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mathias wellner

klar träumen, klar denken

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Tag: rebel without a cause

Nach drei glor­rei­chen Auf­füh­run­gen und der Demon­tage der Bühne ist „rebel wit­hout a cause” Geschichte. Was bleibt ist die Erin­ne­rung an ein paar sehr anstren­gende Wochen mit all­abend­li­chen Pro­ben, an all die Gesich­ter und Men­schen, an die immer wie­der moti­vie­ren­den Reden von unse­rem Regis­seur Mike, an die klei­nen Pan­nen und an viele wei­tere Ein­zel­hei­ten. Noch steht uns die Abschluss­fete bevor, dann sind die Gedan­ken der meis­ten Leute schon bei der nächs­ten Show, einem noch nicht näher bestimm­ten Musical.

Am Sams­tag — zur letz­ten Auf­füh­rung — gab es noch ein paar sehr emo­tio­nale Momente. Mike stimmte uns vor der Auf­füh­rung mit einer Rede ein, die ich von ihm so nie erwar­tet hätte. Er sagte uns, dass seine Mut­ter im Pulikum säße und wie­viel er ihr ver­danke. Es war echt bewe­gend und mit erneu­er­tem Enthu­si­as­mus stürz­ten wir uns ins Gesche­hen. Nach der Auf­füh­rung wur­den alle wich­ti­gen Betei­lig­ten auf die Bühne geholt und es gab Blu­men. Auch Mike’s Mut­ter kam nach vorn und sagte mit gerühr­ter Stimme, wie stolz sie auf ihren Sohn sei und wie froh, dass sie heute Abend die­ses Stück ange­schaut habe. Mike brachte kein Wort her­aus, für ihn eher unty­pisch. Also ein sehr emo­tio­na­ler Abschied.

Die meiste Zeit des Stü­ckes ver­bringe ich übri­gens im Umklei­de­raum, zusam­men mit ande­ren Leu­ten, wel­che auch nur kleine Rol­len spie­len. Das Umzie­hen ist schnell gesche­hen, meis­tens las ich danach ein Buch. Gele­gent­lich kommt jemand her­un­ter und wird sofort aus­ge­quetscht, ob alles gut gelau­fen sei. Der Ablauf ist allen hin­rei­chend bekannt, so dass man sich dann auch unge­fähre Vor­stel­lun­gen von der ver­blei­ben­den War­te­zeit machen kann. Irgend­wann kommt dann der Ruf, dass sich alle Leute einer bestimm­ten Szene fer­tig machen sol­len. Aus dem grel­len Licht des Umklei­de­rau­mes steige ich die dunk­len Trep­pen zur Bühne hin­auf. Auf der Bühne höre ich jetzt die gerade dar­auf befind­li­chen Leute. Leise laufe ich wei­ter, zu der Stelle, von der aus ich dann in eini­gen Minu­ten in Aktion tre­ten werde. Es herrscht völ­lige Dun­kel­heit, ich tapse in der Fins­er­nis, ahne mehr als ich sehe. Nach lan­gen Minu­ten des War­tens ist es soweit, der Sze­nen­wech­sel fin­det statt und die Schein­wer­fer beleuch­ten nun auch mich, las­sen mich für das Publi­kum über­haupt exis­tie­ren. Ich sage meine Zei­len, laufe meine Bah­nen, schaue in die vor­ge­se­he­nen Rich­tun­gen, bis zum Abgang.

Für ein paar Minu­ten stand ich im Schein­wer­fer­licht auf der Bühne, von hun­der­ten Augen ver­folgt, von hun­der­ten Ohren gehört. Ich war der kleine Teil einer Geschichte, einer ver­än­der­ten Wirklichkeit.

Nun sitze ich also wie­der hier, bin ein wenig ver­än­dert und doch noch der Alte. Neu ist nun diese Unge­wiss­heit, was ich mit mei­ner abend­li­chen Zeit anfan­gen soll.

Noch acht Tage bis zur Show! Lang­sam wird es ernst, Mike (Regis­seur) erin­nert gerade an wich­tige Dinge. Allem voran steht natür­lich das Ken­nen der eige­nen Zei­len. Aber auch Requi­si­ten, Kos­tüme und Öffent­lich­keits­ar­beit spricht er an, um den Erfolg der Auf­füh­run­gen zu gewähr­leis­ten. Nun wird es ernst, ein erneu­ter „full run” wird wohl in weni­gen Minu­ten beginnen.

Davor gibt es immer ein paar andäch­tige Minu­ten, Mike lei­tet uns durch eine Art Medi­ta­tion. Er sagt, dass wir die­sen Tag ver­ges­sen sol­len, die vie­len klei­nen Ärger­nisse und Pla­gen. Dann sol­len wir uns vor­stel­len, durch Raum und Zeit zurück­zu­ge­hen, in jene 50er Jahre, die den Hin­ter­grund des Stü­ckes dar­stel­len. Andere Sit­ten, andere Fri­su­ren, andere Autos, andere Träume und Sor­gen — wir strei­fen unser altes Ich ab und neh­men eine neue Iden­ti­tät an. Die­ser Wan­del ist für mich, zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht gerade schwie­rig, spiele ich doch nur einen anony­men Mann, der am Beginn zusam­men­ge­schla­gen wird, und spä­ter einen Poli­zis­ten. Trotz­dem, diese ruhi­gen, kon­tem­pla­ti­ven Minu­ten vor der eigent­li­chen Probe sind ange­nehm, sie ver­lei­hen die­sem Augen­blick Weihe. Sie las­sen all die pri­va­ten Gesprä­che ver­stum­men, die durch den Raum schwir­ren. Sie machen aus einem Hau­fen Leute eine Theatergruppe.

