Der Gang zum RAV

Ein schwie­ri­ger Gang war das Ende Sep­tem­ber — zur regio­na­len Arbeits­ver­mitt­lung. Meine bis­he­ri­gen Stel­len­be­mü­hun­gen hat­ten nicht gefruch­tet, ich sah mich vor einer unge­wis­sen Zukunft. Also mel­dete ich mich an, meine Per­so­na­lien wur­den auf­ge­nom­men, meine Bewer­bungs­un­ter­la­gen kopiert und für den nächs­ten Tag ein Ter­min mit mei­ner per­sön­li­chen Bera­te­rin orga­ni­siert. Mein Selbst­wert­ge­fühl war am Boden, der gerade erfolg­reich erwor­bene Dok­tor­ti­tel schien mir in der freien Wirt­schaft nicht viel wert. Über­qua­li­fi­ziert, ohne echte Berufs­er­fah­rung, Wirt­schafts­krise — das roch nach schlech­ten Aussichten.

Das Gespräch mit mei­ner per­sön­li­chen Bera­te­rin war eben­falls nicht gerade dazu geeig­net, meine Stim­mung zu ver­bes­sern. Ich hätte seit der Dok­tor­prü­fung 10–12 Arbeits­be­mü­hun­gen pro Monat vor­wei­sen müs­sen, also ins­ge­samt 25. Die hatte ich nicht, damit stand mir schon zu Beginn erst ein­mal eine Kür­zung mei­ner Bezüge bevor. Außer­dem erfuhr ich, dass zwei Stun­den Arbeits­weg — in eine Rich­tung wohl­ge­merkt — zumut­bar seien. Und ich solle es doch auch von Anfang an in Süd­deutsch­land pro­bie­ren, da hätte ich den Landsmann-​​Bonus. Und ob ich nicht noch einen Bewer­bungs­kurs besu­chen möchte? Meine Begeis­te­rung hielt sich in Gren­zen, aber ich machte gute Miene zum bösen Spiel und erklärte mich dazu bereit.

Bewer­bungs­kurs

Der Bewer­bungs­kurs war dann eine echte Berei­che­rung mei­nes tris­ten Daseins als Stel­len­su­chen­der. Die Kurs­lei­te­rin war extrem kom­pe­tent und packte auch sen­si­ble The­men gut an. An den Aben­den bas­telte ich stun­den­lang mit InDe­sign an mei­nen Unter­la­gen, am Ende erstrahl­ten Lebens­lauf und Kom­pe­tenz­pro­fil im moder­nen, gut struk­tu­rier­ten Lay­out. Und die ande­ren Teil­neh­mer waren auch sehr inter­es­sante Men­schen mit ihren eige­nen span­nen­den Geschich­ten. Es war also gar nicht so schlimm, wie ich anfangs befürch­tet hatte.

Aber durch den Kurs bin ich jetzt auch wie­der auf dem neu­es­ten Stand in Sachen Bewer­bung. Ob Bewer­bungs­un­ter­la­gen, Anschrei­ben, Stellen-​​Plattformen, Initia­tiv­be­wer­bung, Vor­stel­lungs­ge­spräch — ich weiß Bescheid.