rechts und ein Stuhl neben dem Bett in Rich­tung Tür, auf dem Stuhl lie­gen Klei­der, eine Hose sollte dabei sein, in einer Hosen­ta­sche ein Mobiltelefon

Zeit

Nacht

Requi­si­ten draußen

Metall­be­cher mit Was­ser, Lappen

Hand­lung

Die Anfangs­emo­tion ist Müdig­keit. Ich muss vor dem Erschei­nen auf der Bühne in diese Emo­tion rein­kom­men. Sollte nicht wei­ter schwie­rig sein, ich denke ein­fach an die Instruk­tio­nen vom Auto­ge­nen Trai­ning (meine Arme sind ganz schwer usw.)

Ich betrete die Bühne, schläf­rig. Ich sehe das Bett, da ist mein Ziel. Aber ich habe es nicht eilig. Ich gehe lang­sam zum Bett und setze mich dar­auf. Ich möchte mich bett­fer­tig machen, ziehe einen Schuh aus.

Plötz­lich bemerke ich diese Tro­cken­heit im Mund. Ein Glas Was­ser wäre super jetzt. Ich streife den Schuh wie­der über und gehe raus.

Ein Hel­fer ver­rückt den Stuhl in mei­ner Abwe­sen­heit. Nicht viel, eine Dre­hung um viel­leicht 45° vielleicht.

Ich komme wie­der rein mit dem vol­len Was­ser­be­cher, schließe die Tür. Ich trinke, es tut gut. Ich bemerke den ver­än­der­ten Stuhl, lasse den Becher fal­len. Es gibt ein lau­tes Geräusch, das Was­ser spritzt, meine Auf­merk­sam­keit ver­la­gert sich auf die Pfütze vor mir. Ich gehe raus, den Lap­pen holen.

Noch­mals wird der Stuhl ver­än­dert, dies­mal einen hal­ben Meter ver­stellt und gedreht.

Ich komme rein, wische die Pfütze auf. Dann fällt mein Blick auf den Stuhl. Ich bin irri­tiert, werde zuneh­mend ner­vös. Ich laufe im Zim­mer umher, prüfe das Fens­ter. Es kann nicht sein, ich muss mir das alles ein­bil­den. Ich setze mich aufs Bett.

Ich nehme das Mobil­te­le­fon und rufe jeman­den an. Ich bin ver­wirrt, ängst­lich und bitte um Asyl. Ich ver­lasse das Zim­mer, erleichtert.

Ein durch­drin­gen­der Schrei, mein Kör­per wird gegen die Tür gewor­fen. Stille.

Vor­hang (wenn einer da wäre)

Okay, es ist ein biss­chen Thriller-​​mäßig. Aber ich mag ein­fach keine Happy-​​Ends. Alter­na­tiv könnte man ein „es war alles nur ein Traum”-Ende machen, aber das finde ich auch weni­ger spannend.

Mei­nun­gen?

Hongkong

Okt 27
Allgemein

Irgend­et­was stimmt nicht heute Mor­gen. Die Roll­treppe, die uns ges­tern abend hin­auf zu unse­rem Hotel trans­por­tiert hatte, fährt ver­kehrt rum, abwärts. Ein selt­sa­mer Anblick, aber es kommt uns ent­ge­gen, woll­ten wir doch etwas wei­ter unten nach einem Früh­stücks­lo­kal Aus­schau hal­ten. Die Roll­treppe mit dem thea­tra­li­schen Namen Mid­le­vel Esca­la­tor ist gut gefüllt, auf ihrer gesam­ten Länge sind jetzt in die­sem Moment Hun­derte unter­wegs zum Büro.

Unser Hotel liegt in einer Wohn­haus­ge­gend auf Hong­kong Island, wobei auch Wohn­häu­ser hier recht hoch sind und Ruhe auf den Stras­sen zu kei­nem Zeit­punkt ein­tritt. Aber gleich hin­ter den nächs­ten Wohn­haus­zin­nen beginnt ein bewal­de­ter Hügel, der zu steil ist, um dar­auf wei­tere Häu­ser zu bauen. Es geht rauf zu einer gas­tro­no­misch gut erschlos­se­nen Berg­spitze, eine Berg­bahn erspart den beschwer­li­chen Auf­stieg. Und oben ist der Aus­blick auf das Hoch­haus­meer die Haupt­at­trak­tion, zahl­rei­che Foto­gra­fen bie­ten ihre Dienste an, um den zah­len­den Kun­den vor dem Pan­orama der Hoch­häu­ser auf ein Foto zu ban­nen. Von hier oben ahnt man die Grösse und Enge die­ser Stadt am bes­ten, man braucht nur die vie­len beleuch­te­ten Fens­ter da unten zu zählen.