In ein­ge­spiel­ter Weise neh­men wir unsere Posi­tio­nen ein, ich stehe allein rechts auf der Bühne, wäh­rend sich die „Gang” links grup­piert. Auf der Bühne wird es dann völ­lig dun­kel sein, mein Pfei­fen wird das erste sein, was das Publi­kum ver­nimmt. Sodann nähere ich mich der Mitte, der ein­zig beleuch­te­ten Stelle zu die­sem Zeit­punkt. In die­sem Augen­blick kommt mir der Anfüh­rer der Gang (Buzz) ent­ge­gen und tritt eben­falls in den Licht­ke­gel. Ich ver­stumme. Dann for­dert er mich auf, mein Pfei­fen fort­zu­set­zen, wäh­rend die ande­ren Gang-​​Miglieder mich umzin­geln. Ich werde immer ner­vö­ser, Buzz fragt nach Ziga­ret­ten. Sicht­lich beängs­tigt suche ich wel­che her­aus, biete sie an. Aber er besteht dar­auf, dass ich selbst eine rau­che. Er würde sie mir sogar anzünden.

In dem Moment, als ich mich vor­beuge, trifft er mich mit der Faust in den Magen, ich äußere ein in die­ser Situa­tion ange­mes­se­nes Geräusch. Mein Ver­such, nach links zu ent­kom­men, wird von zwei grim­mi­gen Mit­men­schen ver­ei­telt, ich finde mich inmit­ten der Gruppe und auf dem Boden lie­gend wie­der. Dann tram­peln alle auf dem Boden in mei­ner Nähe herum und ich schreie. So, als würde ich gerade zusam­men­ge­tre­ten. Mit dem Schrei „Bas­tards!” krie­che ich in eine Rich­tung und hum­pele von dan­nen. Die Gang folgt mir.

Das war also mein glor­rei­cher ers­ter Auf­tritt. Nun ist’s eine lange Durst­stre­cke bis zum drit­ten Akt, mei­nem fina­len Auf­tritt als Poli­zist. Wäh­rend­des­sen sitze ich also herum und schreibe das hier. Die vie­len ande­ren Untä­ti­gen sit­zen eben­falls herum, man­che an ihren Lap­tops. Einige sind auch drau­ßen und erhö­hen ihre Chan­cen auf bestimmte Krankheiten.

Das Stück läuft unter­des­sen wei­ter, anschei­nend ohne grö­ßere Pro­bleme. Heute ist der erste Tag, an dem keine Zei­len mehr vor­ge­sagt wer­den. Aber bis­her gab es noch keine Hän­ger, das lässt hof­fen. Das Maß an Kon­zen­tra­tion und Pro­fes­sio­na­li­tät ist heute abend ziem­lich hoch, es ist fast schon erstaun­lich für diese Chaoten-​​Truppe.

Yes­ter­day we read the whole piece (Rebel Wit­hout a Cause), every one his role. I was Offi­cer 1, had not to say that much. But it was all right and I also have the glo­rious part of shoo­ting Plato, when he plays with his gun and doesn’t want to give it to somebody.

Then Mike came up to me and sug­gested me to per­form as the man of the opening scene. He basi­cally is bea­ten up and runs away. I agreed, thin­king that could not be too difficult.

Today we prac­ticed that very scene and some­thing more, where I have no part in. It tur­ned out to be a very dif­fi­cult part, as it invol­ved a lot of action. I enter the stage, whist­ling. Then Buzz con­fronts me, asking for a ciga­rette. Mean­while the other mem­bers of the gang cir­cle around me. Buzz insists on me smo­king a ciga­rette, offe­ring fire. In the very moment I lean for­ward he strikes me in my sto­mach. More­over, he pre­tends it, but it all has to look real. So I grunt and try to run away. But they get me and throw me on the ground. Now they are stam­ping on the ground and I am crying hell. And this is the tri­cky thing. To cry like hell, and this several times. In the end I crawl away and run. It’s not that much but to pre­tend to be bea­ten up really is tri­cky, I can tell you.

Impres­sive for me was the way Mike direc­ted the whole thing. In the begin­ning we gathe­red all on the stage and he asked us to close our eyes. He wal­ked around and told us to think about all that trou­ble of today, and to for­get it. Now we should ima­gine to go 50 years back, in a dif­fe­rent time, in dif­fe­rent cha­rac­ters. And then we were to open our eyes again and to start it. I liked it, this sug­ges­tive little show. And we concentrated.