Thea­ter lebt von Hand­lung. Es ist die Auf­gabe des Regis­seurs, aus dem Stück­text die Hand­lung her­aus­zu­le­sen und den Schau­spie­lern als Hilfe anzu­bie­ten. Was ich heute gese­hen habe, war das genaue Gegen­teil. Der Regis­seur hat alle Hand­lung ver­bannt und die Schau­spie­ler mit dem Text allein gelas­sen. Das Stück begann mit Aus­schnit­ten aus dem Text, fast wie eine Ouver­türe wur­den The­men ange­ris­sen, von ver­schie­de­nen Schau­spie­lern. Es waren vier, zwei Män­ner und zwei Frauen, die dadurch wie aus­tausch­bar wirk­ten. Das war wohl auch die Absicht. Oder es liegt daran, dass der Regis­seur vor­her Opern gemacht hat. Bei Opern kommt es auf die Arien an, Hand­lung und Authen­ti­zi­tät spie­len eine unter­ge­ord­nete Rolle.

Irgend­wann gab es aber doch so etwas Ähnli­ches wie Hand­lung. Tho­mas Pol­lock Nageoire, der rei­che Geschäfts­mann, bie­tet Louis Laine, dem armen Schlu­cker, Geld an, wirft es ihm zu. Die­ser ent­frem­det sich von sei­ner bra­ven Frau Marthe (von Klara Man­zel im knap­pen schwar­zen Kleid fast schon zu fesch gespielt), ver­lässt sie für Lechy, die Künst­le­rin. Kon­flikt, Marthe pocht auf die Ehe, so sah das wohl auch der Autor damals 1893, es zieht sich. Schön gespielt, aber es zieht sich. Keine Hand­lung, nur Worte.

Die Bühne ist breit, oben eine Holz­de­cke, hin­ten durch­ge­hende Holz­stu­fen, es sieht karg aus. Immer sind alle vier auf der Bühne, von Anfang an, dem Publi­kum aus­ge­lie­fert. Es gibt aber genug Platz, gele­gent­lich sitzt dann einer am Rand und kann sich ein biss­chen entspannen.

Ins­ge­samt kam es mir vor wie ein Übungs­stück für Schau­spiel­schü­ler, mit erschwer­ten Bedin­gun­gen, so dass es nur an ihnen hängt. Keine Hilfe, kein Ver­ste­cken, ein stän­di­ges Ausgeliefertsein.