Immer und über­all Men­schen, die geschäf­tig vor­bei zie­hen oder ent­spannt in der Fuss­gän­ger­zone ein Pick­nick ver­an­stal­ten, vor allem Asia­ten, aber auch viele Euro­päer. Eng­lisch hört man haupt­säch­lich neben dem unver­ständ­li­chen Chi­ne­sisch. Diese Stadt platzt aus allen Näh­ten und zieht doch immer mehr an, die sich hier ein bes­se­res Leben erhof­fen. Diese Region ist ein selt­sa­mes Kon­strukt, zu klein, um sich mit Nah­rung und Ener­gie zu ver­sor­gen. Dies alles saugt Hong­kong aus der Umge­gend auf, und kon­zen­triert sich auf das grosse Geld an der Börse. Von den Eng­län­dern stam­men die libe­rale Gesetz­ge­bung und die gerin­gen Steu­er­sätze. Und dies bleibt für eine Überg­angs­zeit von 50 Jah­ren nach der offi­zi­el­len Überg­abe an die Volks­re­pu­blik China im Jahr 1997 auch so, bevor dann chi­ne­si­sches Recht gel­ten wird.

Aber hier auf der Haupt­in­sel wirkt Hong­kong noch recht euro­pä­isch, was vor allem am öffent­li­chen Ver­kehrs­sys­tem liegt. Und am Mid­le­vel Esca­la­tor, der Roll­treppe, der wir nach unten gefolgt sind, bis unsere Bli­cke an einem Real Bread Cafe hän­gen blei­ben, an Kür­bis­kern­brot, dem Inbe­griff deut­scher Back­kunst. Es ist ver­traut euro­pä­isch hier, das Essen schmeckt und die Preise sind hoch, wir zah­len lächelnd mit Kre­dit­karte und ver­ta­gen den Schre­cken auf spä­ter. Drau­ßen hat der Esca­la­tor seine Lauf­rich­tung gedreht, bis zum Abend geht es nur noch aufwärts.

Die Roll­treppe ist unsere Haupt­o­ri­en­tie­rung in die­ser recht aus­ge­dehn­ten Stadt,von ihr aus stos­sen wir vor zu den ver­schie­de­nen tou­ris­ti­schen Zie­len, blei­ben aber immer in Sicht­weite der Roll­treppe, die auch mal waa­ge­recht als über­dachte Brü­cke die Stras­sen über­quert. Die Caine Road ist noch weit oben, irgend­ein Museum ist dort und eine Moschee, wei­ter unten die Queens Road. Ganz unten, fast auf ebe­ner Erde geht die Roll­treppe dann in ein Sys­tem von Fuss­gän­ger­brü­cken über und ver­zweigt sich ent­lang einer vier­spu­ri­gen Schnell­strasse. Dort liegt auch das höchste Gebäude, das Inter­na­tio­nale Finanz­zen­trum (IFC) und der Hafen, den man über eine lange blaue Fuss­gän­ger­brü­cke erreicht.

Rausch­haft war mein ers­ter Vor­stoss zum Hafen, ich wollte eigent­lich nur ein paar lang belich­tete Stras­sen­bil­der machen, auf denen die Schein­wer­fer der Autos lange Spu­ren hin­ter­las­sen. Es sind meist schöne Auf­nah­men, mit etwas Glück erzäh­len sie eine Geschichte. Eine undra­ma­ti­sche, all­täg­li­che Geschichte vom Abbie­gen eines Autos, erzählt als unter­bro­chene orange Leucht­spur von Blin­kern, oder die kreis­run­den rück­licht­ro­ten Abbie­ge­spu­ren. Über­haupt Kur­ven, Run­dun­gen geben einem Bild einen ange­neh­men Kon­trast zu den gera­den Linien von Stras­sen und Häu­sern. Aber nach ein paar Lang­zeit­be­lich­tun­gen an der Queens Road ging ich immer wei­ter Rich­tung Hafen, der Blick öffnete sich mehr und mehr, bis ich schliess­lich die Hoch­häu­ser auf bei­den Sei­ten sah, Hong­kong Island hin­ter mir, Kaw­loon Island vor mir, ein Wett­be­werb um Far­ben­pracht zwi­schen den bei­den Inseln, dazu die Fäh­ren und Schiffe, bunt beleuch­tet in hel­ler Nacht. Ein Kalei­do­skop von For­men und Far­ben, ich foto­gra­fiere alles, mit Sta­tiv und zeit­ver­zö­gert, damit kein noch so leich­tes Zit­tern des Appa­ra­tes mir die Schärfe im Bild stiehlt. Über­all Far­ben, wech­selnd leuch­tende Ele­mente von Hoch­häu­sern, ein paar Ang­ler ste­hen eben­falls am Pier, mehr Ruhe und Ein­sam­keit als jetzt und hier ist nicht zu haben in die­ser quir­li­gen Stadt. Es ist fast ein Fie­ber, das mich ergreift, aber irgend­wann ist genug, ich bin so voll von Bil­dern, so müde vom Bild­kom­po­nie­ren, ich gehe. Nur die­ses eine Bild noch, die blaue Brü­cke mit dem Blick zurück auf das höchste Gebäude, das Finanz­zen­trum. Ich gehe zurück, viel wei­ter erscheint mir die­ser Weg, da kein Rausch mehr von mir Besitz ergrif­fen hat. Ich komme zur Roll­treppe, die mich bequem zurück zum Hotel brin­gen wird. Irgend­et­was stimmt nicht. Sie steht, wird gerei­nigt. Ich muss zu Fuss den Berg hin­auf, noch ein­mal ergreift mich ein Rausch, als ich zu spät­schwü­ler Stunde hin­auf­hetze zum Hotel, über Queens Road und Caine Road, vor­bei an der Moschee zum Hotel.

Und eine letzte Foto­ses­sion möchte ich euch nicht vor­ent­hal­ten. Ist ein biss­chen viel, aber ich war flei­ßig am Wochen­ende und habe einige Filme digi­ta­li­siert. Des­halb kommt das jetzt alles auf einen Schlag. Die letzte Ses­sion ent­stand an einem Abend in Zürich. Ich star­tete in der Bahn­hof­straße, der edlen Ein­kaufs­meile mit Juwel­lie­ren, extrem teu­ren Beklei­dungs­lä­den und ande­ren aus­ge­such­ten Geld­ver­nich­tungs­or­ten. Heiß dis­ku­tiert wird die neue Weih­nachts­be­leuch­tung, wel­che aus weiß leuch­ten­den Stä­ben besteht, wel­che ver­ti­kal direkt über der Stra­ßen­bahn­ver­ka­be­lung ange­bracht sind. Jeder Stab besteht aus ganz vie­len Leucht­di­oden, so dass er auch teil­weise leuch­ten kann. In der End­kon­se­quenz gibt es dann lus­tige Mus­ter, wel­che auch auf die Menge der vor­bei­lau­fen­den Pas­san­ten reagieren.

bahnhofstr_tram_faehrt_los

Tram fährt los by well­n­air

zeitungsstapel_wind

Zei­tungs­sta­pel im Wind by well­n­air

Polyball

Nov 7
Allgemein

Ein gro­ßes Ereig­nis, wel­ches bald ansteht, ist der Poly­ball. Das gesamte Haupt­ge­bäude der ETH wird zur Tanz­flä­che, alle mög­li­chen Arten von Musik wer­den gespielt. Tau­sende Leute drän­gen sich auf den Tanz­flä­chen, die Tan­zen­thu­si­as­ten genie­ßen ihre Auf­tritte, die weni­ger Begab­ten sor­gen für platte Füße und lus­tige Rem­pe­leien. Für mich als neu Hin­zu­ge­zo­ge­nen stellt sich natür­lich die Frage, mit wem ich zu die­sem Ereig­nis gehen soll. Aber das wird sich hof­fent­lich noch klären.